Archive for the ‘Allgemein’ Category

Neulich las ich einen kurzen Beitrag mit dem Titel „Will truckers be automated?

Nun da kann man erstmal denken: .oO(Ach nicht schon wieder die olle Leier). Aber ich empfehle das mal zu lesen. Es ist naemlich sehr kurz und eigentlich ein Statement, dass all diese „Weltuntergangspropheten“ wie ich vøllig falsch liegen, denn:

One of the big failings of high-level analyses of future trends is that in general they either ignore or seriously underestimate the complexity of the job at a detailed level. Lots of jobs look simple or rote from a think tank or government office, but turn out to be quite complex when you dive into the details.

Und da stimme ich dem Verfasser zu. Ich weisz nicht, wie komplex LKW-fahren wirklich ist und was es alles beinhaltet.
In dem Artikel werden dann wichtige Beispiele gegeben. Und nachdem ich das gelesen hatte dachte ich erstmal: .oO(Ach so ein Mist! Da lag ich wohl vøllig falsch und die Roboter kommen doch nicht so schnell wie ich dachte.)
Aber dann dachte ich mal drueber nach und ich kam zu jedem einzelnen der (spezifischen) Argumente auf ein Gegenbeispiel warum das den Beruf des LKW-Fahrers nicht retten wir.

An einem Mangel an Vorstellungskraft sind die besten Ideen gescheitert. Und weil dies so wichtig ist und auch weil die spezifischen Argumente uebertragbar sind auf andere Situation, møchte ich die hier im Detail darlegen.

[…] truck drivers […] secure loads, including determining what to load first and last and how to tie it all down securely.

Da packen wir einfach Sensoren in den Laderaum und RFID-Chips auf die Pakete. BAMM! Meldung, wenn zu viel auf einer Seite ist. BAMM! Meldung wenn ein Paket das zum Schluss rein muss zuerst rein kommt. Algorithmen zur Optimalisierung werden ganz schnell zur Verfuegung stehen. Und die Leute die falsch packen kønnen natuerlich auch identifiziert werden. Und nur die die es ordentlich machen ueberstehen die Probezeit. Møchte ich das haben? Nein! Aber wir haben das ja laengst und es interessiert keine Sau.

Der Punkt ist: sog. „kuenstliche“ „Intelligenz“ løst dieses Koordinierungsproblem bereits heute.

Und das festbinden: Na da wird dann bestimmt ein neuer Job entstehen — der Lasten-richtig-festbinder-Spezialist. In Staedten mit viel Auf- und Abladen wird der als Passagier mitfahren. In laendlichen Gebieten wird alles ohnehin zu lokalen Verteilungszentren gefahren und da sind die dann vor Ort.

Erstmal weiter in kurzen Stichpunkten.

They verify that what they are picking up is what is on the manifest.

RFID. Ist nicht das drin was draufsteht, dann ist wer anders Schuld.

They are the early warning system for vehicle maintenance.

Mehr Sensoren. Auszerdem ist der Verschleisz bei Roboter-LKWs viel kleiner, weil die langsamer fahren kønnen.

They deal with the government and others at weighing stations.

Ein (Video)Telefonservice bei der Transportfirma løst das Kommunikationsproblem.

When sleeping in the cab, they act as security for the load.

Erwaehnte ich bereits, dass Roboter nicht stehen bleiben brauchen. Wenn sie doch mal tanken muessen, dann gibt es halt den neuen Job des Auf-tankende-Roboter-LKW-Aufpassers.

If the vehicle breaks down, they set up road flares and contact authorities.

Rettungsdienste werden bereits heute schon automatisch angerufen. Und das Warndreieck kann von einer Drohne aufgestellt werden. Da wuerde ich mal denken, dass das sogar øfter im richtigen Abstand aufgestellt wird.
Ueberhaupt der Bereich rund um Reparaturen „on-the-road“. Dafuer braucht es keinen Fahrer. LKWs sind nicht so oft kaputt. Das reicht, wenn man da alle hundert Kilometer ’ne Werkstatt hat, die dann ausrueckt. … … … Oh warte! Das hørt sich bekannt an. Ach ja! Das haben wir ja bereits heute! Nennt sich oft genug Tankstelle und manchmal Abschleppservice.

Dann folgt der allerwichtigste Punkt:

[…] truckers [have] […] local knowledge that is not easily transferable […]

Das ist richtig und meiner Meinung nach gleichzeitig DER Hauptgrund warum Roboter und „kuenstliche“ „Intelligenz“ schneller kommen werden als der Gesellschaft lieb ist.

„Local knowledge“ ist møglicherweise das grøszte Problem der Menschheit. Jeder muss alles neu lernen. Das macht (echten) Fortschritt so schwer.
Bei Robotern hingegen reicht es, wenn EINER das lernt. Per Update in der Nacht kønnen das dann auch alle die 5 Milliarden anderen Roboter!
Dieses Argument drehe ich also um und projiziere es zurueck als genau den Grund warum Roboter-LKWs so attraktiv sind.

Zwei weitere Stichpunkte:

[…] they have relationships with customers […].

Hatte der „Tante-Emma-Laden“ auch und amazon hat das nicht. Ergo: das kuemmert niemanden.

They also learn which customers pay promptly, which ones provide their loads in a way that’s easy to get on the truck, which ones generally have their paperwork in order, etc.

Koordinierungsprobleme deren Løsung bereits oben erwaehnt wurde.

Dann folgt der zweitwichigste Punkt.

Loading docks are not all equal. Some are very ad-hoc and require serious judgement to be able to manoever large trucks around them. Never underestimate the importance of local knowledge.

Studien zeigen, dass Staus und Engpaesse vor allem durch die Individualitaet der Fahrer verursacht sind. Mit Robotern wird das also ein deutlich geringes Problem. Zumal wenn das mit Echtzeitoptimalisierungsalgorithmen zusammenareitet. Und bis dahin gibt’s den neuen Job des Hafen-LKW-Einparkers. Der schaltet die Steuerung dann lokal mal kurz auf manuell um. Das ist auch viel effizienter, denn der kennt seinen Hafen noch besser als jeder Trucker.

Und der Rest sind dann weitere Koordinierungsprobleme, welche alle mit RFID, mehr Sensoren und Algorithmen geløst werden kønnen. Klar, das ist alles noch nicht vorhanden. Aber der Kapitalismus ist nicht dafuer bekannt Arbeit fuer Menschen zu haben, wenn das auch Maschinen machen kønnen.
Darum geht es mir also: NATUERLICH wird nicht nur das Fahren an sich ersetzt! Aber alle anderen Aufgaben kønnen so arrangiert werden, dass das auch Roboter machen, oder dass diese zumindest von extrem viel weniger Menschen gemacht werden kønnen!

Und dann erzaehlt der Verfasser noch was davon, wie schwer es die letzten 20 Jahre war Fabriken zu automatisieren.
Mhmmmm … das hat sich die letzten 5 Jahre ebenso deutlich veraendert. Eben gerade weil die Technologie so krass viel weiter ist als vor 10 Jahren. Das Hauptproblem waren naemlich gerade die dort noch arbeitenden Menschen, NICHT die Roboter selbst. Aber mit all den Sensoren und Algorithmen die heute zur Verfuegung stehen, hat sich das Problem (fast) erledigt.

Und bedanken kønnen wir uns dafuer unter anderem auch bei den (Hardware)Hackern. Die haben naemlich so viel Wissen befreit. Damit war das nicht mehr eingesperrt und andere konnten das weiterentwickeln.

Zum Abschluss schreibt der Autor dies:

A lot of pundits have a sense that automation is accelerating in replacing jobs. In fact, I predict it will slow down, because we have been picking the low hanging fruit first. That has given us an unrealistic idea of how hard it is to fully automate a job.

Und wenn ich ehrlich bin, dann wage ich da nicht zu widersprechen. Dies kann durchaus wahr sein. Aber nicht aus den obigen Gruenden. Denn die kønnen (wie gesagt) generalisiert werden.

Sag’s schnell bevor’s wer anders sagt! … Olympus Mons!

Tja! Falsch gewusst!

Rheasilvia ist ein kleines bisschen høher. So schnell aendern sich die Zeiten! :P

Endlich mal ein Beirag praedestiniert dafuer Zitate zu liefern, die aus dem Zusammenhang gerissen was vøllig anderes sagen, als ich hier im Weiteren erlaeutern werde.

Aber der Reihe nach.

Neulich las ich beim slatestarcodex einen Artikel mit dem Titel „Should Childhood Vaccination Be Mandatory?„. Und allen Impfbefuerworterinnen und Impbefuerwortern empfehle ich den mal zu lesen!
Aber nicht, weil er deren Argumente auf den Kopf stellt. Mitnichten! Es werden gar noch mehr Argumente geliefert, die diese Position stuetzen. Vielmehr geht es mir darum, dass darin auch auf die Frage, die im Titel dieses Beitrags formuliert wurde, eingegangen wird.
Aber ach … ich zitiere einfach.

Im Wesentlichen sind es drei extrem wichtige Punkte, die das Hinterfragen einer (immer wieder auch in meinem sozialen Umfeld gern geforderten) allgemeinen Impfpflicht so wichtig machen.

Any medical intervention that is targeted toward a high percentage of the population should be scrutinized.

Die katastrophale Situation bzgl. Betaeubungsmittelabhaenigkeit in den USA stellt deutlich dar, was passiert, wenn man das nicht (oder su spaet) tut. Und in dem Fall sind laengst nicht so viele Menschen betroffen wie beim Impfen.

Vaccines are […] administered […] to one of the most vulnerable population categories: children.

Eine andere, weitbekannte, furchtbare, nichthinterfragte medizinischer Praxis an einer besonders verletzlichen Bevølkerungsgruppe war die Zwangssterilisation behinderter Menschen. Oder anders: Es gibt Gruende warum Kinder den besonderen Schutz des Gesetzes genieszen. Rechtliche, aber auch rein physische Gruende. Wenn man da einfach drueber buegelt, dann sollte schon ganz eindeutig klar sein, dass die positiven Effekte deutlich die Negativen uebersteigen! Und DAS sollte immer und immer wieder (sachlich!) diskutiert werden.

Finally, vaccination is a medical intervention intended to produce a permanent effect.

Ein anderes Beispiel: ein Zahn wird erst gezogen, wenn dieser nicht mehr zu retten ist. Das Gleiche gilt fuer due Amputation von Gliedmaszen. Permanent heiszt eben tatsaechlich: fuer immer! Geht dabei was schief, ist das auch: fuer immer!

Im Artikel steht dann zur Sicherheit:

[t]his does not, in itself, mean we shouldn’t implement medical innovations meant to be permanent, targeted toward children, or that would have widespread impact.

Aber …

[…] it is important to understand why the conversation about vaccine safety is necessarily an ongoing inquiry, not a one-off check of whether “vaccines are safe”.

Oder anders:

[i]t is also not irrational for a subset of individuals to continue to be wary of possible missed adverse effects, no matter how much research fails to demonstrate any harm.

So! Und das sollten sich alle Impfbefuerworter hinter die Løffel schreiben!

Das Obige unterstuetzend schreiben die Autoren des Artikels vøllig richtig:

[…] vaccination is a method of intervention, not one specific intervention.

Oder etwas klarer:

[t]he statement “vaccines are safe” cannot be applied across the board to all vaccines that ever have or ever will be created, any more than you could say, “prescription drugs are safe” for all current and future prescription drugs.

Eigentlich leicht zu merken, nicht wahr. Und deswegen sind Impfgegner im Allgemeinen keine Spinner, sondern wichtig fuer die Diskussion (im Speziellen mag das anders sein).

Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich in der Vergangenheit all dies aber auch nicht bedachte. Wie auch … bei selbstverstaerkenden sozialen Echokammern (auch ohne „soziale“ Medien)?

Bevor ich den Artikel beende, møche ich noch zwei Zitate anbringen:

It is important that the medical community continue to monitor vaccines to confirm the relative safety of vaccination, and the evidence of the academic literature is that this is actively happening.

Mich duenkt also, dass die Wissenschaft die obigen Argumente (zum Glueck) besser  verinnerlicht hat als die (oft all zu lauten) Diskussionsteilnehmer auf „meiner Seite“.

Und zum Abschluss møchte ich dann doch „meine Seite“ der Diskussion unterstuetzen:

It is entirely understandable for concerned parents to adopt a “precautionary principle” approach to vaccination – given the nature of vaccination as a universal medical intervention targeted at babies and young children. However, as a matter of public policy, a general “precautionary principle” approach cannot be recommended in light of the proven harms vaccines protect against.

Im Uebrigen ist das natuerlich auch sehr Postmodern … im guten Sinne! … es gibt halt keine hundertdreiundzwanzigprozentige echte und wahre Wahrheit!

 

Ach … wenn ich schon mal bei postmodern bin, dann mache ich noch schnell einen Rundumschlag mit einem allerletzten Zitat:

[…] the central conflict we encounter in this area is between individuals who wish to invoke the precautionary principle for themselves and for their families, versus community standards that seek to eliminate a known danger. This conflict (between individual freedom to dissent […] versus a level of community solidarity necessary to combat societal ills) is common to many problems besides vaccination.

Meine erste Reaktion neulich bzgl. dessen was als „machine learning“ verkauft wird, kann ich natuerlich zumindest erklaeren. Ich habe mich ueberlegen gefuehlt. Das ging mit einem Gefuehl der Macht einher und wer hat nicht gerne Macht. Jaja, auch uns Anarchisten geht das so … aber ich versuche das zumindest zu erkennen und dann zu reflektieren und abzustellen.

Aber darum geht es mir nicht. Mir geht es darum, dass die ganze Sache (und solche Sachen kommen ja nicht nur von mir) erstmal „urst lustig“ ist. Wenn man aber mal drueber nachdenkt, dann bleibt einem das Lachen im Halse stecken, denn die weiteren Implikationen erschrecken gewaltig.

Fuer normale Leute (wer auch immer das ist … von mir mal abgesehen) ist das ganze Thema sooo krass weit weg. Ich lese da regelmaeszig drueber und deswegen kommt das auch hier oft genug zur Sprache.
Aber normale Leute haben anscheinend nicht den geringsten Schimmer was da auf die Gesellschaft mit Volldampf zugefahren kommt!

Ich befuerchte, dass diese Entwicklung die allermeisten Leute (die Gesellschaft sozusagen) beinahe vøllig unvorbereitet, wie’n Vorschlaghammer treffen wird :( . Und ich habe schon Leute mit høherer Bildung um mich herum!

Ist das vllt. bewusste Ignoranz? Oder bin ich in meiner eigenen Blase gefangen? … Aber ich kriege diese „Zeichen und Omen“ aus verschiedensten Gebieten! Und nicht nur aus dem Technikbereich.

Wenn wir es nicht schaffen die Gesellschaft umzubauen, dann werden AfD und tote Obdachlose zu einem der eher kleineren Probleme. … Wehe denen die Kinder haben :(

Aber ich glaube weiterhin, dass wir das schon hinbekommen … hab da zwar keine Beweise fuer, aber die Menschheit hat das immer hinbekommen … mir ist bewusst, dass das vermutlich Wunschdenken ist … aber ich kann nicht anders, denn ich habe ein Kind … Und deswegen versuche ich darauf aufmerksam zu machen, in der Hoffnung, dass die richtigen Leute schneller zu den wichtigen Problemen kommen … damit die Geburtsschmerzen dieser neuen Gesellschaft schneller vorueber sind und der ganze Prozess nicht so blutig wird.

Gefunden: Meiner einer!

Aber der Reihe nach.

Erster Schritt: Physik studieren.
Im ersten Semester, am ersten Tag, in der ersten Vorlesung, war die allererste Sachen die uns beigebracht wurde: lineare Regression. Die wohl einfachste Form der Anpassung einer gegebenen mathematische Funktion an Messdaten.

Zweiter Schritt: die Jahre vergehen mit so’n bisschen Auswertung von Daten hier und da. In mir formt sich die feste Ueberzeugung, dass ich nicht schlau genug bin fuer „machine learning“.

Dritter Schritt: einen neuen Job, ziemlich nah an der Wirtschaft, anfangen und endlich mal mehr mit Menschen in Kontakt kommen, die im Allgemeinen als „normal“ bezeichnet werden (was auch immer das sein soll). Økonomen und Anwaelte und so.

Vierter Schritt: zwei dieser Kollegen zu einem Einfuehrungskurs bzgl. „machine learning“ schicken. Dieser wurde gegeben von einer der grøszten und bekanntesten IT-Spezialexpertenfirmen hier im Norden. Man kønnte also auf den Gedanken verfallen, dass die sich so richtig gut auskennen, denn was die sagen, machen ja andere grosze Firmen dann.

Fuenfter Schritt: voller Erwartung, aber etwas kleinlaut, nach den Folien des Kurses fragen, denn ich sollte ja neue Sachen lernen, damit ich den Job behalten kann.

Sechster Schritt: guck mal einer an, was die hier als „machine learning“-Algorithmus verkaufen:

Foto vom Bildschirm … zur Sicherheit

Siebter Schritt: sehen, dass da nicht wirklich viel mehr kommt!

Achter Schritt: unglaeubig mit dem Kopf schuetteln. Ich wusste ja, dass es schlimm ist, aber ich dachte bisher immer, dass die Geschichten die man so hørt und liest wenigstens ein bisschen uebertrieben sind. Aber NEIN! Die sind alle echt und in Wahrheit scheint das noch viel schlimmer zu sein!

Neunter Schritt: sich gut fuehlen, dass man mglw. doch fuer die Zukunft gewappnet ist.

Zehnter Schritt: sich fest vornehmen, dass man „20 Jahre Erfahrung mit ‚machine learning‘ Algorithmen“ in den Lebenslauf aufnimmt.

Aber wenistens gab es eine lustige Sache in den Folien — Big Data:

Foto vom Bildschirm … zur Sicherheit. Original ist das wohl von hier.

Da habe ich erstmal laut gelacht und die Kollegen trauten sich nicht zu fragen.

Neulich schrieb ich dieses Kommentar in einem Programm:

# Remember: ‚checked_this_reference‘ is set at the very beginning and will
# always have a value, even though this value will be None in most cases.

Und das fand ich so amuesant, dass ich euch, meine lieben Leserinnen und Leser, gerne an meiner Freude teilhaben lassen wollte :)

… sind meine Befuerchtungen immer noch gueltig.

Aber der Reihe nach. Neulich las ich beim slatestarcodex einen Beitrag mit dem Titel: „Technological Unemployment: Much More Than You Wanted To Know„. Scott Alexander schaut dort mal genau, inwiefern die Teilnahme an der „labour force“ mit den historisch tiefen offiziellen Arbeitslosenzahlen (in den USA) korellieren … Nun ja … øhm … mit „nicht wirklich“ versuche ich diese komplizierte Sache mal zusammen zu fassen.

Wer irgendwie an der Entwicklung der Beteiligung am Arbeitsmarkt so ganz generell interessiert ist, dem empfehle ich diesen Artikel unbedingt mal zu lesen. Aber um die generelle (historische) Entwicklung geht es mir gar nicht.

Mir geht es um die ganz spezielle Entwicklung mit allem was mit Robotern zusammen haengt. Deswegen zitiere ich im Weiteren aus besagtem Artikel, gebe aber zu, dass dies teilweise sekundaere Zitate werden und ich NICHT die Originale geprueft habe. Dies haengt u.A. damit zusammen, dass ich Scott vertraue, dass er eine ordentliche Recherche macht.

Dies fasst zusammen, warum ich meine Meinung bezueglich der Roboterisierung im Allgemeinen etwas modifizieren muss, im Speziellen (also mich und den jungen Menschen der bei mir wohnt (irgendwie) betreffend) aber nicht:

The best-paying jobs – managers, professionals, and the like – are doing fine. The lowest-paying jobs, like personal care and food, are also doing fine. It’s the middle-paying jobs that are in trouble. Some of these are manufacturing, but there are also office and administrative positions in the same categories.

Zur Zeit nimmt also im Wesentlichen die Anzahl der absoluten Arbeitsplaetze nicht ab, aber Buero und administrative Aufgaben … mhmmm … das ist doch genau das was ich irgendwie mache … Mist!

Weiter geht es dann damit:

This is potentially consistent with a story where the jobs that have been easiest to automate are middle-class-ish.

Wait! What?

Some jobs require extremely basic human talents that machines can’t yet match – like a delivery person’s ability to climb stairs.

Die Betonung liegt auf „yet“. Diesbezueglich ist das Problem also mglw. nicht so imminent wie ich bisher dachte, aber ewig wird es auch nicht auf sich warten lassen.

Others require extremely arcane human talents likewise beyond machine abilities – like a scientist discovering new theories of physics.

Da wuerde ich mich zwar gerne dazu zaehlen, aber Selbstreflektion erlaubt mir diesen Luxus nicht.

Und nun das Schlimme:

The stuff in between – proofreading, translating, records-keeping, metalworking, truck driving, welding – is more in danger. As these get automated away, workers – in accord with the theory – migrate to the unautomatable jobs.

OK? So what? Business as usual. Aber es geht noch weiter:

Since they might not have the skills or training to do the unautomatable upper class jobs, they end up in the unautomatable lower-class ones. There’s nothing in economic orthodoxy that says this can’t happen.

Shit! Wie viel „kuenstilche Intelligenz“ kann ich programmieren? Oder Herzoperationen machen? Oder andere „unautomatable upper class jobs“? Bisher bin ich in „middle class jobs“ untergekommen. Aber in der Zukunft … mhmmm … da wird es dann wohl der der Autobahntoilettenreiniger.
Und genau das passiert gerade ganz akut in den USA. Die haben zwar einen Job-Boom, aber fast alles nur bei Scheiszjobs die eigentlicher keiner machen will und die nur gemacht werden, weil die Leute nicht verhungern wollen.

Hier nochmal etwas genauer:

Because jobs that are intensive in either abstract or manual tasks are generally found at opposite ends of the occupational skill spectrum—in professional, managerial, and technical occupations on the one hand, and in service and laborer occupations on the other—this reasoning implies that computerization of “routine” job tasks may lead to the simultaneous growth of high-education, high-wage jobs at one end and low-education, low-wage jobs at the other end, both at the expense of middle-wage, middle education jobs—a phenomenon […] called “job polarization.” A large body of US and international evidence confirms the presence of employment polarization at the level of industries, localities, and national labor markets […]

Und dann schreibt Scott so richtig:

As far as I know, there is no economic theory stating that the number (or percent) of high-skilled jobs must always stay the same. […]. An optimist might argue that things will get better as today’s obsoletely-trained workforce retires and tomorrow’s trained-for-the-appropriate-jobs workforce graduates […] a race between two competing forces; generational churn producing students with the right set of skills, and technology making new skills obsolete. […]  [I]t seems like – at least for the middle class – this is a race they are now losing.

Da ist das „Gefuehl“, welches ich seit einigen Jahren habe mal konkret ausgedrueckt. Egal wie sehr ich programmieren lerne, das Hamsterrad dreht sich schneller und schneller.

Das waere alles nicht so schlimm, denn der Mehrwert wird ja immer noch produziert und das muesste nur der ganzen Gesellschaft zugute kommen.

[…] 93% of economists with an opinion on the issue agreed that the economic benefits of robots will be so great that they could be used to compensate the workers who were negatively effected.

Scott kommentier dann so treffend:

[…] [I]n a survey I conducted in my imagination, 100% of people who have not been living in a cave the past two hundred years agreed that this will never happen in real life.

Tjaaaa … Mittelklasse oder nicht Mittelklasse … die Frage stellt sich nicht so richtig, denn wer will schon darunter sein? Ich nicht. Und deswegen hoffe ich auf eine bereits so oft angesprochene Transformation der Gesellschaft, in der „Arbeit“ NICHT der Leim ist, der alles zusammen haelt.

In den Kommentaren findet sich dann noch dies:

For most of recorded history, almost every human was a subsistence farmer, likely under-using their cognitive abilities, yet no middle-paying jobs materialized to use their full potential. Then, during the first century or so of the industrial revolution, most people in industrialized countries were assembly line workers, jobs even less cognitively demanding than subsistence farming, and still no middle-paying jobs appeared until most of that low-skilled factory work could be automated. There is nothing in standard economic theory that predicts that jobs that allow average people to use their full cognitive ability should exist and pay middle-class wages. In fact, there is nothing that predicts that a middle-class should exist.

Und wenn man mal so drueber nachdenkt, dann stimmt das. Die Mittelklasse ist ein „Ding“ welches erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges entstanden ist. Interessanterweise war das auch die Zeit, in der ernsthaft daran gearbeitet wurde Mehrwert gerechter zu verteilen. Und mir faellt kein Grund ein, warum besagte Mittelklasse nicht genauso schnell wieder verschwinden kann.
Und da war wieder das Dumme an der ganzen Sache: Mittelklasse, das bin ICH … und du auch liebe Leserin und lieber Leser.

Als letztes Zitat møchte ich dann dies hier anbringen, was ein bisschen auf das „yet“ von weiter oben eingeht:

I don’t necessarily think that most people think that technological unemployment will hit the least skilled first. It should hit the jobs where it’s most profitable first. How cheap would a robotic server in a restaurant have to be to actually get a return on investment? Replacing a unionized assembly line worker makes you money a lot faster even if it’s more expensive. As we get better at replacing middle cost jobs, the cost of automation should go down and that should allow us to replace the unskilled.

Und wenn dann immer noch keine neue Struktur in der Gesellschaft existiert, dann wird es akut bezueglich der Frage: Wohin mit all den nutzlosen Menschen? … Aber ganz zur Not, gibt es ja immer noch Soylent.

Damit will ich heute aber nicht enden. Ist schlieszlich der Weihnachtsbeitrag, von mir, fuer euch, meine lieben Leserinnen und Leser.
Deswegen møchte ich euch auf eine Meldung vom April aufmerksam machen: Es werden genau so viele Elektroautos wie Dieselautos gekauft, cool wa!

OK, Dieselautos sind doof, deswegen hørt sich das erstmal nicht so dolle an. Aber darum geht es mir nicht. Es geht mir darum, dass Dieselautos als richtiges „Businessmodell“ anerkannt sind innerhalb der Autobranche. Wenn also Elektroautos genau so beliebt sind wie die ollen Stinker, dann sind die NICHT mehr „exotisch“; dann gilt es NICHT mehr, dass das nur „Baumumarmer“ haben wollen. Und DAS ist ’ne coole Sache, denn da wir die sogenannte „Individualmobilitaet“ auf absehbare Zeit nicht wegbekommen werden, sind Elektroautos einfach mal die bessere Løsung als Verbrennungsmotoren.

OK ok, die werden natuerlich auch von Robotern gebaut werden in der Zukunft, aber wenigstens ist die Luft dann besser.

Hier ist es:

Das muss aber eine andere Version als die offizielle sein.

Wieauchimmer, jetzt muss ich nur noch den „Anykey“ finden, damit dieses bøsartige, von Compaq verbreitete, Geruecht, dass es den gar nicht gibt, endlich ein Ende hat.

… you totally should found the mafia!

Das ist die Essenz eines Artikels von A. Dimico, A. Isopiund O. Olsson in The Journal of Economic History, Volume 77, Issue 4, 2017 , pp. 1083–1115 mit dem Titel „Origins of the Sicilian Mafia: The Market for Lemons„.

Und mal ganz ehrlich. Wir høren staendig von dieser Organisation in ihren verschiedensten „Ausfuehrungen“, aber wer von euch, meine lieben Leserinnen und Leser, hat sich schon mal gefragt, wann und warum die Mafia eigentlich entstanden ist?
Zumindest ich habe mich das nie gefragt. Ich habe das einfach so hingenommen. Die gibt es halt, die gab es schon „immer“ und die wird es immer geben.

Aber das stimmt so ja gar nicht. Im Uebrigen ist das einer der Hauptgruende, warum man Das Kapital lesen sollte: zur Erinnerung, welche von den vielen tollen Gegebenheiten in unserer Gesellschaft eben NICHT schon immer da waren und ganz schnell auch wieder verschwinden kønnen, wenn wir nicht dafuer kaempfen! Aber ich schwoffte ab.

Warum ist das denn aber durchaus wichtig zu verstehen wie die Mafia entstanden ist. Nun ja, die Mafia ist …

[…] [a] socially inefficient institution […]

und sie …

[…] hampers economic development […].

Und „economic development“ ist historisch nunmal das, was die Mehrzahl der Leute aus bitterer Armut holte. Trotz aller beschissenen Sachen die damit einhergehen.

Und deswegen gehe ich da mal naeher drauf ein, extra fuer euch, meinen lieben Leser und Leserinnen.

Ich fang dann mal an zu zitieren. Zunaechst einmal, ist die Mafia noch gar nicht so alt:

[…] [it] first [appeared] in Sicily in the 1870s […].

Und die Hypothese des Artikels ist, …

[…] that the growth and consolidation of the Sicilian mafia is strongly associated with an exogenous shock in the demand for lemons after 1800, driven by James Lind’s discovery on the effective use of citrus fruits in curing scurvy.

Skorbut? Skorbut? Da war doch mal was?

Aber inwiefern kann denn eine kleine gelbe Frucht solch krasse Auswirkung haben? Nun ja … die Beschreibung sieht fuer mich ganz nach „Der Kapitalismus frisst sich selbst“ aus:

Citrus trees can be cultivated only in areas that meet specific requirements […] guaranteeing substantial profits to relatively few local producers. The combination of high profits, a weak rule of law, a low level of interpersonal trust, and a high level of local poverty made lemon producers a suitable target for predation. […] the […] government […] had [not] the strength or the means to effectively enforce private property rights. Lemon producers, therefore, resorted to hiring mafia affiliates for private protection […].

Lustig wa! Das erinnert mich an die Shops fuer elektronischen Schnickschnack, die einen privaten Poliziedienst Waschschutz anheuern muessen … aber wenn man mal so drueber nachdenkst ist das dann doch nicht so lustig, bedeutet es doch, dass die Polizei nicht genuegend Mittel hat. (Ich lasse mich an dieser Stelle nicht ueber die Feinheiten und Widersprueche dieser Aussage aus.)

Jedenfalls, Zitronen (und dass sie einer Geiszel frueherer Zeiten erfolgreich entgegen stehen) sind Schuld, dass es diese sozial ineffiziente Organisation gibt, denn …

[…] mafia presence in the 1880s is strongly associated with the prevalence of citrus cultivation. No other crop or industry has a robust impact on mafia activity.

Aber natuerlich nicht alleine. Wie immer ist es eine Mischung aus Zustaenden, die zusammen kommen:

[t]he extraordinary revenues that certain producers received, combined with the general political insecurity and weak rule of law, provided an ideal breeding ground for the emergence of a mafia that provided protection and acted as intermediaries.

Und da bin ich dann schon wieder bei den Herstellern von Elekronikgadgets. Die haben „extraordinary revenues“, besagtes Beschaeftigen eines privaten Wachdienstes sieht sehr nach „weak rule of law“ aus und ueber „general political insecurity“ muss ich mich nicht weiter auslassen.

Ich kann nicht sehen, inwieweit eine „neue“ Mafia entstehen wird, aber … mhmmmm … die generellen Zeichen fuehren (wie immer) zu ein bisschen Besorgnis :( .

Das soll genug sein dazu. Zum Abschluss zitiere ich noch schnell, wo der Begriff „Mafia“ ueberhaupt her kommt:

The origin of the word mafioso […] is found in the Arab language where the word marfud used to mean swindler or cheater […].

Wichtig ist aber zu sagen, dass

In Italian, the original meaning of the word did not have a negative connotation, but simply characterized somebody who had proud/courageous behaviour. In fact […] when the proto-mafia developed […] a mafioso was a man who had gained the respect of the local population by standing up against the brigands and the malicious crimes of the campieri and compagnia d’armi […].

Das ist extrem wichtig auch im Zusammenhang mit dem Obigen. Denn:

[t]his respect from the local population contributed to a legitimization of the mafioso, who received the support of the population given that their crimes were justified when committed against delinquents who were even worse than he […] It became a general practice to define men who showed courage and resolution as mafiosi.

Unterstuetzung der Gesellschaft von Banditen, weil die temporaer als weniger schlimm angesehen werden als die generellen Gegebenheiten so weiter laufen zu lassen … die Parallelen zur heutigen Situation sind all zu leicht zu ziehen :(

So … nun habe ich aber genug schlechte Laune verbreitet. Auch wenn es doch ganz interessant war ueber diese Information zu stolpern.

… dass ich ein Gehirn in einem Glas auf dem Tisch eines verrueckten Wissenschaftlers bin.

Aber es verdrieszt mich ein wenig, dass ein Gehirn in einem Glas auf dem Tisch eines verrueckten Wissenschaftlers genau das gleiche denken wuerde aus exakt den gleichen Gruenden.

In dieser Form schamlos geklaut von hier, aber das ist tatsaechlich eine intellektuelle Belaestigung die mich manchmal packt und deswegen wollte ich das in meinem Weblog mal geschrieben haben fuer alle Ewigkeit.