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Neulich stolperte ich ueber ein Kommentar (in Artikellaenge … spaeter wird klar, warum es nur zu einem Kommentar reichte) von Shizuyo Sutou in Genes and Environment, 40 (article number 26), 2018 mit dem Titel „Low-dose radiation from A-bombs elongated lifespan and reduced cancer mortality relative to un-irradiated individuals„. … … … Bei so einem Titel konnte ich das natuerlich nicht einfach liegen lassen und musste das selber lesen, denn das hørte sich doch zu sehr nach „Fischen im Trueben kleiner Fallzahlen“ und „Propaganda fuer die ueblichen Verdaechtigen an“.

Bis hierhin war meine Meinung, dass jedwede erhøhte Strahlung schlecht fuer (die allermeisten) Lebewesen ist. In meinem einfach Weltmodell natuerlich deswegen, weil Strahlung die Erbinformation zerstørt und prinzipiell Krebs oder sowas ausløsen kann. Bei leicht erhøhter Strahlung passiert das nur manchmal, bei stark erhøhter Strahlung, passiert es oft. Meine „Voreingenommenheit“ fuer diese Meinung war SEHR stark bedingt durch alles was ich wusste und den Experten die viel mehr als ich wissen folgend.

Ich habe meine Meinung diesbezueglich nicht komplett geaendert, aber nach der Lektuere des Artikels (und ich muss sagen, dass ich mich auch ’n guten Teil abseits des Artikels informiert habe) aenderte ich die „Richtung und Staerke“ meiner vorherigen Meinung signifikant (aber NICHT komplett!).
Noch waehrend des Lesens geschah die Meinungsaenderung eher widerstrebend. Die Daten und Modelle (auch abseits des Artikels!) sehen aber alle vernuenftig aus (soweit ich das beurteilen kann). Nachdem die neue Information sich etwas „setzen“ konnte stimmte ich dieser fuer mich neuen Sicht auf die Dinge dann durchaus zu, mit einem groszen ABER (worauf ich weiter unten zu sprechen komme). Spaeter setzte dann Freude ueber die Meinungsaenderung ein … so ’nem  alten Menschen wie mir faellts nicht immer leicht (vor allem vor sich selbst … mhmmmm … wenn ich Hannah Arendt richtig interpretiere mglw. sogar ausschlieszlich vor sich selbst) zuzugeben, dass man jahrelang nicht richtig (Achtung: aber auch nicht falsch!) gelegen hat.

… … … Aber der Reihe nach … … …

Zunachst zum oben verlinkten Kommentar in Artikelform. Ich empfehle das durchaus zu lesen denn der Autor hat gut Daten gesammelt und macht auf ein sehr interessantes Thema aufmerksam. In ganz kurz: die Leute die in Hiroshima und Nagasaki nur (sehr) wenig Strahlung (was immer das auch heiszen mag!) abbekommen haben, hatten in spaeteren Jahren eine geringere Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken.
Aber ACHTUNG: die Aenderungen waren selbst auch nur gering. Wenn ich mich richtig erinnere war der grøszte Effekt um die 20 Prozent und eher im einstelligen Prozentbereich. Das bedeutet also, dass im Schnitt von 10 Leuten die Krebs bekommen haetten, 9 immer noch Krebs bekommen. In meiner Let’s talk about … Krebs Reihe gehe ich auf den (umgekehrten) Aspekt im Detail ein.
Leider entspricht der Artikel nicht dem (was meiner Meinung nach der) wissenschaftlichen Standard (sein sollte), weswegen es vermutlich auch nur zu einem Kommentar gereicht hat. Und darauf møchte ich etwas naeher eingehen, denn wenn der Artikel gelesen wird, dann sollte mindestens das Folgende im Hinterkopf behalten werden.

Gleich als Ersteres ist mir unangenehm aufgefallen, dass bei Zitierungen verschiedene Einheiten bunt durcheinander gewuerfelt werden. Das ist natuerlich OK wenn man zitiert, aber wenn man ueber mehrere Artikel etwas vergleichen will, dann muss man alles in eine Einheit umrechnen. Das geht natuerlich nicht immer, denn diese haben subtil (und manchmal auch nicht so subtil) andere Bedeutungen. Das ist aber ein schlechter Stil das einfach so zu lassen, denn es verwirrt den Leser und macht die (eigene) Evaluation des Geschriebenen schwerer. Oder anders: ich hatte etwas den Eindruck, dass hier ein „Newton gepulled“ wurde, anstatt eines Leibniz … Verschleierung und nur dem Eingeweihten Verstaendliches anstatt Erhellung fuer alle … Letzteres ist wissenschaftlich, Ersteres nicht.
Ich gebe aber auch zu, dass ich nach einer Weile zu dem eher wohlwollenden Schluss kam, dass der Autor das nicht mit Absicht gemacht hat, sondern die Umrechnung mglw. nicht auf sich nehmen konnte … vllt. weil ihm das entsprechende (Hintergrund)Wissen fehlt, weil das in dem von ihm gewaehlten Spezialgebiet nicht so wichtig ist, oder weil das prinzipiell nicht geht, wenn ungefaehre Distanz vom Hypozentrum als ein Indikator fuer die Strahlenbelastung genommen wird.

Zum anderen wird in dem Artikel mit statistischen Modellen hantiert die ich nicht nachpruefen kann, die aber zu unterschiedlichen Interpretationen fuehren. Das ist an und fuer sich nicht so schlimm und ist ganz normal in der Wissenschaft; neue und mglw. bessere Modelle muessen ja auch erstmal irgendwo herkommen. Hier aber sind die Fehlerbalken der Messdaten so grosz, dass man da sonstwas fuer Modelle „durchlegen“ kønnte. Und wenn das der Fall ist, dann sollte das einfachere Modell (siehe oben: linear und gleichmaeszig) gewaehlt werden.
Aber wie gesagt, in der Gesamtheit kam ich am Ende zu dem Schluss, dass da mglw. was dran ist und das bei kleinen Strahlendosen nicht linear ist.

Was mich auch gleich zum dritten Punkt bringt: wir sprechen hier von ziemlich kleinen Strahlendosen … die zwar im Labor leicht zu messen, „in der Natur“ aber schwer zuverlaessig zu ermitteln sind. Die Fehlerbalken sind nun aber nie an dieser Grøsze (der Strahlungsdosis) … was mglw. an dem eben Besprochenen liegt und deswegen erst gar nicht gemacht wird. Interessanterweise wird bei vielen statistischen Modelle ein Fehler fuer nur eine Grøsze (in einem Diagramm) angenommen.
Wenn man nun Fehlerbalken in beide Richtungen (Strahlungsdosis und Krebsraten) hat, dann wird das „durch die Daten kønnte man alles møgliche an Modellen durchlegen“-Dilemma nur verstaerkt.
Das wird nicht richtig besprochen … ich gebe aber zu, dass das Kommentar vermutlich nicht der richtige Platz dafuer ist.

Viertens (und das ist selbst mir als Laie sofort aufgefallen): hier werden verschiedene Strahlungsformen (Alpha, Beta, Gamma, Røntgen, Neutronen) einfach alle unter dem Begriff „Strahlung“ zusammengewuerfelt. Ich als Laie wuerde aber erstmal sagen, dass die Folgen der (vor allem) Neutronenstrahlung bei der unmittelbaren Explosion eine Atombombe anders „hantiert“ werden sollte als die (ich vermute) (vor allem) Alphastrahlung des Fallouts. Dieser Aspekt wird spaeter nochmal wichtig.

Fuenftens hatte ich den Eindruck, dass der Autor gegen die etablierte Theorie „zu Felde“ zieht und versucht alles was den wissenschaftlichen Konsensus hat zu Stande kommen lassen in ein schlechtes Licht zu ziehen. Das aeuszert sich in Sprache die sich gut fuer Schlagzeilen macht die aber nicht in einen wissenschaftlichen Artikel (oder Kommentar) gehøren. Ein Beispiel:

[t]remendous human, social, and economic losses caused by obstinate application of the linear no-threshold mode

Ich bin mir sicher, dass seine Kritikpunkte nicht unberechtigt sind und dass das Zustandekommen eines Konsensus mit echten „arbeitsfaehigen“ Folgen (wie bspw. Arbeitsplatzsicherheit) viel „politisches Hinterzimmerspiel“ und notwendiges „ueberbuegeln“ ueber akademisch wichtige Details mit sich fuehrt. Aber das ist nicht unbedingt grundsaetzlich und immer falsch und schlecht denn …

… sechstens, sprechen wir hier von SEHR geringen Dosen (siehe wieder der dritte Punkt). Die sind so klein, dass es (siehe oben) schwer ist das in den entsprechenden Umgebungen in denen Strahlung vorkommt zu kontrollieren. Hingegen ist es auch fuer weniger versierte Menschen leicht zu verstehen ist, dass Strahlung schlecht ist und da ’ne dicke Abschirmung hin muss … selbst wenn das fuer (sehr) kleine Strahlungsdosen nicht gilt.
Das ist um so wichtiger, weil der Vorteil (sehr) kleiner Strahlungsdosen sich eher in Grenzen haelt (siehe oben), waehrend aus kleinen Strahlungsdosen schnell mal moderate Strahlungsdosen werden kønnen und dann ist’s dumm, wenn da keine dicke Abschirmung ist.

Siebtens habe ich, im Gegensatz zum fuenften Punkt, den Eindruck, dass die „Lieblingstheorie“ des Verfassers als „geschnitten Brot“ dargestellt wird. Auch dies wieder leicht in der Sprache zu erkennen (mit der selben Kritik wie oben):

The sanctuary zone of a 30 km radius in Chernobyl is a paradise for animals and birds.

Das stimmt zwar, wuerde ich aber eher auf die Abwesenheit von Menschen zurueck verfolgen und erstmal vermuten, dass eventuell vorhandene positive Effekte durch (sehr) leicht erhøhte Strahlung im eben genannten viel grøszeren Effekt „untergehen“.

So, das soll jetzt reichen und ich gebe zu, dass das alles als „akademische Erbsenzaehlerei“ angesehen werden kønnte, insb. weil das Kommentar sich ja an Fachpersonen richten soll, die das alles (hoffentlich) einordnen kønnen.

Umso besser ist natuerlich, dass es sich dennoch lohnt den Artikel  (kritisch) zu lesen. Nicht des Artikels selber wegen, sondern weil er (wie schon erwaehnt) in seiner Gesamtheit auf eine Sache aufmerksam macht, die man so sonst gar nicht auf dem Schirm hat. Letzteres natuerlich deswegen, weil es dann doch ein relativ komplexes Thema ist und eigentlich auch nichts im normalen Leben zu suchen hat … das ist ’ne Sache die ehrlich gesagt den Experten ueberlassen werden sollte … aber ich als Laie kann mich ja drueber informieren, damit ich das zumindest ein klein bisschen besser selber einschaetzen kann.

Nun ist der Beitrag schon wieder so lang … ich verschiebe den Rest auf’s naechste Mal.

Auf den Rot- und Weiszkohl und dem Wirsing vom letzten Mal folgt heute (nur) der Rosenkohl.

Rosenkohl fand ich frueher immer urst _UN_lecker und konnte nicht verstehen, warum die Erwachsenen den so toll fanden. Heute weisz ich, dass meine Reaktion ganz normal und verstaendlich war, denn Kinder schmecken Bitterstoffe viel mehr als Erwachsene, deren Sinn fuer’s Bittere abgestumpft ist.
Dieses Phaenomen hat natuerlich einen evolutionaeren Hintergrund, denn viel giftiges Zeug ist bitter und ein kleiner Mensch muss fuer eine tødliche Dosis weniger von so einem Stoff zu sich nehmen als ein groszer Mensch. Gene die also die Empfaenglichkeit fuer Bitteres in jungen Jahren hoch halten ueberleben eher bis zum Fortpflanzungsalter. Andere (?) Gene welche die Empfindlichkeit fuer Bitteres in spaeteren Jahren runter setzen erøffnet zusaetzliche Nahrungsquelle (nicht nur) in schlechten Zeiten. Menschen mit solchen Genen ueberleben im Durchschnitt laenger und haben dann mitunter mehr Nachfahren. Beide Mechanismen fuehren dazu, dass sich die Gene durchsetzen.

Damit bin ich aber noch nicht fertig mit dem Rosenkohl, denn mittlerweile find ich den voll lecker. Das hat nun einen ganz anderen genetischen Hintergrund als der eben erwaehnte. Zuechter in den Niederlanden (so weit ich weisz) haben sich irgendwann im letzten Jahrhundert daran gesetzt, die Bitterkeit systematisch aus dem Rosenkohl raus zu zuechten. Das ist ihnen gelungen und ab ca. kurz nach der Jahrtausendwende hat sich die neue Rosenkohlsorte angefangen weltweit durchzusetzen. Da wurden also die Gene im Rosenkohl veraendert (und nicht meine).
Das fetzt voll, denn halbierte Rosenkohlkugeln, leicht angebraten in der Pfanne sind ja wohl mal URST lecker. Fuer mich war das die kulinarische Entdeckung der letzten paar Jahre und darueber freue ich mich sehr … ich esse doch so gerne (was man mir ja auch ansieht).

Auch heute halte ich mich wieder nur kurz und beim naechsten Mal schliesze ich diese Miniserie dann mit einem definitiv nicht leckeren Gemuese ab.

Es ist ja bekannt, dass Japan in einem Erbebengebiet liegt. Wenn ich das richtig verstehe ist es sogar das Land, in dem die meisten Erdbeben registriert (!) werden. Das liegt aber an der relativ geringen Flaeche des Landes. In der diesbezueglichen Laenderliste liegt es genau zwischen Norwegen (mit etwas mehr …) und Dtschl. (… weniger Flaeche) … was fuer ein Zufall, waehrend es gleichzeitig (Stand 2024) die elftmeisten Einwohner hat. Entsprechend hoch ist sicherlich die Anzahl an Bodenwackelmessstationen fuer ein (soweit ich das beurteilen kann) relativ gut funktionierendes Erdbebenfruehwarnsystem … auch wenn es nur ein paar wenige Minuten sind … wobei sich das vielleicht in der Zukunft zumindest fuer starke Erdbeben auf bis zu zwei Stunden (!) erhøhen kønnte … was ’ne Sensation und technische Revolution waere, die sehr viele Menschenleben retten wird!

Wieauchimmer, andere Laender haben dennoch mehr Erbeben, einfach weil die flaechenmaeszig grøszer sind und da mehr auftreten kønnen. Ein Beispiel waere Indonesien. Weil die Leute da aber nicht so dicht aufeinander hocken (auf’s ganze Land gesehen) … und sicher auch, weil es da infrastrukturtechnisch nicht so weit ist wie in Japan … werden dort weniger Erdbeben (offiziell) registriert.
Desweiteren hat Japan auch nicht die meisten Erdbeben pro Flaeche, denn das wird sicher fuer ein Land mit (deutlich) kleinerer Flaeche zutreffen … oder auch wieder Indonesien, falls es da deutlich mehr Erdbeben gibt als Flaeche (im Vergleich zu Japan) … aber wieder gilt, dass wir das nicht genau wissen, weil die allermeisten kleineren Beben gar nicht registriert werden.
Aber schwere Erdbeben werden ja anscheinend ueberall gemessen (einfach weil die so stark sind, dass da auch weit entfernt liegende Seismometer wackeln). Hier gibt’s was zum rumspielen und wenn ich fuer Erdbeben der Staerke sechs (oder høher) … ACHTUNG: obligatorischer Zusatz folgt … auf der Richter-Skala seit 1990 schaue, liegt auch da wieder Indonesien vor Japan (dicht gefolgt von China).

Bzgl. der meisten schweren Schaeden oder Tote und Verletzte durch Erdbeben habe ich gar nicht erst geschaut. Ich denke einfach, dass:
– Japan sich da wirklich um das Thema kuemmert,
– Japan technisch diesbezueglich sicherlich weltweit fuehrend ist,
– in Japan im Vergleich zu sehr sehr vielen anderen Laendern allein schon aufgrund des allgemeinen Entwicklungsstandes des Landes die Korruption (nicht nur zu dem Thema) verdammt gering und deswegen erdbebenresistente Infrastruktur auch wirklich vorhanden ist,
– es in Japan eine tatsaechlich vorhandene, geplante, entwickelte, ausgebaute und geuebte (nicht nur) zivile Hilfsinfrastruktur gibt anstatt (eher schlechten als rechten) ad hoc Hilfen im Katastrophenfall wie in so vielen anderen Laendern.

Wieauchimmer, vor der Abreise war es das erste Mal, dass ich mich tatsaechlich ueber allgemeine (wenn auch Japan spezifische) Notfallmasznahmen informierte. Leider vergasz ich jedes Mal denen zu Folgen (bspw. die Schuhe immer vor dem Bett bereit zu haben damit man nicht in Scherben tritt), einfach weil das meiner normalen Erlebniswelt so fern und deswegen bei mir nicht „drin“ ist.
Mit einer Ausnahme: als wir am Meer waren habe ich Hugo (und mir) erstmal genau klar gemacht was zu tun ist im Falle eines Tsunami (und woran man den erkennt) und geschaut wo das høchste Terrain ist.

Aber selbst wenn all das bei mir nicht „drin“ ist, so ist es dennoch auch fuer Touristen (semi-)allgegenwaertig, denn in jedem Hotelzimmer fand ich solche, meist vom Bett aus leicht zu erreichende, Notfalltaschenlampen …

… und die haben sogar funktioniert. Diese hier habe ich im Hotel in Kyoto fotografiert … … … und mehr gibt’s dazu auch nicht zu sagen.

Dem Kohlrabi vom letzten Mal folgt heute leckerer Rotkohl … den ich in der Form von Apfelrotkohl sehr gerne esse. Erstaunlicherweise brauchte ich fast 20 Jahre nach dem Auszug aus dem Kindheitszuhause bevor ich mir mal beibrachte den selber zuzubereiten. Relativ fix lernte ich, dass der Rotkohl noch besser schmeckt, wenn man den ’n paar Studen stehen laeszt und auch noch voll toll ist am naechsten Tag. Zwei Tage spaeter schmeckts auch noch sehr fein, aber da wirds dann schon ein bisschen matschig.
Leider ist der junge Mann der bei mir wohnt nicht so’n Freund von Apfelrotkohl … nicht mal (mglw. insb. nicht) in Form von Mansche mit Kartoffeln und Sosze … mhmmmmm … lecker. Naja … wundert mich nicht. Letzteres ist vermutlich insb. fuer juengere Kinder von Interesse und die gewøhnen sich dann sofort dran und freuen sich drauf. Junge (fast schon) Erwachsene wollen dann doch lieber richtiges Essen … Banausen!

Zwei weitere Blumenkohlkultivare sind Weiszkohl und Wirsing. Letzteres kenn ich eigtl. nur als das Einwickelgemuese um Kohlrouladen und die waren (zusammen mit leckerer Sosze und Kartoffeln) vermutlich mein allerliebstes Lieblingsessen. Leider steht das hier im Praeteritum, denn die hatte ich nicht mehr seit dem oben erwaehnten Auszug … *seufz*.
Also ich denke, dass ich danach schon nochmal Kohlrouladen hatte, aber oft werden die mit Weiszkohl gemacht. Das ist auch lecker, aber nicht das Selbe. Frueher kannte ich den nur als nicht so leckeren Bestandteil in (Kohl?)Suppe beim Schulessen … *buærgs*. Mit den Jahren legte ich meine Aversion aber ab und kann Weiszkohl mittlerweile auch wert schaetzen.

Vielmehr faellt mir zu den drei Gemuesen nicht ein … aber ist ja auch mal schøn, dass ich mich kurz halte.

In meinem letztjaehrigen Geburtstagsbeitrag sprach ich an lamentierte ich im Detail darueber, dass mir das Material und die Ideen ausgehen. Als Konsequenz dessen zog ich in Erwaehnung, diesen Weblog mglw. ganz einzustellen. Ich schrieb aber auch, dass mir das nicht so richtig passt, weil ich sehr gerne schreibe und mir das alles sehr am Herzen liegt.

Als Kompromiss bin ich neulich drauf gekommen, dass ich auch einfach nur noch einen Beitraeg pro Woche schreiben kønnte. Das haette eine drastische Reduzierung der Artikelanzahl zur Folge; anstatt an jedem Primzahltag (also bis zu 12 Artikel pro Monat) nur noch an einem Primzahltag der Woche.
Bisher unterschied ich auch zwischen kurzen und langen Artikeln (wobei das seeeeeeehr flexible Kategorien sind), je nachdem wieviele Tage bis zum naechsten Artikel vergehen. Das faellt dann auch weg. Ich publiziere was vorliegt, egal ob das jetzt trivial und kurz oder komplizierter und lang ist.

Im Allgemeinen løst es das Problem, dass mir die Ideen ausgehen, nicht. Das gibt mir aber einen gewaltigen Aufschub, denn es laufen ja noch ein paar Miniserien und ebenso gibt’s beim Anhang von Kevin Bacon noch ein paar Dinge die getan werden muessen.
Das løst aber mglw. (vllt.? hoffentlich?) das spezielle Problem, dass ich nicht (mehr) genug Ideen fuer die bisherige Beitragsfrequenz habe. Ab und zu hab ich ja doch was worueber ich schreiben møchte, weil ich’s interessant finde und mir Gedanken drueber gemacht habe. Und wenn ich nur vier Sachen pro Monat „brauche“, dann bleibt mein Weblog unter Umstaenden noch eine Weile bestehen :)

Jetzt noch ein Kommentar zum Titel: der ist naemlich doppelt nicht (ganz) richtig.
Zunaechst einmal geschehen die Veraenderungen einmalig und das ist dann ein fortlaufender (wenn auch zunaechst neuer) Modus Operandi fuer meinen Weblog. Das Wørtchen „Ab“ ist also fehl am Platz.
Desweiteren ist das Wørtchen „Ab“ ein zweites Mal fehl am Platz in Verbindung mit dem Wørtchen „heute“. Der letzte Beitrag war bereits vor 10 Tagen. Nach dem alten, viele Jahre geltenden Verøffentlichungsplan haetten zwischem diesem und dem letzten Beitrag zwei weitere Artikel erscheinen muessen. Oder anders: die Veraenderungen haben laengst stattgefunden, heute ist nur der erste Tag, an dem ich drauf aufmerksam machen kann.
Ich gebe zu, dass ich das so schrieb, weil es eine høhere aufmerksamkeitsheischende Wirkung hat.

Damit verbleibe ich bis … naechste Woche … tihihi.

Bei hohen Sachen møchte man ja gerne wissen, wie hoch die sind. Bei besonderen Dingen gibt man das in Meter an … der Fernsehturm, der Berg, die Statue. Bei den allermeisten Gebaueden ist es hingegen von grøszerem Interesse zu wissen wie viele Stockwerke das hat. Ja klar, Gebaeude mit gleicher Anzahl an Stockwerken sind oft unterschiedlich hoch, aber mir geht es um eine „Essenz der Sache“ die ich mit dem folgenden Beispiel versuche zu illustrieren.

Auf dem Dorf (bzw. auch in der kleinen Stadt) erschien mir damals, als junger Mensch, der drei- oder mglw. sogar fuenf(!)støckige Plattenbau als ziemlich hoch. Dann kam ich als (sehr) junger Erwachsener in ’ne richtige Stadt und dort waren dann die 10-støckigen Bauten ziemlich hoch. (Von heute aus gesehen) Nicht sehr viel spaeter ging’s ab und zu mal in die Hauptstadt und dort hielt ich mich dann in einem 17-Støcker auf; dieser schien mir als ziemlich hoch. Nun als mittelalterlicher Mann kam ich nach Japan und die wirklich hohen Gebaude dort machten im Wesentlichen den gleichen Eindruck auf mich: ziemlich hoch … die hatten aber viel mehr als 17 Stockwerke … nur „fuehlte“ es sich nicht als soooo viel mehr an.
Worauf ich hinaus will ist, dass all diese Gebaeude in Metern zwar immer høher werden, aber deren „gefuehlte Grøsze“ nimmt irgendwie nicht im selben Masze zu.

Ein Ausweg aus dem Dilemma bietet die oben erwaehnte (und im vorigen Paragraph verwendete) Zaehlweise in Stockwerken. Mir „sagt“ 17 Stockwerke mehr als 50 Meter. Wie hoch sind eigentlich 50 Meter (ziemlich hoch wuerde ich mal sagen) und was ist der Unterschied zu 30 Metern (was ja immer noch ziemlich hoch ist)?

Da stellte sich dann in Japan aber ein Problem: das sind so viele Stockwerke, dass man zwar auf die Idee die zu zaehlen kommt, sich aber schnell beim Zaehlen mit den Augen auf der Fassade „verirrt“, denn es gibt keine „Anheftungspunkte“ die anders aussehen als die anderen, immer gleichen Fenster. Dieses Problem tritt bei einem 17 Stockwerken (noch) nicht (so stark) auf.

Damit komme ich zum heutigen Bild, denn als wir in Sapporo aus dem Bahnhof traten und unser Hotel suchten, tauchte dort dieses (ziemlich hohe) Hochhaus auf …

… und zu meiner Freude waren die Stockwerke nummeriert. Toll wa!

Und mit der Stockwerknummer 49 macht das schon ’nen ganz anderen Eindruck, als der ziemlich hohe 17-Støcker in Berlin.
Wie viel høher das ist, wird einem auch insb. dann etwas bewusster, wenn man bedenkt, dass Letzterer gar nicht mit im Bild gewesen waere (weil ich bei 19 Stockwerken abschneide). Das ist dann eine andere „Perspektive“, die man durch die blosze Angabe der Høhenmeter nicht wirklich bekommen haette.

Auszerdem ist es ebenso eine gute Visualisierung gewisser, kleiner Eindruecke (Wortspielkasse!) meiner Japanreise.

Ich versuche es heute mal anders.

Spinner (nicht nur die ueblichen) erkennt man mitunter nicht sofort. Das liegt daran, dass diese oft zunaechst nicht unplausibel klingende Geschichten erzaehlen und auf den ersten Blick zwingend erscheinende Sachzusammenhaenge darlegen. Dies dient dann meistens (immer?) als Einleitung fuer Unerhørtes.
Ein einfaches und legitimes Mittel um solchen Spinnern nicht auf den Leim zu gehen, ist in solchen Faellen der Merksatz: fuer eine so krass auszergewøhnliche Sache haette ich gerne ein paar gleich krass auszergewøhnliche Beweise (bevor ich die als richtig in Betracht ziehe).

Ein (all zu) einfaches Beispiel sind UFOs. Ein paar verwackelte Bilder von Lichtern am Himmel reichen da nicht als Beweis. Insb. nicht mehr heutzutage, wo alle Leute mit Kameras in der Tasche rumlaufen. Und hier liegt der Knackpunkt, denn wenn pløtzlich entsprechend viele UFO-Videos ueberall (nicht nur in spezifischen UFO-Foren!) auftauchen wuerden, waere das sehr auszergewøhnlich. Das ist aber nur eine notwendige Bedingung um die Existenz von UFOs anzuerkennen. Hinreichend wird es auch dann, wenn man annimmt, dass so viele Videos nicht systematisch gefaelscht werden kønnten (das ist im Wesentlichen der Grund fuer die Klammer im vorvorhergehenden Satz).

Nun ist es aber auch hier so, dass ich der Aussage zwar durchaus zustimme, dem aber wieder vorsichtig begegnen møchte (wenn auch mglw. etwas weniger vorsichtig verglichen mit den zwei vorherigen Aussagen in dieser Miniserie). Es braucht nicht notwendigerweise massenweise Beweise fuer auszergewøhnliche Ereignisse. Im obigen Beispiel reicht ein einziges UFO, welches direkt vor meinen Fueszen landet. … Andererseits waere das ja an sich auch eher auszergewøhnlich.
Deswegen meine ich das eher in dem Sinne, wie es in der Mathematik (oder vielmehr (nach Popper) in allen Wissenschaften) passiert. In der Mathematik reicht ein einziges Gegenbeispiel (anstatt vielen) aus, um eine Theorie zu widerlegen. Das ist dann aber nur eine banale Rechnung die das Gegenbeispiel liefert.

Fuer Wissenschaften die „empirischer“ sind ist das folgende Beispiel aussagekraeftiger: wenn ein „Blips“ in einer Messung auftritt, der zu einer auszergewøhnlichen Aussage fuehren wuerde, dann ist der nicht zu verwerfen, sondern zu untersuchen. Denn wieder gilt, WENN der „Blips“ richtig ist, dann kønnte die Theorie falsch sein und das muss man wissen. Ist andererseits der „Blips falsch (also nur ein Messfehler oder statistische Fluktuation), dann ist das um so besser, denn dann ist mein Weltbild noch mehr gefestigt.
Aber ein „Blips“ an sich ist nichts auszergewøhnliches und den zu untersuchen auch nicht.

Oder noch anders, naemlich postmodern: sich widerstreitende Aussagen sind beide in ihren jeweils geltenden Systemen richtig und entsprechend falsch (und damit auszergewøhnlich) im jeweils anderen System. Ich kann dadurch aber viel lernen um andere Menschen besser zu verstehen, wenn ich das nicht mit der obigen Aussage sofort verwerfe.

Wie auch bei den anderen zwei Artikeln, faellt es mir schwer mich konkret auszudruecken. Schade … aber ich lass das mal so stehen und hoffe, dass ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, das schon versteht was ich meine, auch wenn die passenden Worte fehlen.

Mit Kochen und Duschen (bzw. Brotbuechse fertig machen) sind viele Ereignisse die zu erhøhten Partikelkonzentrationen in meiner Kuche fuehren identifiziert. Ein paar kleinere, regelmaeszig auftretende Spitzen sind aber noch nicht gekennzeichnet. Um nicht all zu lange um den heiszen Brei herum zu reden, handelt es sich dabei ums fruehstuecken und das tritt in zwei „Formen“ auf. Die erste „Form“ ist relativ gut erkennbar, …

… denn obwohl sich das Signal (PM10, bei PM2.5 passiert fuer diese Ereignisse im Wesentlichen nix) mit ca. 4 µg pro Kubikzentimer nur wenig aus dem Untergrund hervorhebt, so ist es doch deutlich zu erkennen, denn besagter Untergrund vor und ein paar Stunden nach dem Ereignis ist im Wesentlichen null. Desweiteren erkennt man in der blauen Kurve eine spontane Temperaturerhøhung, die bei der Identifizierung des Vorfalls hilft.

Die zweite „Form“ …

… ist laengst nicht so gut zu sehen, denn das Untergrundsignal vorher und nachher ist relativ grosz (mglw. durch immer noch vorhandene Braten-brutzel-Partikel vom Abend zuvor). Das eigentliche Signal geht darin zwar nicht „unter“, aber es tritt auch nicht so deutlich daraus hervor, wie im ersten Fall. Auszerdem tritt auch keine klar erkennbare Veraenderung in der Temperatur auf. Die beiden Beispieldiagramme zeigen, dass man aber dennoch etwas sieht und weil diese Art von Ereignis immer zum gleichen Zeitpunkt auftritt ist es leicht mit dem Fruehstueck zu identifizieren.

Das erklaert dann auch, warum manchmal ein sprunghafter Temperaturanstieg diese Ereignisse begleitet (da backe ich mir Brøtchen im Ofen auf) und manchmal nicht (denn ich backe mir nicht jeden Tag Brøtchen auf).

Wenn man das in der Uebersicht eintraegt …

… stellt sich nur eine Frage: warum habe ich an dem Wochenende (31.10. und 01.11.) so frueh Fruehstueck gegessen?
Zunaechst dachte ich, dass ich in dem Zeitraum vielleicht ein urst spannendes Spiel gezockt habe (sowas laeszt mich durchaus auch mal frueher aufstehen). Ich schaute aber nach und dem war nicht so. Genaugenommen ist es so, dass ich am 31.10. ein Spiel abgeschlossen habe, fuer das ich ganz sicher nicht frueh aufgestanden waere. Andererseits kønnte auch das genau die Erklaerung sein, warum ich frueh aufgestanden bin. Dadurch, dass mich besagtes Spiel nicht so fesselte, bin ich am 30.10. vermutlich relativ frueh ins Bett gegangen und entsprechend frueh wieder wach gewesen. Am 31.10. war ich in der gleichen Situation, denn ich war fertig mit dem Spiel  am fruehen Abend und habe da sicherlich noch nicht mit dem naechsten Spiel angefangen … joa das hørt sich durchaus plausibel an.
Weiterhin ist zu bedenken, dass da gerade mal der erste Covidsommer vorbei war und Normalitaet sich noch nicht wieder eingestellt hatte. Das erklaert aber eher im Groszen und Ganzen, warum ich mir bspw. am Montag dem 01.10. Brøtchen aufbacke.

Nun sind nur noch ein paar wenige Sachen unerklaert … dazu mehr beim naechsten Mal.

Beim letzten Mal gab’s den Blumenkohl, den Brokkoli und Romanesco.

Aber das sind nicht die einzigen leckeren Brassica Oleracea Kultivare. Ein weiterer Favorit von mir ist der Kohlrabi. Frisch aus dem Garten, mit einer nicht zu groszen Knolle … ein sehr genussreicher (und bestimmt gesunder) Snack auf die Hand.
Leider ist Kohlrabi hier in Norwegen fast unbekannt. Also es gibt schon eine Erdfrucht mit dem gleichen Namen: Kålrabi … aber das ist eigtl. eine Steckruebe die UNTER der Erde waechst! Das wird zu Mus zermanscht und kommt Weihnachten auf den Tisch. Alle Leute hier scheinen das urst zu møgen, aber ich find’s nicht so doll. Entsprechend enttaeuscht war ich, als ich’s das erste (und alle weiteren) Mal(e) vorgesetzt bekam.

Erst seit ein paar Jahren seh ich hier ab und zu echten Kohlrabi in den Geschaeften. Aber die Norweger kønnen damit anscheinend nix anfangen. Bzw. habe ich den Eindruck, dass die daraus „instinktiv“ das Kålrabimus machen wollen (obwohl es ja ein ganz anderes Gemuese ist). Deswegen sind die Kohlrabis im Geschaeft urst dick. Aber dicke Kohlrabiknollen schmecken nicht lecker, sind diese doch fast immer „holzig“ … so gesehen, ist es also kein Wunder, dass die Norweger damit nix anfangen kønnen … und ich kaufe solche qualitativ massiv minderwertigen Kohlrabis auch nicht (von den zwei Malen die ich’s probierte abgesehen), denn die schmecken als roher Snack fuer Zwischendurch nicht lecker.

Echter Kohlrabi heiszt in Norwegen Knutekål und die Verwirrung mit den Namen ist „dem Norweger“ (wer immer das auch ist) nicht unbekannt. In einem Buch von 1926 steht bereits:

Kålrabi er det […] mest kjendte navn på denne plante hos oss. […] [D]et [har] stadig vært forvekslinger med en annen plante nemlig knutekål, som også er blitt kalt kålrabi […]
Kålrabi [Steckruebe] […] ist bei uns der bekannteste Name fuer diese Pflanzen. […] Es kommt oft zu Verwechslungen mit einer anderen Pflanze, naemlich Knutekål [Kohlrabi], die auch kålrabi genannt wird […].

Schon komisch, dass es ausgerechnet im Lande eines Henrik Ibsen zu solcher Wortverwirrung kommt.

Zu meiner groszen Freude scheint das ueber der Grenze etwas anders zu sein. Ich kenn mich da zwar nicht aus, und weisz nicht, was die Schweden damit machen, aber ich fand dort auch Kohlrabi in vernuenftiger Grøsze zum rohen Verzehr nach der Heimkehr aus dem Laden … war natuerlich nicht ganz so lecker wie aus dem eigenen Garten … aber auch nicht holzig und durchaus fein, wenn man sonst nicht an dieses Gemuese kommt.

Genug der vielen Anekdoten. Zum Abschluss ist festzuhalten: Kohlrabi ist auch nur Blumenkohl.
Eigentlich wollte ich auch heute ueber mehr als nur ein Gemuese schreiben … und der Kohlrabi ist nicht das beim letzten Mal versprochene „etwas verrueckte“, denn eine Verwandschaft mit dem Blumenkohl scheint nicht all zu weit hergeholt. Aber es gab so viel zum Kohlrabi zu erzaehlen, dass ich das auf’s naechste Mal verschiebe.

Neulich stolperte ich ueber einen Artikel von Sisodiya, S. M. et al. im Journal of Medical Genetics, 44(6), 2007, p. 373–380 mit dem „Titel Genetic enhancement of cognition in a kindred with cone–rod dystrophy due to RIMS1 mutation„.

Dabei untersuchten die Autoren eine Familie in der einige der Mitglieder aus genetischen (und vererbbaren!) Gruenden ca. Mitte 20 blind werden. Das ist natuerlich schlecht fuer die Leute, aber das ist ein super Kandidat fuer Untersuchungen, in der  Mendelsche Randomisierung benutzt wird.

Das krasse weswegen der Beitrag diesen Titel hat ist nicht, dass die blind werden, sondern dass die Blinden im Durchschnitt ca. 20 IQ-Punkte schlauer waren, als ihre nicht-blinden Geschwister (und naeheren Verwandten). 20 IQ-Punkte Unterschied in die positive Richtung sind urst krass und nicht mal das Entfernen von Blei aus der Umwelt oder der Einsatz von Jodsalz kommt da ran (zumal letztere auch auf den Durchschnitts-IQ ganzer Populationen wirken und nicht direkt mit individuellen IQs in Verbindung gebracht werden kønnen). Aber weil das NUR die Blinden betrifft wird das noch krasser, denn obwohl …

[a] A genetic contribution to variation in human intelligence is well established […]

… ist es doch so, dass …

[…] the identities of the genes responsible remain elusive.

Oder anders:

[…] no definite genetic causes of enhanced cognition are established […].

Auf all das ging ich insb. in den Nachtraegen zur Intelligenzquotientreihe bereits ein. Ich schreibe hier aber schon wieder darueber, denn genau das Gegenteil dessen was im letzten Zitat „bemaengelt“ wird scheint bei dieser Familie der Fall zu sein und das entsprechende Gen ist wohl RIMS1. Krass wa! … … …

… … … Oder auch nicht, denn kurz nach dem ich obigen Artikel gelesen hatte, stolperte ich ueber „Dominant Cone Rod Dystrophy, Previously Assigned to a Missense Variant in RIMS1, Is Fully Explained by Co-Inheritance of a Dominant Allele of PROM1“ von Martin-Gutierrez, M. P. et al. in Investigative Ophthalmology & Visual Science, 63 (9), article 14, 2022.

Die Autoren benutzen bessere Techniken und (viel) groeszere Datensets (es ist urst krass viel passiert in den 15 Jahren zwischen den beiden Artikeln).
Das Resultat (in kurz): RIMS1 ist nicht fuer die Blindheit verantwortlich.
Das Resultat (in etwas laenger aber immer noch all zu verkuerzend und alle statistischen Argumente weglassend): es gibt ein weiteres Familienmitglied OHNE die RIMS1-Mutation, welches aber mittlerweile auch blind geworden ist. Leider (#1) stand dises nicht fuer weitere genetischen Untersuchungen zur Verfuegung, aber alle ANDEREN Blinden Familienmitglieder sind Traeger einer PROM1-Mutation, die viel deutlicher mit Blindheit assoziiert ist, als RIMS1. Leider (#2) geht es Martin-Gutierrez, M. P. et al. nicht im Geringsten um kognitive Faehigkeiten. Leider (#3) wurde mit dem (jetzt auch blinden) Familienmitgleid ohne RIMS1-Mutation damals kein IQ-Test durchgefuehrt … die krasse Sache die ich oben schrieb bleibt also mindestens halboffen.

Ich schreibe „halboffen“, denn im ersten Artikel scheint ja dennoch alles auf genetische Ursachen der erhøhten Intelligenz (und Blindheit) hinzudeuten. Die nicht-blinden Familienmitglieder sind naemlich normal intelligent … es ist halt nur mglw. nicht RIMS1 … und hier stoppe ich mich selbst, denn ich habe davon ueberhaupt keine Ahnung und verfalle in reine Spekulation ohne sicheres „Fundament“.

Nebenbemerkung: Martin-Gutierrez, M. P. et al. legen uebrigens gut dar, dass diese Missattribuierung jedem haette passieren kønnen und definitiv nicht Sisodiya, S. M. et al. in die Schuhe zu schieben ist, denn die ganze (nicht nur genetische) Situation in dieser Sache ist so ungewøhnlich und kann auch heute noch leicht mit statistisch-gesehen-muss-RIMS1-fuer-die-Blindheit-verantwortlich-sein verwechselt werden.

Lange Rede kurzer Sinn: es sieht fuer mich trotz aller Widrigkeiten so aus, dass man einer genetischen Ursache fuer krass erhøhte Intelligenz auf der Spur ist. Sollte dem so sein, bleibt diese leider auch hier wieder mit einem massiven Nachteil verbunden.