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Beim letzten Mal endete ich mit einem Verweis auf das „Global Cancer Observatory„. Ich musste ein bisschen Zeit auf dieser Seite verbringen um zu verstehen, wie die Daten aufgebaut sind. Deswegen denke ich, dass es recht nuetzlich ist, wenn ich an dieser Stelle kurz darauf eingehe. Dann kønnt ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, bei Interesse gleich zu den relevanten Dingen vorstoszen und spart euch diese Arbeit.
Ich befuerchte allerdings, dass das hier Geschriebene eher eher als spaeter obsolet sein wird. Im Netz veraendert sich schlieszlich immer alles und selbst wenn es die Seite in ein paar Jahren noch gibt, so wird die bestimmt anders aussehen; sei’s drum.

Wenn man den obigen Link klickt, wird man mit mehreren Wahlmøglichkeiten konfrontiert. „Cancer over time“ ist durchaus interessant (und da habe ich mich zunaechst am meisten aufgehalten), aber ich bin natuerlich an der aktuellen Situation interessiert. Deswegen geht es mit „Cancer Today“ (Direktlink) weiter. Weil ich nur an norwegischen Zahlen interessiert bin, ist es nicht so schlimm, dass die Angaben dort  abgeschaetzt sind, denn in den nordischen Laendern ist es seit vielen Jahren obligatorisch Krebs an die entsprechenden Stellen zu melden.

Wieauchimmer, bei „Cancer Today“ wird man dann mit mehreren Wahlmøglichkeiten konfrontiert. Das was sich dahinter befindet ist an allen Faellen von groszem intellektuellen Interesse.
Ganz besonders informativ fand ich die Auftragung der laenderspezifischen, (jeweils altersstandardisierten) (Gesamt)Mortalitaet aufgrund von Krebs ueber dem (Gesamt)Vorkommen von Krebs. Das verhaelt sich alles wie schon besprochen, aber man muss das genauer anschauen um es zu erkennen. Laender wo es wenige Aerzte gibt haben NICHT weniger Krebsfaelle, da wird das nur nicht erkannt/gemeldet. Bzw. haben die vermutlich doch weniger Krebsfaelle, weil die Leute dort frueh an anderen Sachen sterben. In Laendern wo jeder Zugang zu einem Arzt hat werden mehr Krebsfaelle erkannt und gemeldet, aber wenn das Gesundheitssystem dort nicht soooo super gut ist, dann sterben die Leute da auch oft an Krebs (aber nicht so oft an anderen Sachen). In den reichen Laendern gibt es genau so viele Faelle, aber deutlich weniger Leute sterben daran. Auszerdem muss man bei der Darstellung auch immer im Hinterkopf haben, wie viele alte Menschen es in den Laendern gibt (im wesentlichen wieder eine arm/reich Dichotomie, aber nicht nur). Und dann sind da noch Australien und Neuseeland mit den allermeisten Krebsfaellen, die aber zu groszen Teilen durch Hautkrebs zustande kommen; und die Frueherkennung scheint dort sehr gut zu funktionieren, denn die Mortalitaet steigt nicht an.
Das ist ein tolles Diagramm, weil es sooo viel Information enthaelt und all dies kann man auf der linken Seite noch geschlechter- und krebsspezifisch aufteilen … ich gebe aber zu, dass sich die Informationsfuelle eigentlich erst mit genuegend Hintergrundwissen ergibt … allerdings ist das ja oft der Fall.

Aber ich schwoff ab, denn eigentlich bin ich ja an den altersspezifischen rohen Zahlen interessiert und deshalb verschlug es mich am Ende zu den „Tables„.
Auf der linken Seite waehlt man (von unten anfangend) das Land (Population), die Altersgruppe, das Geschlecht und ob man die Anzahl der (abgeschaetzten) Krebsfaelle oder die (abgeschaetzte) Mortalitaet sehen will.

Um die Stimmung bei diesem Thema wieder ein bisschen aufzumuntern, empfehle ich bei den letzten beiden mal hin und her zu wechseln. Zumindest fuer Norwegen (und vermutlich fuer die meisten reichen, westlichen Laender) gibt das naemlich wieder ein hoffnungsfrohes Bild. (Von Ausnahmen abgesehen) stirbt nur ca. 1/3 der Leute an Krebs.

In der Tabelle sieht man auch die Begriffe „Uncertainty Intervall“, „Crude Rate“, „ASR (World)“ und „Cumulative risk“. Weil das abgeschaetzte Zahlen sind, gibt Ersteres fuer alle praktischen Belange an, weit die Zahlen daneben liegen kønnen. Die anderen drei Begriffe erklaere ich ein anderes Mal.

Zum Abschluss noch ein Achtung: Altergruppen sind ueblicherweise (meistens? oft?) 5-Jahres-Intervalle (wenn ich das richtig verstanden habe), der „Slider“ erlaubt als Minimum aber nur 15-Jahres-Intervalle. Ueber die „Drop-Down“-Menues kønnen kuerze Intervalle gewaehlt werden.

Beim letzten Mal erwaehnte ich, das ich

[…] mich daran machte, die wirklichen, altersspezifischen Zahlen zu finden […].

Das stellte sich aber zunaechst als gar nicht so leicht heraus. Der Grund liegt darin, dass in allgemeineren Publikationen bzgl. der Auswirkungen von Krebs diese Zahlen relativ wenig von Interesse sind. Es ist klar, dass ueber 60-jaehrige viel øfter Krebs bekommen als unter 60-jaehrige. Eine Gesellschaft hat aber mehr von Letzteren als von Ersteren. Das ist bei solchen Artikeln in Betracht gezogen und drueckt sich darin aus, dass alle Zahlen „per 100-tausend (Einwohner)“ sind.
Der Artikel von Ugai, T., et al ist bereits eine Ausnahme, weil darin bereits eine altersspezifische Unterscheidung vollzogen wird. Aber mit „juenger oder aelter als 50 Jahre“ ist besagte Unterscheidung sehr grob und ich wollte das feinkørniger haben.

Andererseits sind solche Zahlen sind auch voll informativ, wie der Artikel „Global Cancer Statistics 2020: GLOBOCAN Estimates of Incidence and Mortality Worldwide for 36 Cancers in 185 Countries“ von Hyuna Sung et al. in CA: A Cancer Journal for Clinicians, 71, 2021, pp. 209–249 zeigt.
Ehrlich, das ist total lohnenswert sich die Grafiken dort mal anzuschauen! Denn wenn man drueber nachdenkt, dann ist es ein voll gute Sache, dass heutzutage ((nicht nur) in den reichen Laendern) die Leute haeufiger an Krebs sterben. Das bedeutet naemlich, dass unheimlich viele vermeidbare Todesursachen verhindert werden. Heutzutage sterben ((nicht nur) in den reichen Laendern) weniger Leute an Infektionskrankheiten, verseuchter Umwelt, bei (Arbeits)Unfaellen etc. pp. Und nur _weil_ wir ((nicht nur) in den reichen Laendern) aelter werden kann Krebs ueberhaupt die Todesursache sein.
(Anmerkung: ich habe das „((nicht nur) in den reichen Laendern)“ rein gepackt um deutlich zu machen, dass sich dieser Fortschritt vor allem auf die „westliche“ Welt bezieht, ABER dass es auch in anderen Teilen der Erde besser geworden ist).

Hinzu kommen diese beiden Zahlen aus dem Artikel, welche wirklich nur positiv interpretiert werden kønnen:
– 19.3 Millionen gemeldete Krebsfaelle (weltweit, 2020)
– 9.9 Millionen gemeldete Krebstote (weltweit, 2020)

Wait! What?! Selbst wenn man SEHR pessimistisch ist und annimmt, dass nur 1/4 der Menschheit fuer diese Statistik in Betracht gezogen wird (auch wenn da „weltweit“ steht), weil der Rest in Gebieten wohnt wo kein Arzt hin kommt, dann bedeutet die erste Zahl, dass die Chance Krebs zu bekommen bei weniger als einem Prozent liegt!
Und die zweite Zahl bedeutet, dass heutzutage 50 Prozent der Leute den Krebs ueberleben! … WOW! … Ich sagte bereits frueher, dass man sich nicht all zu sehr den Kopf zerbrechen muss ueber Krebs.

Auch wenn das voll interessant ist, so war es nicht, was ich suchte. Irgendwann fand ich einen fast 1600 Seiten langen Report mit dem Titel „Cancer Incidence in Five Continents Vol. XI“ (direkt zum PDF) von der International Agency for Research on Cancer. Hurra! Denn hier fand ich endlich laender- und krebsspezifische Zahlen.
Und wieder ist die Chance Krebs zu bekommen fuer mich, der ich in Norwegen (S. 869) wohne, mit ca. 1.3 Prozent ziemlich klein. (Anmerkung: diese Zahl bestaetigt indirekt, dass mglw. weltweit tatsaechlich nur 1/4 aller Krebsfaelle registriert werden, denn fuer Norwegen kann angenommen werden, dass so ziemlich alle Einwohner Zugang zu einem Arzt haben.)

Aber das war immer noch nicht was ich suchte, denn auch wenn die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit so klein ist, so liegt die kumulative Wahrscheinlichkeit ueber das ganze Leben bei ungefaehr 40-50 Prozent und ich wollte wissen wie das in meiner Altersgruppe aussieht. Doch dann, spaet Abends, fand ich endlich (wieder) von der International Agency for Research on Cancer eine Datenbank mit dem Titel „Global Cancer Observatory„.

Was fuer Datenschatz! … Damit transformierte ich vom (Daten)Jaeger zum (Daten)Sammler … und damit geht es beim naechsten Mal weiter.

Ich hatte bereits mehrfach erwaehnt, dass Minecraft Turing-komplett ist und Minecraft-Computer sind ja nix neues mehr. Im Wesentlichen geschieht dort das Gleiche wie beim Magic Beispiel vom letzten Mal: (Spiel)Elemente werden in einer bestimmten Reihenfolge angewendet und dies kann dann uminterpretiert werden als Elemente und Instruktionen der Turingmaschine. Bei Minecraft ist das nur viel intuitiver als bei Magic, weil man ja schon mit technischem (Spiel)Elementen anfaengt.
Letzteres ist der Grund, warum ich Minecraft in dieser Serie eigentlich nicht behandeln wollte.

Nun stolperte ich aber darueber, dass jemand einen Minecraft-Computer gebaut hat, in dem Minecraft selbst laeuft. Cool wa! Der Computer im verlinkten Video ist ein Upgrade von dem Modell was hier etwas detaillierter vorgestellt wird (mit noch mehr Programmbeispielen).

Das ist eigentlich immer noch nicht wert fuer diese Serie. Ich bringe es hier, weil ich mehrmals sagte, dass fuer eine gegebene Turingmaschine eine konkrete Uebersetzung eines Programms sehr komplex sein kann und die Bearbeitung von aequivalenten Programmenschritten mitunter sehr viele Einzelschritte in der Turingmaschine benøtigt und damit sehr lange dauert. Hier geht es schnell genug, dass man das zeigen kann. Aber die Implementierung lief bei 10-tausendfacher Geschwindigkeit (und die Videos sind nochmals schneller abgespielt), denn andernfalls …

[…] it would run at a frame every few days

Weil dies das Gesagte so schøn illustriert, war Minecraft dann doch einen kurzen Beitrag wert.

Ach ja, der Titel kommt daher, weil die Leute daran arbeiten, dass auch DOOM auf diesem Computer laeuft. Wenn das fertig ist, ich drueber stolper und mich dran erinnere, dann werde ich das hier auch erwaehnen.

… in Schweden Joe Kurt kaufen:

Tihihihi. Ich fand das zu witzig um das einfach so im Kuehlregal stehen zu lassen und wollte meine Freude gerne mit euch, meine lieben Leserinnen und Leser, teilen :) .

Uff, noch eine neue Miniserie … aber ich versuche mich an kuerzeren, leichter „verdaulichen“ Beitraegen, damit die laengeren und mglw. etwas schwerer zu „verdauenden“ Kevin Bacon Artikel ertraeglicher werden. Das bedeutet aber, dass ich Themen „zerschneiden“ muss.

Wieauchimmer, vor einigen Jahren merkte ich an, dass

[f]alls Dinosaurier intelligent waren dann wuerden wir das gar nicht mitbekommen.

Meine Argumentation lief letztlich auf die Vergaenglichkeit aller Zeugnisse einer wie auch immer gearteten Kultur hinaus.

Mir scheint, dass Schmidt, G. A. und Frank, A. diesen Beitrag gelesen haben und die Idee geklaut davon inspiriert worden sind, den Artikel „The Silurian hypothesis: would it be possible to detect an industrial civilization in the geological record?“ im International Journal of Astrobiology, 18(2), 2018, pp. 142–150 zu schreiben … … … Meine erste Reaktion war: das ist ja wohl mal urst toll wa!
Die Autoren sondieren die im Titel des Artikels gestellte Frage deutlich gruendlicher als ich und ich werde deren Ueberlegungen, Argumente und Ergebnisse im Zuge dieser Miniserie vorstellen.

Gleich vorweg kann ich sagen, dass die Autoren zum selben Ergebniss kommen wie ich. Wenn man nur ein paar wenige Millionen Jahre zurueck geht, hat man ein hinreichend groszes Signal, welches auf Wesen deuten laeszt, die dem Tierreich entstiegen sind:

[…] (the last 2.5 million years), there is widespread extant physical evidence of, for instance, climate changes, soil horizons and archaeological evidence of non-Homo Sapiens cultures […].

Darueber hinaus findet man aber eigentlich nur noch was, wenn man danach buddelt … wobei damit aber i.A. nicht die lustige archaeologische Exkursion in der Wueste Gobi gemeint ist, sondern Bergbau! Und selbst dann kommen nur ein paar wenige Millionen Jahre dazu.

Bleiben Fossilien oder (Abdruecke) von Objekten. Nur dass sich ueberhaupt Fossilien bilden ist EXTREM unwahrscheinlich (mal ganz abgesehen davon, dass man die dann auch noch finden muss):

[…] it is clear that species as short-lived as Homo sapiens (so far) might not be represented in the existing fossil record at all.

Lange Rede kurzer Sinn, die Autoren kommen (wie oben erwaehnt) zu dem Schluss, dass …

[…] for potential civilizations older than about 4 Ma, the chances of finding direct evidence of their existence […] is small.

Deswegen dreht sich der Artikel um …

[…] physicochemical tracers for previous industrial civilizations […]

… denn diese sind nicht lokalisiert (man denke hier an Treibhausgase, Uebersaeuerung der Meere oder Mikroplastik). Voll spannend, wa! Aber dazu mehr beim naechsten Mal.

Zum Abschluss sei noch gesagt, dass die Autoren auch Argumente geben, warum es wichtig ist, sich Gedanken zu machen bzgl. dieser Frage in einem professionellen Kontext … als ob es einer Begruendung braeuchte, sich ueber mglw. raumfahrende Dinosaurier Gedanken zu machen … pfffffff!
Ach ja … zur Begruendung wird (unter anderem) die Drake-Gleichung herangezogen, die in diesem Weblog ja auch bereits Thema (einer Miniserie) war.

Ich finde dies ist ein toller Jahresabschluss … ich wuensche einen guten Rutsch :)

… ist das dritte Buch welches ich von Simon Stålenhag habe. Als ich es nach dem Kauf durchblaetterte, war ich zunaechst enttaeuscht, denn es schien auf den ersten Blick eine Abkehr vom Konzept der vorangehenden zwei Buecher zu sein.

Dementsrpechend wartete ich nach dem Kauf recht lange, bevor ich es las. Zu meiner Ueberraschung stellte sich mein erster Eindruck zwar durchaus als richtig, aber meine Reaktion als unbegruendet heraus.

Das zugrundeliegende Konzept der ersten beiden Buecher — imaginierte Kindheit und Jugend in einer Gegend die voll ist mit seltsamen technischen Artefakten welche dem Ganzen eine Art Semi-Endzeitstimmung geben — gibt nunmal nur so viel her bevor es repetitiv wird. In diesem Buch schafft Stålenhag die erfolgreiche Erweiterung dieses Konzepts. Altes wird erhalten und Neues kommt dazu. Genauer ist hier ein ganzes Land (høchstwahrscheinlich der ganze Planet) und alle Bewohner „betroffen“ von den Artefakten; anstelle einer kleinen Gegend in Schweden und den wenigen Leuten die dort wohnen. Auszerdem muss es eine ganz andere Welt sein, denn die Artefakte sind zwar immer noch technisch, aber ganz anderer Natur.

Stålenhag ist sehr geschickt in der Praesentation dieser (neuen) Welt in Text und Bildern und deswegen wurde trotz meiner anfaenglichen Bedenken dieses (dritte) Buch meine Favorit :) .

Im, beim letzten Mal erwaehnten, Artikel von Ugai, T., et al werteten die Autoren unheimlich viele Daten aus.
Dabei ist natuerlich zu bedenken, dass jeder Datenpunkt ein Mensch ist … was mich direkt zum urspruenglichen und eigentlichen Problem zurueck bringt: man kann leicht auf den deprimierenden Gedanlen verfallen, dass alles was von einem am Ende uebrig bleibt, ein Zaehler in einer Statistik ist, der um eins hoch geht. Dann aber bildet sich dieses Problem auf sich selber ab: darueber will man nicht nachdenken und darum tun das die meisten Leute auch nicht. Aber wenn ich mich nicht mit meinen Aengsten beschaeftige, wie soll ich denn dann lernen denen zu begegnen? Und gerade das Thema des eigenen Todes ist unvermeidbar (und absolut).
Mir hilft dabei sehr dass ich dies eben in Datenpunkte abstrahieren kann. Womit der Kreis geschlossen ist … aber ich wollte das mal gesagt haben.

Wieauchimmer, beim Lesen des obigen Artikels erfuhr ich, dass bestimmte Krebsarten bei Menschen unter 50 Jahren mit so und so viel (wenigen!) Prozent pro Jahr zunehmen. Nach dem ersten Schreck stellte ich mir dann die Frage, wie hoch eigentlich die Chance ist, dass ich einen gewissen Krebs bekomme? Und wie sehr erhøht sich das, weil ich mich so wenig bewege?
Die gute Nachricht: die Zahlen sind im Allgemeinen viel (!) niedriger als man glauben mag … mit Einschraenkungen, aber darauf komm ich an anderer Stelle nochmal zurueck

Nochmal anders an Hand eines Fantasiebeispiels mit ausgedachten Zahlen: man nehme an, dass von 1000 Leuten 4 Schilddruesenkrebs bekommen (Bemerkung: die wirkliche Zahl ist eher 3 von 100-tausend … siehe die guten Nachrichten im vorherigen Satz). Desweiteren nehme man an, dass staendiges Sitzen diese Chance um 25 % erhøht (Bemerkung: viel Sitzen geht nicht auf die Schilddruese!). Dann waren das also 5 von 1000 … eine relativ geringe Chance und bei den Zahlen aus dem echten Leben ist die noch viel viel viel geringer.
Weiterhin gilt, dass selbst WENN ich einer von diesen fuenf Leuten bin, dann haette ich mit mehr als vier Mal høherer Wahrscheinlichkeit diesen Krebs auch dann bekommen wenn ich den ganzen Tag im Wald spazieren gehen wuerde!

Das ist wichtig, denn 25 % hørt sich nach URST viel an und auf den ersten Blick interpretierte ich das so, dass meine mir lieben und wichtigen Hobbies (Zocken, Lesen, Programmieren und Datenanalyse … nicht notwendigerweise in dieser (oder irgend einer) Reihenfolge) mich umbringen werden!
Wie aber bereits dieses Fantasiebeispiel mit viel zu groszen Zahlen zeigt, ist dem mitnichten so! Die erste Aussage zeigt, dass ich høchstwahrscheinlich eh keinen Schilddruesenkrebs bekommen werde. Die zweite Aussage bedeutet, dass selbst wenn es doch passiert, es nicht wegen meiner Hobbies war.

Diese Erkenntnisse fand ich spannend und deswegen machte ich mich daran, die wirklichen, altersspezifischen Zahlen zu finden … aber dazu mehr beim naechsten Mal (auch wenn ich oben schon ein Resultat gespoilert habe).

Ein Thema ueber das man nicht spricht … und (noch) eine Fortfuehrung der hier begonnenen Gedanken. Letztere gehen bei mir ja nun auch schon wieder zwei Dekaden zurueck, ein semi-abhaengiger Aspekt der an sich schon interessant ist … aber darum soll es nicht gehen.

Auch wenn ich hier auf ganz andere Dinge eingehen werde, so liegt die Motivation doch in dem worueber letztlich auch eine andere zur Zeit laufende Miniserie handelt:

[…] ich versuche zu lernen, mit der Absolutheit meiner eigenen Sterblichkeit umzugehen […] [indem ich] schwere Probleme in Teile [zerlege] die ich prozessieren kann … und oft kommen dabei Fragen und Antworten und Ideen und Ueberlegungen bei raus, die ganz unabhaengig vom urspruenglichen (oder eigentlichen) Problem durchaus interessant sind :) .

So ist das auch hier.

Ueberhaupt darauf gekommen bin ich, weil ich neulich ueber einen sehr interessanten Artikel von Ugai, T., et al. mit dem Titel „Is early-onset cancer an emerging global epidemic? Current evidence and future implications“ in Nature Reviews Clinical Oncology, 19, 2002, pp. 656–673 gestoszen bin (zur Zeitpunkt des Schreibens war das leider nicht verfuegbar bei meiner ueblichen Quelle).
„Early onset“ bedeutet in dem Zusammenhang, bevor man 50 ist und das ist von Interesse, denn junge Menschen bekommen _deutlich_ seltener Krebs und wenn sich da was messbar aendert fuer die Menschheit, dann ist es wichtig die Gruende heraus zu finden.

Wieauchimmer, dort fand ich heraus, dass …

[…] prolonged sedentary television viewing time was associated with an increased incidence of early-onset [colorectal cancer] independent of exercise and BMI.

Ich guck zwar nicht all zu viel TV, aber ich zocke viel und sitze auch auf Arbeit den ganzen Tag. Deswegen war ein naheliegender Gedanke: „Verdammte Kacke .oO(Wortspielkasse)“. Meinem normalen Bewaeltigungsmechanismus folgend versuchte ich diesen gigantischen Schreck in kleinere, verstehbare Teile zu zerlegen.

Um diesen ersten Beitrag mit einer positiven Note abzuschlieszen eine gute Nachricht: ich kam zu dem Schluss, dass ich mir darueber nicht wirklich den Kopf zerbrechen muss … aber dazu komme ich erst an spaeterer Stelle … denn der Weg zu dieser Erkenntnis war gepflastert mit voll spannenden Sachen … und darueber geht diese Miniserie.

Vor einer Weile liesz ich mich darueber aus, dass die Rolle der Kirche zu Galileis Zeiten mitnichten bøse, garstig und rueckwaertsgewandt war. Vielmehr hat diese in weltlichen (!) Fragen mittels der damaligen (!) „wissenschaftliche Methode“ gearbeitet und die Wissenschaften sogar aktiv unterstuetzt. Nur in geistlichen Fragen liesz sie sich nicht reinreden. Mittlerweile denke ich, dass das (unter den damaligen Umstaenden!) durchaus gerechtfertigt war. Fuer die Kirche war ein Galilei der was in spirituellen Dingen erzaehlt ungefaehr so wie wenn mir ein Koch sagt, dass Impfen zu Autismus fuehrt. Im besten Fall nervig, im schlimmsten Fall den øffentlichen Frieden (zer)størend.
An anderer Stelle liesz ich mich ueber Newton, und wie dieser eigentlich gar kein Wissenschaftler im heutigen Sinne war, sondern vielmehr einer der letzten Magier.

Wieauchimmer, Giordano Bruno ist eine weitere mythische Figur. (Auch) von ihm wird gerne behauptet, dass er ein ganz aufrichtiger Wissenschaftler war und fuer die (einzig wahre) Wissenschaft gestorben ist. Junge, Junge, da hab ich neulich was zu gelesen. Naemlich den Artikel von Lawrence S. Lerner und Edward A. Gosselin mit dem Titel „Was Giordano Bruno a Scientist?: A Scientist’s View“ im American Journal of Physics 41, 24, 1973, pp. 24–38 … *hust*.

Ich fand den Artikel schwer zu lesen und den angefuehrten Beispielen schwer zu folgen. Aber die Schlussfolgerung ist diese: Bruno hat NICHT die damaligen wissenschaftlichen Argumente durchdrungen, sondern eher nur nachgeplappert. Die Autoren geben dafuer gute Argumente anhand von Brunos Buechern, im Vergleich mit anderen zeitgenøssischen Quellen. Er war also mitnichten ein Wissenschaftler, auch nicht unter damaligen Gesichtspunkten und wir romantisieren das, weil es uns besser in den Kram passt.
Bruno tat dies um seine eigene, eher religiøs/spirituell ausgerichtete Agenda zu førdern … Uff! … was fuer eine Verkuerzung der Argumente und des Geschehenen, aber letztllich laeuft es darauf hinaus.

Die Autoren schreiben dazu schon in der Zusammenfassung:

Bruno’s “scientific” arguments do not exhibit any understanding of scientific reasoning or purpose. Rather they serve the totally unrelated function of allegorical descriptions of a metaphysical relationship between Man and God […]. Bruno sees Nature as the signature of God, and he believes that this signature can best be perceived through the hieroglyph of the Copernican theory.

Auszerdem war er ein Querulant und Størenfried, der sein Leben lang an keinem Ort verweilen konnte, weil er es sich mit den Leuten immer dermaszen verscherzte, dass sein Leben in Gefahr war. Am Ende konnte er nirgendwoanders mehr hingehen und kehrte in eine Gegend zurueck von der er wusste, dass er dort eingesperrt wird.

Letzteres ist auch der Unterschied zu Galilei. Ich kenne keine einzige Wissenschaftlerin (!) die fuer ihre Wissenschaft gestorben ist (dito fuer die Wissenschaftler). Galilei hat widerrufen, weil ein lebender Mensch sich wenigstens Gedanken machen kann ueber wissenschaftliche Belange und das nehmen ihm zu kurz denkende Menschen heutzutage uebel. Oder anders: Wissenschaftler sind eben gerade KEINE Maertyrer, denn ihnen stehen andere Wege der Wahrheit zur Verfuegung.
Und hier liegt der Hase im Pfeffer, denn der Begriff Maertyrer ist zurecht (fast?) ausschlieszlich dem religiøsen Bereich zugeordnet. Bruno wird nun gemeinhin als Maertyrer der Wissenschaft angesehen … ein Widerspruch in sich und dann auch noch falsch (siehe oben).

Aber ACHTUNG! Das bedeutet NICHT, dass Bruno und seine Buecher irrelevant waren (oder sind). Ganz im Gegenteil! Seine philosophischen Argumente haben spaeter wichtige Wissenschaftler wie Galilei oder Huygens massiv beeinflusst. Bruno spielt in der Entwicklung der Wissenschaft also eine wichtige Rolle. Aber nicht als (Proto)Wissenschaftler, wie es der heutige, weitverbreitet Narrativ ist. Und das wollte ich mal gesagt haben.

Die Absolutheit der eigenen Sterblichkeit ist ein ganz furchterregendes Thema, dem man sich nicht wirklich naehern kann. Die allermeisten Leute beschaeftigen sich damit entweder gar nicht oder nur mittels Hilfe religiøser Argumente.

Eine weitere Reaktion bzgl. der Absolutheit dessen was unendlich mal weniger als Nichts ist, so viel weniger, dass wir dafuer nicht mal einen Begriff haben, denn das waere ja schon etwas, besteht darin, etwas „Bleibendes“ zu schaffen. Das ist das, was ganz grosze Kunst ganz grosz macht. Man fuehlt das Kaempfen der Kunstschaffenden gegen die Absolutheit des Todes in Gustav Vigelands Skulpturen, den Bildern von Vincent van Gogh oder Pieter Bruegel (der Aeltere), den Buechern von Kurt Vonnegut, Hannah Arendt, Karl Marx etc. pp., der Musik von Beethoven, Bach oder auch Jean Michel Jarre und nicht zuletzt in Videospielen wie bspw. (und mir sehr am Herzen liegend) Hellblade: Senua’s Sacrifice.
Es ist also ein natuerliches und sehr menschliches Verlangen etwas Bleibendes zu hinterlassen, was die „Essenz“ des Selbst ausdrueckt.

Die meisten Leute kønnen keine Kunst schaffen … das gilt aber nicht fuer Kinder.
Weiterhin ist es so, dass egal von wem geschaffene, Produkte immer auch einen „Teil“ der Person enthalten (wenigstens die Lebenszeit die es brauchte um das Produkt zu erschaffen). Das gilt fuer den liebevoll gebackenen Kuchen, das gebaute Haus, der Programmcode und nicht zuletzt so ziemlich jeder Weblog. Nicht alles ist Kunst, nicht alles ist Bleibend und nur das Allerwenigste drueckt auch die Essenz des Selbst aus … aber es ist immer ein Teil der Person in dem Geschaffenen.

Nun ist es scheinbar (!) naheliegend, dieses Prinzip auf das „Produkt der Lenden“ … ich bitte diesen Ausdruck zu entschuldigen, dieser ist aber allgemein bekannt (und gebraucht) und passt genau in das was ich hier eigentlich sagen will … zu erweitern … insb. auch deswegen, weil dieses die Haelfte der Gene der oder des „Erschaffenden“ enthaelt. Wobei Letzteres natuerlich ein sehr neues Konzept ist und ich komme darauf an anderer Stelle nochmal zurueck.

Und eben darin liegt das Problem … meine, von mir geschaffenen Produkte enthalten einen Teil von mir, denn ansonsten waere das ja nicht von mir geschaffen … wenn meine Enkel den Kuchen von wem anders essen kuemmert mich das ja nicht, bzw. nur in so fern, dass der besser schmecken kønnte als meine Kuchen und damit wer anders mehr geschaetzt wird als ich … Mist … ich schaffe es nicht besser auszudruecken was ich meine, aber ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, ahnt vielleicht worauf ich hinaus will.

Wieauchimmer, ein Kind erlebe ich aber als Mensch und wenn ein Mensch einen Teil von mir enthaelt, dann muss das ja wie ich sein, denn ansonsten waere das ja nicht von mir.
DAS spricht dem Kind aber sowohl Autonomie und eine eigene Persønlichkeit ab. Ersteres deswegen weil es meinem Willen unterliegen muss (denn ich habe Macht ueber meine Produkte), Letzteres weil es ja „meine Essenz“ enthaelt und die kann ja nix Anderes sein als ich selber.
Diese Uebertragung ist natuerlich groszer Unsinn … und sicherlich einer der zugrundeliegenden Mechanismen der Probleme zwischen Eltern und Kindern. Dass es eine all zu menschliche Herangehensweise ist, aendert nichts daran, dass es Unsinn ist.

Puuuuuuuuh … verwirrend, ich bin immer noch dabei mich in meinen Gedanken bzgl. dieser Fragestellung voran zu tasten. Das erkennt man daran, dass ich mit Beispielen (anstatt Verallgemeinerungen) arbeite und so manches mehrfach sage. Aber ich hoffe, dass am Ende dieser Miniserie alles etwas deutlicher wird.