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Hier nochmal der Direktlink zur Tabelle mit den Daten.

Beim letzten Mal sagte ich, dass …

[…] mein jaehrliches Risiko […] ueberhaupt irgend einen Krebs zu bekommen […] nur 0.138 % [betraegt] […]

Wie kommt es dann aber, dass das Gesamtrisiko im Leben Krebs zu bekommen bei 50 % (und darueber) liegt? Dies ist nicht ganz einfach zu erklaeren unddeswegen der Reihe nach.

Alle Zahlen der Tabelle gehen davon aus, dass man nur ein Mal im Leben Krebs bekommt. Das ist nicht ganz richtig (und der Grund fuer komplizierte Korrekturen die ich hier erwaehnte) aber in Naeherung ist das gut genug.
Das unkorrigierte kumulative Risiko geht im Prinzip davon aus, dass es keinen „Verlust“ von Altersgruppe zu Altersgruppe gibt. Das bedeutet im Grunde, dass die Chance in der gegebenen Altersgruppe Krebs zu bekommen unabhaengig davon ist, in einer anderen (vorherigen) Altersgruppe Krebs zu bekommen. Oder anders: diese beiden Ereignisse sind inkompatibel (denn ansonsten haette ein Individuum es ja gar nicht bis zu der gegebenen Altersgruppe geschafft). Bei inkompatiblen Ereignissen greift das dritte Axiom von Kolmogorow und ich muss einfach nur die Summe aller (altersgruppenspezifischen) Einzelwahrscheinlichkeiten bis zur gegebenen Altersgruppe bilden, um das (unkorrigierte) kumulative Risiko zu erhalten.
Weil es so wichtig ist noch mal: bei dieser Rechnung gehe ich von meiner konkreten Situation aus. Ich nehme also an, dass es bis ins 43. Lebensjahr gekommen bin, OHNE dass Krebs diagnostiziert wurde.
Fuer norwegische Maenner und alle Krebsdiagnosen zusammen drueckt sich das eben Geschriebene in der lila Kurve in diesem Diagramm aus:

Sehr gut: alle Wahrschienlichkeiten zusammen ergeben weniger als 100 % (so wie es sein muss … denn das Universum wuerde verpuffen, wenn die Summe aller Wahrscheinlichkeiten ueber 100 % liegt). Es ist auch gut, dass ich am Ende 100 % erreiche, denn wenn ich an nix anderem sterbe, dann bleibt ja nur noch Krebs als Todesursache uebrig.

Die Situation fuer einen frischgeschluepften Mensch muss aber anders angegangen werden. Es gilt auch fuer diesen neuen Menschen, dass man nur ein Mal Krebs bekommt. Nun muss man im Hinterkopf haben, dass die Statistiken NUR ueber Personen gehen, die ueberhaupt Krebs bekommen kønnen (im Wesentlichen ist das im Konzept der „person-years at risk“ enthalten). Das bedeutet, wenn ein Mensch in einer Altersgruppe Krebs bekommt, dann faellt dieser aus der Statistik fuer die darauffolgenden Altersgruppen raus. Der Grund liegt darin, dass die zugehørigen „person-years at risk“ Null werden, sobald Krebs diagnostiziert wurde. Das bedeutet nicht, dass man stirbt, sondern nur, dass man nicht mehr zu den gefaehrdeten Personen gehørt. Das Konzept kann man sich leichter klar machen, wenn man sich Grippe anstatt Krebs denkt. Wenn man mit der Grippe durch ist, ist man immun, kann nicht mehr angesteckt werden und ist damit keinem Risiko mehr ausgesetzt.

Oder anders: die Wahrscheinlichkeit in einer gegebenen Altersgruppe Krebs zu bekommen ist _abhaengig_ (!) davon ob ich zur gefaehrdeten Personengruppe gehøre. Letzteres ist abhaengig (!) davon, ob ich bis hierhin „ueberlebt“ (also keinen Krebs bekommen) habe.
Ein Krebs-„Ereigniss“ in einer gegebenen Altersgruppe ist also abhaengig (!) davon, dass besagtes „Ereigniss“ nicht in einer vorhergehenden Altersgruppe auftrat.

Die Wahrscheinlichkeit eine gegebene Altersgruppe zu „ueberleben“ ist ganz einfach 100 % minus die Wahrscheinlichkeit, dass man Krebs bekommt. Das folgt aus dem zweiten Axiom von Kolmogorow: die Wahrscheinlichkeit fuer das sichere Ereigniss ist 100 % und das sichere Ereigniss ist in diesem Fall, dass ich Krebs bekomme oder nicht (also beide einzelnen Ereignisse zusammen genommen).
Weil es sich nun um voneinander abhaengige Ereignisse handelt, muss man die altergruppenspezifischen Ueberlebenswahrscheinlichkeiten miteinander multiplizieren, um heraus zu bekommen, ob man bis zu einer gegebenen Altersgruppe ueberlebt. Das korrigierte kumulative Risiko ist dann wieder nur 100 % minus die Ueberlebenswahrscheinlichkeit.

Diese Multiplikation der einzelnen Ueberlebens(!)wahrscheinlichkeiten (anstatt der Addition der einzelnen Krebs(!)wahrscheinlichkeiten wie im ersten Fall) ist mathematisch aequivalent zur „exponentiellen Abnahme der Anzahl der Menschen“ (die fuer die Statistik ueberhaupt in Betracht gezogen werden kønnen).

In der blauen Kurve im obigen Diagramm kommt also zum Ausdruck, dass man es eben gerade NICHT ohne Krebsdiagnose bis zur naechsten Altersgruppe geschafft hat, waehrend bei der lila Kurve davon ausgegangen wird (!), dass man von Datenpunkt zu Datenpunkt zu den „Ueberlebenden“ gehørt.

Ich weisz, ich weisz, statistische Aussagen (und wann welche Betrachtungsweise gewaehlt werden muss) kønnen knifflig sein. Aber ich wollte hier erklaert haben, warum ich weniger an der blauen, korrigierten Kurve und vielmehr an den Zahlen die zur lila,unkorrigierten Kurve fuehren, interessiert bin — das liegt an meiner Situation … … … und das soll nun wirklich genug sein fuer heute.

Spam Spam Spam Spam Spam […]

Hab ich mich gefreut, als ich das Original …

… in einem Laden in England entdeckte. Natuerlich kaufte ich gleich eine Dose … um zu meiner Ueberraschung (und Enttaeuschung) festzustellen, dass es sich dabei nur um eine Art von Jagdwurst handelt.
In Scheiben geschnitten, in der Pfanne gebrutzelt und auf auf ’ne schøne Scheibe Brot gepackt ist’s durchaus ’n OK’es Mahl.

Es geht weiterhin um die Daten in der bekannten Tabelle. In den letzten drei Artikeln habe ich mit den folgenden Begriffen „um mich geworfen“ und erklaert was diese bedeuten: Crude Rate, altersspezifische Rate, kumulative Rate und kumulatives Risiko. Zum grøszten Teil kønnen die zugehørigen Zahlen direkt aus der Tabelle abgelesen werden. Dort ist dies aber jeweils immer nur fuer gegebene Altersintervalle møglich und man sieht nur die Zahlen. Desweiteren sind die Zahlen dort eher fuer ganzheitliche Aspekte (bspw. gesundheitspolitische) „aufbereitet“. Ich persønliche will besagte Zahlen aber unter einem anderen Blickwinkel sehen — dem des maennlichen, in Norwegen wohnenden Individuums im 43 Lebensjahr, welches versucht eine „Gefahr“ abzuschaetzen. Ohne weitere Vorrede, zeige ich deswegen heute ein Diagramm in dem alle relevanten Grøszen vorkommen und bespreche das, damit die vorangegangene Theorie etwas handfester wird:

Alle Datenpunkte beinhalten ALLE Krebsfaelle und sind altergruppenspezifisch. Ersteres bedeutet, dass fuer diese Daten nur die Diagnose „Krebs“ wichtig war, nicht aber welche spezifische Krebsart (das kommt spaeter). Letzteres bedeutet, die sind NUR gueltig fuer die die gegebene Altergruppe. Das ist wichtig fuer mich ganz persønlich (siehe oben) oder fuer Aerzte um abzuschaetzen ab wann Vorsorgeuntersuchungen gemacht werden sollten.
Altersgruppen gehen ueber jeweils fuenf Jahre (mit Ausnahme der allerletzten, die alle Maenner ueber 85 Jahren zusammenfasst) und die Striche an der Abszisse geben die Altersgrenzen an.
Ebenso sind die Zahlen NUR fuer Maenner in Norwegen und die Verbindungslinien zwischen den Punkten sind nur zur besseren Visualisierung der Kurvenverlaeufe (vulgo: um das Auge zu leiten); es gibt natuerlich keine Daten dazwischen.
Die linke Ordinate ist (pro Altersgruppe) fuer die Anzahl der Krebsfaelle (schwarze Kurve) und das jaehrliche Risiko (Crude Rate, rote Kurve). Die rechte Ordinate ist (wieder pro Altersgruppe) fuer das korrigierte (blaue Kurve) und unkorrigierte (lila Kurve) kumulative Risiko.

Zunaechst zur Anzahl der Krebsfaelle. Am Anfang passiert nicht viel und damit man ueberhaupt den Anstieg in den ersten vierzig Jahren sieht, ist die linke Ordinate logarithmisch. Im Wesentlichen zeigt die schwarze Kurve einen linearen Anstieg. Bei logarithmischer Achse bedeutet das, dass das Krebsrisiko mit jedem Lebensjahr exponentiell zu nimmt. Das erklaert auch, warum ich beim letzten Mal meinte, dass die exponentielle Abnahme der Anzahl der zu betrachtetenden Menschen zur Berechnunge des wahre(re)n kumulativen Risikos durchaus plausibel ist.
Das jaehrliche Risiko berechnet sich aus diesen Zahlen und hat (von Ausnahmen abgesehen, siehe weiter unten) dementsprechend den gleichen Verlauf.

Aber Moment mal, hier sagte ich doch, dass die Sterberaten erst ab 30 Jahren exponentiell zunehmen. Das ist leicht zu erklaeren, denn wenn man den Grafen dort anschaut, dann fallen viel viel mehr junge Maenner anderen Sachen zum Opfer als Krebs. Dieser traegt erst ab ca. 30 Jahren signifikant(er) zum Signal bei.

Mit ueber 75 Jahren nimmt die Anzahl der Krebsfaelle wieder ab, aber die Crude Rate (rote Kurve) nimmt weiterhin zu. Dies ist natuerlich dadurch zu erklaeren, dass bei Letzterer die Anzahl der Faelle durch die Anzahl aller Maenner in der Altergruppe geteilt wird. Und der Nenner dieses Bruchs wird schneller kleiner (weil halt wenige Maenner so alt werden) als der Zaehler. Das ist genau der Grund, warum ich an der (altersspezifische) Crude Rate mehr interessiert bin als an der Anzahl der Krebsfaelle; ich will naemlich (wieder) so alt werden.
Es ist zu beachten, dass bei dieser Betrachtungsweise die Crude Rate auch die altersspezifische Rate ist. Das liegt natuerlich daran, dass innerhalb einer Altersgruppe keine anderen Altersgruppen vorkommen und dadurch keine juengeren (oder aelteren) Maenner mit in Betracht gezogen werden muessen. Ach so, die auf die Weltbevølkerung berechnte altersspezifische Rate interessiert mich natuerlich nicht. Ich wohne nunmal in Norwegen.

Das unkorrigierte (!) Risiko fuer eine Altersgruppe ist die jaehrliche Rate mal fuenf. Die lila Kurve hat also den selben (!) Verlauf wie die rote Kurve (nur mit grøszeren Werten). Das sieht man hier aber nicht, weil die rechte Abzsisse eine lineare Ordinate hat (dafuer sieht man aber, was ich oben mit „am Anfang passiert nicht viel“ meinte).
Wenn man das korrigiert bezueglich der Maenner die in der gegebenen Altersgruppe sterben (und damit keinem Risiko mehr ausgesetzt sind), erhaelt man die blaue Kurve. Wie beim letzten mal erwaehnt, sind die Unterschiede nicht bedeutend und machen sich erst bei ueber 70 Jahren ueberhaupt bemerkbar.

Die gute Nachricht fuer heute: mein jaehrliches Risiko (Crude Rate) ueberhaupt irgend einen Krebs zu bekommen betraegt z.Z. nur 0.138 % und ist selbst in hohem Alter nur ca. 5 %. Ich sagte ja, dass eine der wichtigen Erkentnisse war, dass ich mir darueber eigentlich gar keinen Kopf zerbrechen muss.

Genug fuer heute, denn ich wollte doch versuchen, diese Artikel „schlank“ zu halten. Beim naechsten Mal gehe ich kurz auf das kumulative Risiko ab Geburt ein.

Die letzte Spalte in der bekannten Tabelle ist das kumulierte Risiko. Gleich zu Anfang ein Achtung: Das ist in Prozent und NICHT per 100.000 (Einwohner).

Intuitiv ist das einfach zu verstehen: diese Zahl ist die Wahrscheinlichkeit innerhalb einer gewaehlten Zeitspanne an (einem gegebenen) Krebs zu erkranken. In Wahrheit ist’s aber nicht ganz so einfach und ich muss etwas ausholen.
Zunaechst ist wichtig, was ich zur Crude Rate sagte:

[…] die Crude Rate ist die _jaehrliche_ Chance an (einem gegebenen Krebs) zu erkranken, wenn man sich in einer gegebenen Altersgruppe befindet.

Eine Altersgruppe geht ueber fuenf Jahre und somit kommt man fuer jede Altergruppe zur kumulativen Rate (Achtung: Rate ist NICHT Risiko!) indem man die Crude Rate einfach mit fuenf multipliziert. Geht man ueber mehrere Altersgruppen, addiert man die kumulativen Raten einfach auf.
Das ist auch noch intuitiv und fuer junge Menschen sind die Werte fuer die kumulative Rate und das kumulative Risiko im Wesentlichen gleich. Fuer mittelalte Menschen (so ab 50) werden Diskrepanzen bemerkbar, aber man kann bis ungefaehr zum durchschnittlichen Lebensalter gehen und sagen, dass man diese beiden Werten noch gleich interpretieren kann, weil die Abweichung nicht all zu grosz wird. Danach sollte man das nicht mehr tun.

Der Grund, dass es zu grøszer werdenden Abweichungen kommt, liegt zum Einen wieder darin, dass man eigentlich die „person-years at risks“ nehmen muss. Darauf gehe ich auch diesmal wieder nicht weiter ein.
Zum Zweiten geht man bei der Rate immer davon aus, dass man eine Population von 100.000 Leuten hat. Oder anders: konkurrierende Todesursachen werden nicht in Betracht gezogen und somit gilt das nur fuer Leute die es ueberhaupt bis in die Altersgruppe schaffen. In der Realitaet ist die kumulative Rate eine UEBERabschaetzung, denn von den 100.000 Leuten sind ja schon ein paar verstorben. Somit ist die tatsaechliche Anzahl von Krebsfaellen etwas kleiner, einfach weil es nicht mehr so viele Leute gibt, die Krebs bekommen kønnen.

Bei der Berechnung des wahreren kumulativen Risikos wird (durchaus plausibel) angenommen, dass die Anzahl der betrachteten Menschen exponentiell abnimmt. Das alles kann man in den informativen ersten Abschnitten des Artikels „What is the lifetime risk of developing cancer?: the effect of adjusting for multiple primaries“ von Sasieni, P. D. et al. im British Journal of Cancer 150 (3), 2011, pp. 460–465 nachlesen. Dort findet man dann auch noch Methoden welche die Abschaetzung des Risikos weiter verbessern. Diese Verbesserungen beinhalten bspw. die Benutzung sogenannter „Life Tables“ (die bereits an anderer Stelle erwaehnt und benutzt wurden) um besser abzuschaetzen, wie viele Menschen einer gegebenen Kohorte, wenn sie eine gegebene Altersgruppe erreichen, (mehr oder weniger) tatsaechlich noch am Leben sind. Auszerdem kann man auch noch in Betracht ziehen, dass Leute mehrfach Krebs bekommen kønnen. All dies reduziert das wahre(re) kumulative Risiko, aber dafuer braucht man noch viel mehr Daten als ich (oder die Tabelle) zur Verfuegung habe.

Worauf ich hinaus will: das tatsaechliche kumulative Risiko ist (insb. fuer alte Altersgruppen) kleiner, weil die Leute an anderen Sachen als Krebs sterben. Im Artikel von Schouten, L. J. et al. mit dem Titel „Cancer incidence: life table risk versus cumulative risk.“ im Journal of Epidemiology and Community Health, 48 (6), 1994, pp. 596–600 gibt es ein paar sehr schøne und leicht zu verstehende Graphen bezueglich dieses Sachverhalts.

Fuer meine Zwecke ist das aber im Wesentlichen irrelevant. Zum Ersten habe ich die Zahlen mal rueckwaerts gerechnet und in der Tabelle sind alle kumulativen Risiken nur einfach korrigiert; also nur unter der Annahme, dass die Menschenzahl exponentiell abnimmt. Dies sowohl fuer das kumultive Risiko ab Geburt, als auch innerhalb der einzelnen Altersgruppen.
Zum Zweiten will ich ja ueberleben, also eben NICHT zu dem Teil gehøren, der zur „exponentiell abnehmenden Menschenzahl“ fuehrt. Unter dieser Voraussetzung ist sogar die (høhere) kumulative Rate (also einfach nur fuenf mal die Crude Rate) richtig.
Das Zweite ist dann (wieder) der bereits erwaehnte Unterschied zwischen Zahlen die richtig sind fuer ganzheitliche Betrachtungen und Zahlen die richtig sind fuer individuelle Betrachtungen … statistische Aussagen und Zahlen in den richtigen Zusammenhang zu setzen und richtig zu interpretieren kann manchmal ganz schøn knifflig sein.

Auch heute arbeite ich weiter mit dieser Tabelle.

Die beim letzten Mal betrachteten altersspezifischen (!) Crude Rates sind fuer mich als Individuum von Interesse. Ich gehøre nunmal zu einer ganz konkreten Altersgruppe und besagte Crude Rates geben an, wie wahrscheinlich es ist, dass ich an (einem bestimmten) Krebs erkranken werde. Das hilft mir die Situation besser einzuschaetzen und bestimmte Masznahmen zu treffen (oder auch nicht); zur Erinnerung: Letzteres war der Ursprung dieser Miniserie.

Trotz dieser groszen Nuetzlichkeit fuer Individuen sind Crude Rates deutlich weniger nuetzlich fuer eine Gesundheitspolitik. Letztere muss naemlich festlegen, wie viele Mittel fuer bestimmte Krankheiten auszugeben sind und es gibt deutlich mehr als nur Krebs. Aber nicht nur das, eine Gesundheitspolitik muss auch fuer die gesamte Bevølkerung gemacht werden, egal ob jung oder alt (oder mittendrin so wie ich). Und es gibt mehr juengere als aeltere Leute.

Hier kann ich das Beispiel vom letzten Mal weiterfuehren. Dort hatten junge Maenner (alle 1,752,661 Maenner bis 50 Jahre, 65.3 % aller Maenner) eine Crude Rate von ca. 74 und alte Maenner (alle 932,412 Maenner ueber 50 Jahre, 34.7 % aller Maenner) von fast 1900.
Fuer eine Gesundheitspolitk ziehe ich 100.000 Maenner zufaellig. Das bedeutet, dass ich mehr junge als alte Maenner ziehe, die Bevølkerungsstruktur muss also in Betracht gezogen werden. Das ist ganz einfach, denn man muss dafuer einfach nur die Crude Rates mit der Prozentzahl der Maenner die dieser unterliegen multiplizieren und dann beide Werte addieren: 74 x 65.3 % + 1900 x 34.7 % = 707.
Fuer alle praktischen Zwecke kann man nun sagen, dass dies die altersstandardisierte Rate (ASR in der Tabelle) fuer die gesamte Bevølkerung ist. Wenn man dann die oben erwaehnten Abweichungen in Betracht zieht, dann ist der Wert von 707 praktisch gleich dem Tabellenwert von 688. Letzteres erhaelt man, wenn man den Altersregler in besagter Tabelle von 0 bis 85+ (also ueber alle Altergruppen) gehen laeszt.

Ich waere aber nicht ich, wenn ich das einfach so stehen lassen wuerde. Denn eigentlich muss man nicht die Anzahl der Maenner in einer Altersgruppe in Betracht ziehen, sondern die Anzahl der (altersgruppenspezifischen) „person-years at risk“. So wird das in der Tabelle und auch im Cancer Incidence in Five Continents Vol. XI-Report gemacht (S. 127 f.). Bender, A. P. et al erklaeren diese Methode im Detail in ihrem Artikel mit dem Titel „A standard person-years approach to estimating lifetime cancer risk.“ … *hust* … in Cancer Causes & Control, 3 (1), 1992, pp. 69–75 … ich gebe zu, dass ich den nur ganz kurz ueberflogen habe um ein grundlegendes, aber sicher kein tiefgreifendes Verstaendniss fuer den Sachverhalt zu bekommen.

Worauf ich hinaus will ist das Folgende: die Abweichungen zwischen der obigen vereinfachten und der richtigeren Berechnung sind fuer junge Altersgruppen nicht signifikant, fuer mittlere Altersgruppen klein und akzeptabel (so bis ca. 70 Jahre) und erst fuer alte Altersgruppen grosz. Grob (und sehr stark vereinfachend) gesagt liegt der Grund darin, dass ein Mensch der in der Mitte der Altersgruppe stirbt, nur halb so viele Jahre zu den „person-years at risk“ beitraegt und es sterben viel mehr alte Menschen in der „Mitte“ der Altersgruppe als junge Menschen.

Wieauchimmer, die obige, vereinfachte Berechnung ist deutlich anschaulicher und der Fehler in den relevanten Altergruppen vernachlaessigbar. In dieser Miniserie werde ich die altersstandardisierte Rate ohnehin nicht nutzen und wenn doch, so ist fuer alles was ich in dieser Miniserie sagen werde diese Berechnung hinreichend. Weil man aber ueberall darauf trifft, dachte ich, dass es wichtig ist zumindest kurz mal darauf einzugehen.

Beim letzten Mal hatte ich auch versprochen, dass ich verraten werde, wieso in der Tabelle „ASR (World)“ steht. Weil diese „weltweite“, altersstandardisierte Rate praktisch ueberall auftaucht sei dies kurz erklaert (zum Glueck ist das ganz einfach): fuer gesundheitspolitische Entscheidungen (und insb. in so dicken, weltumspannenden Reports (ich hab’s nachgeschlagen, das ist tatsaechlich ein erlaubter Plural von Report) wie dem Cancer Incidence in Five Continents Vol. XI) ist es wichtig zu sehen, wo man im Verhaeltniss zu Welt steht. Deswegen wird nicht auf die landeseigenen „person-years at risk“ standardisiert sondern auf eine weltweite Referenzbevølkerung. Wie diese aussieht kann man in Tabelle 7.1 in besagtem, dickem Report auf Seite 128 sehen.

Und damit soll es endlich genug sein fuer heute.

Als junger Mensch erlebte ich in den Medien sowohl das Buhei als auch die Glorie des Baus und dann der Erøffnung des Eurotunnels. Meiner Meinung nach zu Recht wird dieser von der American Society of Civil Engineers als eines der (neuen) sieben (ingenieurstechnischen) Weltwunder angesehen.
Wieauchimmer, seit nun 30 Jahren wollte ich da mal durchfahren … man kann durchaus sagen, dass das ein Kindheitstraum war und dieser wurde im Sommer 2022 endlich verwirklicht.

Ich bin reich und fahre deswegen 1. Klasse im Zug. Nun kann man aber den sozialen Hintergrund nicht einfach so ablegen und deswegen war ich positiv ueberrascht, als ich in der 1. Klasse im Eurostar auf einmal Essen serviert bekam ohne dafuer extra bezahlen zu muessen:

Ich gebe zu, dass es so schmeckte wie es aussieht … dennoch fuehlten der junge Mann der mit mir reiste und ich uns piekfein :) .

Zur Erinnerung an die Erfuellung des Kindertraums fand sich (ganz zufaellig natuerlich) eines der schicken Weinglaeser (oben links im Bild zu sehen) in meinem Gepaeck wieder und ueberlebte sogar das viele Herumgefahre in England (und ganz kurz Wales und Schottland) und die Heimreise.

Zum Abschluss kann ich es total empfehlen mit dem Zug direkt aus Dtschl. nach London zu fahren. Wenn man alles zusammenrechnet (also aus der Haustuer raus bis zur Ankunft im Hotel), dann ist das nicht teurer als fliegen (mglw. sogar billiger) und wenn man nicht in Reichweite eines Flughafens wohnt, dann dauert die Reise auch nicht viel laenger. Der grosze Vorteil liegt aber darin, dass man mehrere Grøszenordnungen weniger Stress hat.

Schwupps … so schnell macht sich _noch_ eine neue Miniserie auf.
Der Grund ist, dass ich im letzten Jahr angefangen habe ein paar Buecher (und viele Comics) nochmal zu lesen, deren erste Lektuere 10, 15 oder gar (mehr als) 20 Jahre zurueck liegt.
Bei den Buechern lese ich nur solche nochmal, die einen herausragenden Eindruck hinterlassen haben. Oder wo ich das Gefuehl habe, dass ich die nochmal lesen sollte, weil ich die beim ersten Mal mlgw. nicht so richtig verstanden habe und sich das irgendwie wichtig anfuehlt. Bei den Comics lese ich alles nochmal. Nicht weil die so gut sind (obwohl viele es durchaus sind), sondern aus nostalgischen Gruenden.
Man beachte den Gebrauch des Plurals, woraus die Miniserie folgt.

Beim nochmaligen Lesen mache ich mir natuerlich Gedanken und wenn die es meiner Meinung nach wert sind aufgeschrieben zu werden, dann wird daraus ein kurzer Artikel … bzw. bei den Comics møchte ich gerne Cover zeigen … und dann denke ich mir dazu eben auch noch Text aus.

Los geht’s mit dem ganz fantastischen (ein wiederkehrendes Thema) Die Hyperion-Gesaenge von Dan Simmons. Die gesamte Serie umfasst vier Buecher (und ein paar Kurzgeschichten), aber ich meine damit nur die ersten Beiden, welche ich in einer Gesamtausgabe habe:

Ich las die Buecher zum ersten Mal nach meinem Studium (aber bevor es nach Norwegen ging) und habe sie „verschlungen“ und als definitiv (und zu Recht) zu den wichtigen Buechern des Sci-Fi-Genres zu zaehlenden empfunden; Letzteres wird ein zweites, wiederkehrendes Thema in dieser Miniserie.

Kurioserweise ist dieses Gefuehl, dass ich etwas Ueberragendes gelesen habe, so ziemlich das Einzige was ich noch von dem Buch wusste. Von der Story wusste ich im Wesentlichen nur noch, dass ein paar Reisende zu irgendwelchen Ruinen unterwegs sind … dies ist dann ein Drittes wiederkehrendes Thema — dass ich den Inhalt der gelesenen Buecher vergessen habe (das ist aber mitnichten schlimm, denn dadurch kann ich das alles nochmal als (fast) neu erleben … toll wa).
Beim zweiten Lesen wurde dieses Gefuehl zum Glueck bestaetigt.

Die Hyperion-Gesaenge erschienen um 1990 und standen damit an einem Scheidepunkt der Sci-Fi. Die meisten „alten Meister“ hatten seit Jahren nix mehr produziert, welches in der Bedeutung ihren frueheren Werken auch nur nahe kam. Klar, dank William Gibson gab es seit ein paar Jahren Cyberpunk, aber das war nun auch schon etabliert. Gesehen aus dem Jahre 2023 gab es 1990 aber „neue“ (oder auch „moderne“ oder „zeitgenøssische“) Sci-Fi a la Ted Chiang, Liu Cixin oder (bedingt) China Mieville natuerlich noch nicht (bzw. steckte deren Entstehung erst in den ganz fruehen Anfaengen und war laengst noch nicht abzusehen). Nun wollte man aber dennoch etwas haben was den Sci-Fi-Epen besagter „alter Meister“ entspricht … und dann kamen (durchaus unerwartet) diese zwei Buecher und „belebten“ die (man kønnte sagen: „eher traditionelle“) Sci-Fi wieder :) .

Die Buecher sind natuerlich so toll, weil die Geschichte(n) spannend sind. Das liegt aber nicht nur an dem Erzaehlten an sich, sondern auch wie diese sich zusammenfuegen und die Charaktere darin agieren. Hinzu kommt all das Gesagte mit Bezug auf das „Hintergrunduniversum“.
Im ersten Teil (eigtl. im ersten Buch, aber die sind bei mir ja zu einer Ausgabe zusammengefasst, weswegen ich „erster Teil“ sage) gibt es zwar gewaltige Brueche in den Geschichten besagter Charaktere (zum Teil wird das Genre komplett veraendert, wenn auch innerhalb der Sci-Fi bleibend), aber der „Fluss“ ist ganz hervorragend und traegt gewaltig zur „Tollheit“ bei. Dies sowohl intern (also innerhalb besagter Geschichten) als auch extern (also das Hintergrunduniversum betreffend).
Und dann ist da noch die Sprache … also das „wie es geschrieben ist“. Manche Autoren haben es echt drauf und zumindest in diesem Buch zaehlt Dan Simmons zu diesen Autoren; auch in der dtsch. Uebersetzung.

Lang Rede kurzer Sinn: wer sich fuer Sci-Fi interessiert sollte es unbedingt lesen; fuer Leute dich sich nicht fuer Sci-Fi interessieren ist es immer noch lohnenswert, eben weil es so gut ist (insb. der erste Teil).

Die Fortsetzung(en) habe ich nicht als so herausragend in Erinnerung und deswegen auch (erstmal) nicht vor nochmal zu lesen.

Beim letzten Mal landete ich bei dieser Tabelle, welche abgeschaetzte Zahlen enthaelt bezueglich wieviele Menschen in Norwegen in 2020 an gegebenen Krebsarten erkrankt (bzw. gestorben sind). Ich vertraue der Abschaetzung nicht nur deswegen, weil das von einer (meiner Meinung nach) vertrauenswuerdigen Quelle kommt, sondern weil ich das rueckwaerts gerechnet und mit echten Zahlen aus frueheren Jahren verglichen habe. Fuer Norwegen sind die Abschaetzungen plausibel, ich kann das nicht fuer andere Laender sagen, wuerde aber ohne Bauchschmerzen das Vertrauen auf diese erweitern.

Ebenso: im Weiteren (nicht nur hier, sondern auch in folgenden Artikeln) kuemmere ich mich nur um 50 % der Bevølkerung (die Maenner), nur um die norwegischen Zahlen und bespreche nur die Zahlen fuer 2020 (wichtig fuer wenn das hier in 20 Jahren jemand liest und die Tabelle die Werte fuer 2040 enthaelt).
Die Frauen lasse ich auszen vor, weil ich ein Mann bin und die ganze Sache hier ja ueberhaupt erst mit einer ganz konkreten Frage mich betreffend los ging. Die Unterscheidung ist wichtig, denn die Zahlen sind (leicht, aber signifikant) unterschiedlich fuer Maenner und Frauen. Nicht nur kann eine Frau keinen Prostatakrebs bekommen, sondern ist bspw. die Chance dass ein Mann Magenkrebs bekommt doppelt so hoch.
Dass ich Norwegen nehme ist weniger eindeutig, habe ich doch einen signifikaten Teil meines Lebens in Dtschl. verbracht. Allerdings unterscheiden sich die Zahlen zwischen diesen beiden Laendern nicht all zu stark.

Wieauchimmer, in der oben erwaehnten Tabelle bin ich nicht so richtig an den krebsspezifischen, totalen Zahlen interessiert. Ich will also nicht wissen wieviele Leute (einen bestimmten) Krebs bekommen haben, sondern vielmher wie viele von 100.000 zufaellig ausgewaehlten Menschen dieses Schicksal ereilte. Das ist (in ganz kurz) die Crude Rate. Ueber alle norwegischen Maenner aller Altersgruppen betrachtet sind das 688. Das ist aber irrefuehrend und ich erklaere an einem Beispiel warum.
Fuer das Beispiel stelle man man den Altersschieber zunaechst zwischen 0 und 49 (Jahre). Man erhalt 1289 Krebsfaelle. Nun stelle man den Schieber zwischen 50 und 85+ (Jahre) und erhaelt 17.573 Krebserkrankungen. Das statistischen Zentralbuero Norwegens hilft mir mit diesem Artikel (Figur 5) weiter, bezueglich der Anzahl der Maenner in diesen Gruppen. In 2020 befanden sich der ersten Gruppe 1,752,661 Maenner und in der zweiten Gruppe 932,412 Maenner. Mit entsprechenden, altersgruppenspezifischen Crude Rates von ca. 74 und fast 1900. (Achtung: die Zahlen in der Tabelle weichen etwas ab, weil dort das Wachstum der Bevølkerung etwas ander abgeschaetzt wurde. Die Abweichungen bewegen sich im Rahmen von ca. 2 %, ein erwart- und verschmerzbarer Fehler.)

Die letzten beiden Zahlen sind betraechtlich anders als die obige Crude Rate von 688. Das ist natuerlich voll logisch, Krebs ist auf Gesamtbevølkerungsniveau gesehen im Wesentlichen eine Alterskrankheit. Das erklaert nicht nur mein (verstaerktes) Interesse an dem Thema sondern auch warum die Crude Rate so viel kleiner fuer die juengeren und so viel grøszer fuer die aelteren Maenner ist.
Die zweite Altergruppe ist immer noch viel zu unspezifisch in meiner ganz spezifischen Situation, denn ich bin zur Zeit des Schreibens dieser Artikel 42 Jahre. Deswegen werde ich in spaeteren Artikeln 5-Jahres-Altersintervalle betrachten und mit den altersspezifischen Crude Rates arbeiten.

Ein letztes Achtung: die Crude Rate ist die _jaehrliche_ Chance an (einem gegebenen Krebs) zu erkranken, wenn man sich in einer gegebenen Altersgruppe befindet. Das ist beim kumulativen Risiko wichtig und deswegen komme ich darauf nochmal zurueck, wenn ich die naeher betrachte.

Fuer heute soll das reichen. Beim naechsten Mal gehe ich kurz auf die altersstandardisierte Rate (ASR) ein und warum da im Tabellenkopf ein „World“ hinter steht.

Øhm … æhm … wegen des Themas einer anderen, z.Z. laufenden Miniserie, ist es mir fast ein bisschen unangenehm, dass das heutige Argument auch um Krebs geht und wie wir (indivudell und als Gesellschaft) den nicht als Teil des Kørpers wahrhaben wollen und wie das dann auf das hinaus laeuft, um was es mir mit dieser Serie geht … aber eben nur fast und deswegen schreib ich mal drauflos.
Ich gebe zu, dass mir das hier dargelegte Argument selbst nicht ganz ausgegoren vorkommt … aber ich komm nicht weiter mit meinen Gedanken und im groszen und Ganzen halte ich das durchaus fuer in das Thema passend … selbst wenn mir nicht komplett klar ist wie oder wo es passt.

Wieauchimmer, wenn man Krebs hat, dann wird im Allgemeinen gesagt, dass man gegen den „kaempft“. Dies auf eine Art und Weise, die definitiv NICHT das Immunsystem meint (wie bspw. bei der Grippe). Geht ja auch gar nicht, denn dieses funktioniert ja gerade nicht gegen den Krebs.

Wie aber kann man gegen sich selber kaempfen? … Kaempfen beinhaltet doch, dass man etwas besiegen kann … aber man besiegt sich ja nicht selbst, wenn man vom Krebs geheilt wird.

In meiner kleinen Welt, die nur wenig beruehrt ist von einer echten Ausbildung in der Psyche des Menschen, kann ich mir das nur so vorstellen, dass der Krebs vom Selbst exkludiert wird. Diese Teile werden nicht als zum Selbst gehørend wahr genommen und deswegen kann man die „besiegen“.
Das einzige Mal, dass ich eine andere Darstellung las war im Buch „Døden, skal vi danse?“ (dtsch.: „Tod, ich bitte zum Tanz“) des Arztes Per Fugelli. Dieser hat sich viele Jahre seines Lebens mit dem Tod und wie wir (individuell und als Gesellschaft) damit umgehen auf professioneller Ebene beschaeftigt. Letztlich fuehrte es dazu, dass er seinen Krebs zwar weiterhin psychologisch „abspaltet“ aber dennoch als Teil von sich selbst wahr nimmt, den er eben gerade NICHT durch einen Kampf los wird.

Worum es mir im grøszeren Zusammenhang nun geht ist der folgende Sachverhalt. Krebszellen sind uns viel aehnlicher als ein Kind es jemals sein kønnte. Erstere werden als „nicht meine und das sollen auch nicht meine sein“ angesehen obwohl diese Teil des eigenen Kørpers sind, mit nur ein paar veraenderten Genen (meist noch nicht mal komplett veraendert, so weit ich das verstanden habe). Bei Kindern hingegen wird im Allgemeinen von Eltern oft genug das angenommen, was im Titel dieser Miniserie steht und das obwohl 50 % des Genoms von wem ganz Anderem sind.

Das ist natuerlich ein Widerspruch, es sei denn, dass es gar nicht um die Gene geht. Aber die Gene sind das Einzige, was ein Kind physisch von den Eltern „hat“ (auch wenn superhoher Stress (bspw. durch Misshandlungen durch besagte Eltern) auch nach der Geburt (via DNA-Methylierung) noch die DNA veraendern kann … der  Einfachheit halber lasse ich solche Effekte bei meinen Betrachtungen auszen vor). Wenn es nun aber nicht um die Gene geht, dann lande ich entweder wieder bei dem beim letzten Mal Gesagten (Machtausuebung) oder, dass das ganze Konzept ein unertraeglicher Unsinn ist.

Das muss reichen fuer heute … alles was ich noch dazu schreiben kønnte, waere gedankliches vor und zurueck bewegen. Das mache ich zwar oft genug, lasse es aber an der Stelle sein und hoffe, dass ihr, meine lieben Leserinnen und Leser schon so’n Gefuehl dafuer habt, was ich sagen will.

Beim letzten Mal endete ich mit einem Verweis auf das „Global Cancer Observatory„. Ich musste ein bisschen Zeit auf dieser Seite verbringen um zu verstehen, wie die Daten aufgebaut sind. Deswegen denke ich, dass es recht nuetzlich ist, wenn ich an dieser Stelle kurz darauf eingehe. Dann kønnt ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, bei Interesse gleich zu den relevanten Dingen vorstoszen und spart euch diese Arbeit.
Ich befuerchte allerdings, dass das hier Geschriebene eher eher als spaeter obsolet sein wird. Im Netz veraendert sich schlieszlich immer alles und selbst wenn es die Seite in ein paar Jahren noch gibt, so wird die bestimmt anders aussehen; sei’s drum.

Wenn man den obigen Link klickt, wird man mit mehreren Wahlmøglichkeiten konfrontiert. „Cancer over time“ ist durchaus interessant (und da habe ich mich zunaechst am meisten aufgehalten), aber ich bin natuerlich an der aktuellen Situation interessiert. Deswegen geht es mit „Cancer Today“ (Direktlink) weiter. Weil ich nur an norwegischen Zahlen interessiert bin, ist es nicht so schlimm, dass die Angaben dort  abgeschaetzt sind, denn in den nordischen Laendern ist es seit vielen Jahren obligatorisch Krebs an die entsprechenden Stellen zu melden.

Wieauchimmer, bei „Cancer Today“ wird man dann mit mehreren Wahlmøglichkeiten konfrontiert. Das was sich dahinter befindet ist an allen Faellen von groszem intellektuellen Interesse.
Ganz besonders informativ fand ich die Auftragung der laenderspezifischen, (jeweils altersstandardisierten) (Gesamt)Mortalitaet aufgrund von Krebs ueber dem (Gesamt)Vorkommen von Krebs. Das verhaelt sich alles wie schon besprochen, aber man muss das genauer anschauen um es zu erkennen. Laender wo es wenige Aerzte gibt haben NICHT weniger Krebsfaelle, da wird das nur nicht erkannt/gemeldet. Bzw. haben die vermutlich doch weniger Krebsfaelle, weil die Leute dort frueh an anderen Sachen sterben. In Laendern wo jeder Zugang zu einem Arzt hat werden mehr Krebsfaelle erkannt und gemeldet, aber wenn das Gesundheitssystem dort nicht soooo super gut ist, dann sterben die Leute da auch oft an Krebs (aber nicht so oft an anderen Sachen). In den reichen Laendern gibt es genau so viele Faelle, aber deutlich weniger Leute sterben daran. Auszerdem muss man bei der Darstellung auch immer im Hinterkopf haben, wie viele alte Menschen es in den Laendern gibt (im wesentlichen wieder eine arm/reich Dichotomie, aber nicht nur). Und dann sind da noch Australien und Neuseeland mit den allermeisten Krebsfaellen, die aber zu groszen Teilen durch Hautkrebs zustande kommen; und die Frueherkennung scheint dort sehr gut zu funktionieren, denn die Mortalitaet steigt nicht an.
Das ist ein tolles Diagramm, weil es sooo viel Information enthaelt und all dies kann man auf der linken Seite noch geschlechter- und krebsspezifisch aufteilen … ich gebe aber zu, dass sich die Informationsfuelle eigentlich erst mit genuegend Hintergrundwissen ergibt … allerdings ist das ja oft der Fall.

Aber ich schwoff ab, denn eigentlich bin ich ja an den altersspezifischen rohen Zahlen interessiert und deshalb verschlug es mich am Ende zu den „Tables„.
Auf der linken Seite waehlt man (von unten anfangend) das Land (Population), die Altersgruppe, das Geschlecht und ob man die Anzahl der (abgeschaetzten) Krebsfaelle oder die (abgeschaetzte) Mortalitaet sehen will.

Um die Stimmung bei diesem Thema wieder ein bisschen aufzumuntern, empfehle ich bei den letzten beiden mal hin und her zu wechseln. Zumindest fuer Norwegen (und vermutlich fuer die meisten reichen, westlichen Laender) gibt das naemlich wieder ein hoffnungsfrohes Bild. (Von Ausnahmen abgesehen) stirbt nur ca. 1/3 der Leute an Krebs.

In der Tabelle sieht man auch die Begriffe „Uncertainty Intervall“, „Crude Rate“, „ASR (World)“ und „Cumulative risk“. Weil das abgeschaetzte Zahlen sind, gibt Ersteres fuer alle praktischen Belange an, weit die Zahlen daneben liegen kønnen. Die anderen drei Begriffe erklaere ich ein anderes Mal.

Zum Abschluss noch ein Achtung: Altergruppen sind ueblicherweise (meistens? oft?) 5-Jahres-Intervalle (wenn ich das richtig verstanden habe), der „Slider“ erlaubt als Minimum aber nur 15-Jahres-Intervalle. Ueber die „Drop-Down“-Menues kønnen kuerze Intervalle gewaehlt werden.