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Neulich stolperte ich ueber dieses Diagramm:

Aus diffusen rechtlichen Gruenden buchstaeblich vom Bildschirm abfotografiert, wobei das hier meine Quelle war. Wie ueblich im Internet konnte ich die Originalquelle des Bildes nicht ausfindig machen, aber entweder das Bild oder wenigstens die Daten dazu scheinen aus diesem Buch zu stammen.

Willow kann seine (ihre? ich kenn mich damit nicht so aus) Abstammung in einer langen Linie bis zu Susan zurueck verfolgen. Und dann wird so gern gesagt, dass ein Teil von Susan in Willow bis ins 21. Jahrhundert gelebt hat.

Das erinnerte mich daran, wie in Frank Herberts Dune-Universum die Erinnerungen der Vorfahren in den Genen gespeichert sind und besagte Vorfahren dann mehr oder weniger autonome innere Ratgeber fuer einen Menschen werden kønnen, wenn der „genetische Wissensspeicher“ aktiviert wird.

Und da stellte sich mir die Frage: wie viel ist eigentlich noch von „mir“ (beachte die Anfuehrungszeichen (!); deren Bedeutung wird aber erst im Laufe dieser Miniserie klar) in 1000 Jahren „vorhanden“?
Oder in kurz, es geht irgendwie mal wieder irgendwie um das worueber ich bereits hier sprach.
Im Laufe dieser Miniserie werde ich Argumente bringen, warum diese Vorstellung (dass da noch was von „mir“ sein wird) alberner Unsinn ist und ich die Frage von Anfang an (also nicht erst nach 1000 Jahren) ganz konkret mit < NICHTS > beantworten kann. Aber es wird auch im mehr als dies gehen.

Jetzt beim Schreiben faellt mir auf, dass das eigentlich alles Gedanken im grøszeren Umfeld dessen sind, dass ich versuche zu lernen, mit der Absolutheit meiner eigenen Sterblichkeit umzugehen … aber so mache ich das ja immer, ich zerlege schwere Probleme in Teile die ich prozessieren kann … und oft kommen dabei Fragen und Antworten und Ideen und Ueberlegungen bei raus, die ganz unabhaengig vom urspruenglichen (oder eigentlichen) Problem durchaus interessant sind :) .

… ist die Fortsetzung der Tales from the Loop. Aber anders als man vielleicht erwarten mag. Die Grundstimmung bleibt durchaus erhalten — (verlorene) Vergangenheit, unerklaerliche Dinge im Hintergrund des Lebens. Aber im ersten Buch ist es ein Kind, welches diesen Hintergrund ins Leben integriert und davor (mit seinen Freunden) agiert. Das Unerklaerliche ist spannend, wird konfrontiert und ein groszer Abenteuerspielplatz. Nun aber …

… ist’s ein Jugendlicher, also ein Mensch der mehr und mehr aus der Welt der Abenteuer faellt, ja, fallen muss. Das Unerklaerliche wird zum Teil profan und ist mindestens nicht mehr mysteriøs. Somit ist es nicht mehr spannend und wird halt hingenommen. Noch dazu ist es ein Scheidungskind was natuerlich die Psyche und damit den Blick auf die Welt beeinflusst und so eine positive Rueckkopplungsschleife bzgl. des zuerst Gesagten bildet.

Vielleicht war es deswegen, dass mir dieses Buch nicht so gut gefallen hat. Was eigentlich paradox ist, denn die Art der Kunst und der Motive aendert sich nicht. Auszerdem ist das Buch wirklich gut darin die Stimmung dieses Lebensabschnitts in der gegebenen Umgebung einzufangen. Das es mir nicht so fut gefaellt liegt also nicht am Buch, sondern an mir, dem Leser, denn ich hatte vermutlich nochmals eine durchaus positive Geschichte erwartet.

Man nimmt von sich selber ja immer an, dass man die Krone (also das Ende) der Schøpfung ist. Die Evolution des Menschen ist aber mitnichten abgeschlossen. Hier erwaehnte ich, dass …

[…] die letzten zwei Mutation die sich im menschlichen Genom durchgesetzt haben vor ca. 20-tausend und ca. 7-tausend Jahren stattfanden […]

… blieb die Quelle(n) aber schuldig (und kann diese leider auch heute nicht liefern).

Aber bei dem hier erwaehnten Artikel (*hust*) verblueffte mich auch diese Stelle:

[…] falciparum malaria in its present form is probably only a few thousand years old.

Die Einschraenkung auf „in its present form“ ist wichtig, denn man kann die verantwortlichen Parasiten weitaus laenger zurueck verfolgen. Aber die fuer die Sichelzellenkrankheit verantwortlichen Gene (und somit die direkt zugrundeliegenden Ursachen) sind evolutionsbiologisch ziemlich neu (schon erstaunlich, und urst cool, dass man sowas datieren kann, nicht wahr). Diese Gene konnten sich trotz der gewaltigen negativen Konsequenzen bei homozygotischen Traegern regional in mit Malaria verseuchten Gebieten erhalten. Letzteres natuerlich, weil Menschen die nur eine Kopie dieser Gene mit sich herum tragen besser gegen diese Krankheit geschuetzt sind.

Ich erwaehne das, weil es ein echt tolles Beispiel fuer die oft als „natuerliche Auslese“ bezeichneten Prozesse der Evolution ist. Selbst (und immer noch) beim Menschen und auch in dem Falle hier, wo im Groszen und Ganzen die Ueberlebenswahrscheinlichkeit der Spezies durch solche Gene reduziert wird (wenn diese sich in der gesamten menschlichen Population durchgesetzt haetten), eben weil diese _nur_ auf das Ueberleben gegen Malaria optimiert sind.

Aber damit bin ich bei dem was ich bereits (unter anderem) beim letzten Mal besprach und kann es heute kurz halten.

Letztes Jahr war bei uns so wenig los, dass es sogar Nichtnachrichten in die Nachrichten geschafft haben (gesehen auf einem bei mir im Buero rumhaengenden Bildschirm):

Kein Feuer, Stjørdal
Kein Brand in Husebyhagen
5 von 5 (Neuestes – NRK [Norwegischer Rundfunk] Trøndelag [Lokalabteilung]

Diese Spannung! Was wird als naechstes nicht-passieren? Kein Skandal bei der Regierungspartei? Kein Unfall auf der E6? Oder ganz verrueckt: kein Regen? … wobei das ja wieder ungewøhnlich und somit eine Nachricht waere.

Jedenfalls gilt: Niemand ist sicher vor Sachen die nicht passieren!

Im ersten Nachtrag zu dieser Reihe sprach ich ueber Guppies. Dies als Beispiel um darauf aufmerksam zu machen, dass es fuer die gesamte Population gesehen vermutlich grøszere negative als positive Konsequenzen haben wird, wenn wir die Gene des Menschen nur mit dem Blick auf Intelligenz modifizieren wuerden.

Dort erwaehnte ich auch (mal wieder) die Ashkenazi Juden und wie diese sich in einem natuerlichen „Experiment“ in Richtung (durchschnittlich) erhøhter Intelligenz entwickelt haben und dass dies auch mit (genetischen) Nachteilen einher ging.

Nun stolperte ich vor kurzem ueber einen Artikel von Cochran, G., Hardy, J. und Harpending, H. im Journal of Biosocial Science, 38 (5), 2006 , pp. 659 — 693 in dem es (mal wieder) um diese Gruppe und deren „besonderen Eigenschaften“ ging. Der Titel des Artikels ist „Natural History of Ashkenazi Intelligence“ … *hust*.

Aber ich will im Speziellen gar nicht darauf hinaus, sondern dort wird ein Textbuch zitiert auf welches ich leider keinen Zugriff habe. Deswegen zitiere ich das Zitat ausnahsmweise ungeprueft:

„[…] selection for a metric character that is not fitness itself must reduce mean fitness unless the character and genes controlling it are completely neutral […].“

Das ist die Verallgemeinerung des beim letzten Mal beispielhaft angefuehrten Prinzips: wenn man die Vermehrung von Lebewesen nur aufgrund einer bestimmten Eigenschaft erlaubt, wenn man also eine spezifische Sache (bspw. IQ) selektiert, dann wir das _immer_ die allgemeine Ueberlebenswahrscheinlichkeit dieser Lebewesen (als Spezies) vermindern … und ja das gilt im Wesentlichen, auch beim IQ (siehe das Beispiel der Ashkenazi Juden).

Oder anders: mal wieder ein Verweis auf diesen Beitrag.

Dieser Vogel Dinosaurier hier …

Quelle, Fotograf: Quartl, Lizenz: CC BY-SA 3.0

… wirkt erstmal ganz fluffig. Aber wenn man sich dessen Fuesze mal (aus sicherem Abstand) genauer anschaut …

Quelle, Fotograf: Dezidor, Lizenz: CC BY 3.0

… dann wirkt das gar nicht mehr fluffig.

Beim Guardian stiesz ich auf ein Video, welches dieses Wesen im Attackmodus zeigt. Also ich haette keine Chance gegen diesen eindeutigen Nachfahren fleischfressender Dinosaurier.

„Vogel“ … my ass!

Ich wollte diese Miniserie abschlieszen, deswegen folgt schon heute die Besprechung der Zitierungen, welche mein (dritter) Artikel mit dem Titel „In-Situ Strain Measurements in Large Volumes of Hardening Epoxy Using Optical Backscatter Reflectometry“ erhalten hat.

Das geht schnell, denn derer sind es nur vier und eine ist ’ne Selbstzitierung.

Ehemalige Kollegen haben „Novel in-situ residual strain measurements in additive manufacturing specimens by using the Optical Backscatter Reflectometry“ geschrieben und das zaehlt zwar, aber irgendwie auch nicht so richtig.
Den ersten Autor kenne ich nicht und insgesamt faellt der Artikel negativ auf. Er schreibt meinen Namen falsch. Zwar wird das richtige „ø“ verwendet aber es folgt ein Punkt nach dem „S“ und vor dem Rest meines Vornamens. Da frage ich mich natuerlich, wie sowas passieren kann. Das ist eine rhetorische Frage, denn ich weisz die Antwort: nicht genug Interesse auch Details ordentlich zu machen. Oft genug ein Erkennungszeichen fuer Forschung die ich beim letzten Mal „unbedeutend“ nannte.
Schlimmer ist aber, dass nicht verstanden wurde, wie eine meiner wichtigen Methoden funktioniert … bereits beim letzten Mal erwaehnte ich, dass „unbedeutend“ eigentlich besser durch den englischen Begriff „mediocre“ ersetzt werden sollte.

Die letzten zwei Artikel die mich zitieren sind „richtige“ Artikel:
– „Real-time monitoring for the CFRP/aluminium-alloy bonding structure during curing process using encapsulated fiber Bragg grating sensor“ … *hust* … und
– „Interaction of horizontally aligned coplanar 3D penny cracks under compression“ … *hust*.

In beiden werde ich im richtigen Zusammenhang zitiert. Bei Ersterem werde ich im Sinne von „andere haben das auch gemacht“ und bei Letzterem als Quelle fuer eine (generelle und richtige) Behauptung zitiert. Das ist OK fuer mich, insb. wenn ich bedenke, wie „schlimm“ es haette sein kønnen.

Ich denke nicht, dass da noch viel mehr Zitierungen dazu kommen. Es sind bald vier Jahre vergangen seitdem meine Artikel verøffentlich wurden und nur wirklich gute Forschung (mit Einschraenkungen) wird nach 5 Jahren noch zitiert.

Damit endet die Nabelschau. Ich dachte urspruenglich, dass es nur ein langer (Geburtstags)Beitrag wird, aber nun sind drei draus geworden.

Mein zweiter Artikel hat den Titel „A Practical Approach for Data Gathering for Polymer Cure Simulations“ und gleich die beiden ersten Zitate zeigen, wie wichtig das ist offen und auf englisch zu publizieren.

Die erste Zitierung ist auf (ich nehme an) russisch (und der Link ist scheinbar (!) suspekt, CyberLeninka ist aber echt und gut) mit dem Titel „МОДЕЛИРОВАНИЕ ПРОЦЕССА ОТВЕРЖДЕНИЯ ПОЛИМЕРНОГО СВЯЗУЮЩЕГО И ИЗМЕНЕНИЯ МИКРОТВЕРДОСТИ В ЕГО ОБЪЕМЕ„. Uebersetzt ist das „Modeling of the Curing Process of a Polymer Resin and Changes in Microhardness in its Volume“. Mein Artikel wird da zunaechst nur als eins unter mehreren genannt und weil ich das nicht lesen kann, hatte ich zunaechst den Eindruck, dass wieder nur die Literaturliste aufgepeppt werden sollte. Aber wenn ich mir die Diagramme (und den Titel) anschaue scheinen die tatsaechlich etwas Aehnliches zu machen wie ich, da wurde ich also mglw. im richtigen Zusammenhang und zurecht zitiert.

Das zweite Zitat ist in einer (mich duenkt) Masterarbeit mit dem spanischen Titel „Caracterización de biomasa mediante uso y aplicación de calorimetría diferencial de barrido„. Das kann ich auch nicht lesen und muss das somit wieder via der Bilder einschaetzen und auch hier scheint alles OK zu sein.

Ich habe ein bisschen den Eindruck, dass mein Artikel diese Wissenschaftler mglw. nie „erreicht“ haette, wenn diese nicht offen gewesen waere. Es ist aber schade, dass diese beiden Publikationen nicht auf englisch sind, denn dadurch kønnen viele andere Menschen nur wenig damit anfangen :( .

Als naechstes folgen zwei Konferenz/Proceedings-artikel (und zu dieser Publikationsform sagte ich ja beim letzten Mal was):
– „An Approach to Modelling the Manufacturing Process of Thermoset Composite Reinforced with 3D Woven“ und
– „The Curing Simulation And Prediction Of Shape Distortion Of Thermoset Composite Reinforced With 3d Woven“ … *hust*

Diese beiden Publikationen illustrieren uebrigens eine heutzutage weitlaeufig in der Wissenschaft verbreitete Praxis: unbedeutende Forschung erzeugt unbedeutende Forschung erzeugt unbedeutende Forschung …
Das soll jetzt nicht falsch verstanden werden und war bestimmt ohnehin schon immer so. Die Forschung an sich ist vermutlich ziemlich gut (so wie meine), aber sie ist auch ziemlich standard (wie auch meine) und wird niemals von irgendwem wirklich gelesen werden (so wie vermutlich meine eigenen Artikel) … deswegen unbedeutend … und ja, das ist immer ein bisschen schwer fuer mich das zuzugeben :( .

Im Folgenden nur noch echte wissenschaftliche Artikel. „Echt“ in dem Sinne, dass diese in „peer-reviewed“ Journalen erschienen.
Weil ich diesen Beitrag nicht wieder mit Aerger abschlieszen møchte, zunaechst die Artikel die mich geraergert haben.

Es geht los mit „Numerical Simulation of HTPB Resin Curing Process Using OpenFOAM and Study the Effect of Different Conditions on its Curing Time“ … *hust*.
OKOK, ich gebe zu, dass es schon cool ist in einem Journal mit dem Titel „Propellant, Explosives, Pyrotechnics“ zitiert zu werden. Aber die Autoren haben sich bei meinem Artikel anscheinend nur die Bilder angeschaut (was leider auch normal ist) und daraus falsche Schlussfolgerungen geschlossen.

Bei den naechsten zwei …

– „Curing kinetics of a siloxane pre-ceramic prepreg resin“ … *hust*
– „Kinetics of carbon nanotube-loaded epoxy curing: Rheometry, differential scanning calorimetry, and radio frequency heating“ … *hust*

… werde ich zwar durchaus im richtigen Kontext zitiert, aber die Autoren attribuieren eine Gleichung (und somit ein ganzes Theoriegebaeude) mit meinem Artikel! Original ist das von wem anders und ich habe den auch nicht direkt gefunden. Fuer mich war das ein Grund Zeit damit zu verbringen, Originalquellen zu finden und dann auch zu lesen, zu verstehen und auf mein Thema anzuwenden! DAS ist nach meinem Verstaendnis die korrekte wissenschaftliche Arbeitsweise.
Nicht nur wegen „Ehre wem Ehre gebuehert“, sondern auch weil sich Fehler und falsche Interpreationen einschleichen. Je laenger die Kette von Zitierungen umso grøszer die Wahrscheinlichkeit. Allein schon deswegen sollte man immer die Originale zitieren, damit man sich sicher sein kann, dass man das richtig interpretiert.
Klar finde ich das toll, dass ich zitiert werde, aber letztlich ist oben erwaehnte Arbeitsweise das was ich mit „unbedeutend“ (oder besser auf englisch: „mediocre“) meine … *seufz*

Aber den Vogel schieszt „A Method to Derive the Characteristic and Kinetic Parameters of 1,1-Bis(tert-butylperoxy)cyclohexane from DSC Measurements“ ab. Zum Einen behaupten die (indirekt eben durch die Zitierung im Kontext), dass ich nur eine Messung machen musste. Das ist total falsch, denn der Ansatz den ich benutze funktioniert ueberhaupt nicht mit nur einer Messung.
Aber vøllig krass ist, dass die Autoren mir die Benutzung einer Methode andichten, die ich weder benutzt habe, noch jemals erwaehne (ich hatte von der noch nicht mal gehørt) … *doppelseufz*

Die letzten vier Zitierungen sind OK in dem Sinne, dass ich erwaehnt werde a la „Wir [die Autoren] ziehen uns das nicht aus der Nase, andere haben das auch schon gemacht“ und an den Artikeln hab ich nix weiter auszusetzen:
– „Method for residual strain modeling taking into account mold and distribution of heat transfer coefficients for thermoset composite material parts„,
– „Formation of fiber composites with an epoxy matrix: state-of-the-art and future development“ … (konnte das nicht in freier Form finden),
– „Optimization of a commercial epoxy curing cycle via DSC data kinetics modelling and TTT plot construction“ … *hust*
– „Real-time monitoring for the CFRP/aluminium-alloy bonding structure during curing process using encapsulated fiber Bragg grating sensor“ … *hust*

Die Autoren des letzten Artikels bekommen ein Bienchen, denn die benutzen das richtige „ø“ in meinem Namen … tihihihi … (auch wenn man’s nur im PDF sehen kann).

Das war’s fuer heute. Bleibt nur noch einer meiner Artikel uebrig fuer’s naechstes Mal.

Ich sage ja oft, dass in der Wissenschaft laengst nicht nur die reine Wahrheit gesprochen wird, dass sich die Wahrheit aber letztlich durchsetzt. Diese ist aber mglw. nicht von Anfang an erkennbar (und natuerlich passieren auch Fehler). Detailliert besprochen wurde dies z.B. ich in dieser Miniserie.

Aber dann ist da noch Plancks Prinzip:

A new scientific truth does not triumph by convincing its opponents and making them see the light, but rather because its opponents eventually die and a new generation grows up that is familiar with it […]

Dem wuerde ich nicht absolut zustimmen, aber da ist durchaus was dran. Und natuerlich kann ich auch eine ganz konkrete Untersuchung dazu vorzeigen: „Persistence of Contradicted Claims in the Literature“ in JAMA, 2007, 298 (21), pp. 2517–2526 von Tatsioni, A., Bonitsis, N. G. und Ioannidis, J. P. A. (ja, genau der!). In diesem Artikel haben die drei Autoren mal geschaut, wie sehr ehemals in der Medizin vielzitierte und wichtige Studien auch dann noch zitiert wurden, nachdem diese sich als nicht richtig herausgestellt hatten.

Das Ergebnis: es kuemmert keinen, wenn Ergebnisse nicht repliziert werden kønnen.
OKOK, ich gebe zu, dass das jetzt sehr provozierend formuliert war. Die Autoren druecken das besser aus:

Sometimes investigator beliefs in scientific circles may have similar psychological characteristics as the nonscientific beliefs observed in other areas of society.

Oder anders: wenn jemand eine Karriere darauf aufbaut, dass die Ergebnisse von wem anders richtig sind, so ist dieser jemand letztlich auch nur ein Mensch. Deswegen werden trotz gegenteiliger Resultate besagte urspruengliche Untersuchungen auch weiterhin oft und in positiven Kontexten zitiert und es dauert dann eben ca. 10 Jahre bevor dem nicht mehr so ist.

10 Jahre sind nun aber kein Lebensalter und noch nicht mal die Dauer einer Karriere. Andererseits werden junge Menschen die (im guten Glauben Vertrauen an die Richtigkeit der originalen Studien) versuchen ihr Ergebnis auf unwahren Resultaten aufzubauen keine Karriere haben … das ist dann auch so eine Art „Aussterben der Gegner“.

Aber auch wenn es eine Weile dauern mag, letztendlich setzt sich das durch, was die Realitaet besser beschreibt. So ist das nunmal in der Wissenschaft.

Neulich stolperte ich ueber einen Artikel in dem der Autor Systeme vorstellte, die ueberraschend Turing-vollstaendig sind. Einige davon waren extrem technische Sachen (wie zum Beispiel das geschickte Rumschieben von Arbeitsspeicher). Andere Beispiele sind (mehr oder weniger) weithin bekannt (bspw. Computerspiele wie Minecraft oder Dwarf Fortress oder natuerlich die meisten (aber nicht alle) Programmiersprachen).
Und dann waren da ein paar Beispiele die ich so cool fand, dass ich die Idee dieses Artikels klaue als Inspiration nehme und daraus eine Miniserie mache.

Heute aber nur eine Einfuehrung, denn mich duenkt ich sollte wenigstens kurz darauf eingehen, was Turing-Vollstaendigkeit eigentlich bedeutet.

In kurz ist ein System Turing-vollstaendig, wenn die Regeln dieses Systems benutzt werden kønnen um jeden beliebigen Computeralgorithmus zu implementieren. Das wichtige an einem Computeralgorithmus ist, dass dieser eine endliche Anzahl von Instruktionen hat um eine Eingabe zu bearbeiten.

Nebenbemerkung: eine endliche Anzahl von Instruktionen bedeutet NICHT, dass besagter Algorithmus jemals endet — unendliche Schleifen møgen dies verhindern. Das ist das sogenannte Halteproblem … eines der der ersten Probleme die im allgemeinen Fall als unentscheidbar erkannt wurden. Aus gegebenem Algorithmus und Eingabe kann man im allgemeinen NICHT erkennen, ob das Programm jemals zum Ende kommt.
In vielen konkreten Faellen kann man das aber sehr wohl entscheiden. In Faellen wo es wichtig ist, dass eine Berechnung terminiert, werden sogar Programmiersprachen benutzt die bspw. unendliche Schleifen automatisch beenden, Solche Programmiersprachen sind dann aber meines Wissens nach meist NICHT Turing-vollstaendig (denn sie kønnen ja nicht jeden Computeralgorithmus ausfuehren).

Wenn ein System Turing-vollstaendig ist, so bedeutet das auch, dass dieses System jedes beliebige andere Turing-vollstaendige System emulieren kann … oder leichter einzupraegen: Can it run DOOM? … und die Antwort ist vermutlich: Yes, it can.

Aber Achtung! Turing-Vollstaendigkeit heiszt NICHT dass oben erwaehnte Emulierung einfach zu implementieren ist oder schnell laeuft oder konkret (wenn auch theoretisch) møglich ist. Die ersten beiden Einschraenkungen sind intuitiv zu verstehen. Die Letzte folgt daraus, dass Turing-Vollstaendigkeit eigentlich unendlich viel Arbeitsspeicher voraussetzt. Fuer alle praktischen Belange wird das ignoriert. Es kann dann aber doch der Grund sein, warum eine konkrete Emulierung nicht zu implementieren ist. Oder anders: DOOM laeuft heutzutage auf echt vielen Geraeten, das bedeutet aber nicht, dass man auf den selben Geraeten auch ein vollstaendiges Linux mit Multimedia- und Internetanwendungen laufen lassen kønnte.

So, das war jetzt alles aus der Welt der Computer. Dies deswegen, weil die Eigenschaft der Turing-Vollstaendigkeit dort „erfunden“ wurde und am einfachsten zu verstehen ist. In dieser Miniserie werde ich aber auch aus der Computerwelt heraus treten. Damit verbleibe ich bis zum naechsten Mal.