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Die Entwicklung der Crude Rates fuer viele Krebsarten kann man sich altersgruppenspezifisch (fuer norwegische Maenner) hier anschauen (kolorektrales Karzinom ist voreingestellt, aber man kann alles (inklusive der Nation) aendern). Im Wesentlichen sieht das fuer fast alle Krebsarten aus wie die beim vorletzten Mal vorgestellten und betrachten Daten zum kolorektalen Karzinom: die Crude Rates fuer fast alle Krebsarten gehen hoch oder bleiben seit Jahrzehnten konstant.
Es gibt aber drei Ausnahmen: Kehlkopf-, Lungen– und Magenkrebs.

Die Crude Rates der ersten Beiden Krebsarten stiegen an bis in die 70’er / Anfang der 80’er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Danach waren die Zahlen konstant und fallen seit ca. der Jahrtausendwende ab. Der Verlauf dieser Kurve ist leicht zu erklaeren, wenn man bedenkt, dass fuer diese beiden Krebsarten Rauchen ein massiver Risikofaktor ist und wenn man ein bisschen Information aus dem bereits hier erwaehnten Report mit dem Titel „The Health Consequences of Smoking–50 Years of Progress: A Report of the Surgeon General“ im Hinterkopf hat. Genauer gesagt Bild 2.1, in welchem der Zigarettenkonsum ueber der Zeit dargestellt ist. Auch wenn die dargestellten Daten fuer die USA gelten, so denke ich, dass die folgende Zusammenfassung im Wesentlichen (und vermutlich auch in vielen Details) auch fuer (West)Europa gilt.
1964 kam besagter Bericht des „Surgeon General“ heraus und das setzte dem Wachstum des Zigarettenkonsums ein Ende. Aber nur dem Wachstum! Die Anzahl der gepafften Zigaretten blieb fuer ca. 15 Jahre (beinahe) konstant. Erst seit den 80’er Jahren gibt es genuegend Masznahmen, die zu einem hinreichend starken Abfall des Zigarettenkonsums fuehrten.
Die Entwicklung der Crude Rates fuer Kehlkopf- und Lungenkrebs aehnelt dem Verlauf der oben verlinkten und besprochenen Kurve, aber mit einer Zeitverschiebung von ca. 15 Jahren. Ich denke nicht, dass ich darauf eingehen muss warum hier eine Zeitverschiebung auftritt.

Wieauchimmer, das ist irrelevant fuer mich, da ich nie wirklich geraucht habe. Deswegen ist die Sache mit dem Magenkrebs so viel interessanter fuer mich und die sieht so aus:

Wie schon beim vorletzten Mal (nur diesmal fuer Magenkrebs) sieht man auch hier wieder die Crude Rate per Altersgruppe (farbkodiert), fuer norwegische Maenner, bezogen auf das Jahr wann die Diagnose gestellt wurde. Man beachte auch hier wieder die unterschiedlichen Skalen der Ordinaten. Die Altersgruppe 45-49 Jahre ist zur Referenz in beiden Diagrammen dargestellt (rote Datenpunkte/Linie). Wie immer dienen die Linien nur zur besseren Visualisierung des Trends. Die gestrichelten Linien zwischen einigen Datenpunkten bei der Altersgruppe 20-24 Jahre soll ausdruecken, dass es in den (dazwischenliegenden) Jahren keine Magenkrebsfaelle in dieser Altergruppe gab.

Nach der langen Vorrede kann ich dann nur noch sagen, dass dieses Bild ganz klar fuer sich spricht. Im Wesentlichen kann man (wenn die Zahlen nicht nur um all zu kleine Werte zappeln) sagen, dass die Anzahl der Magenkrebsfaelle vor 60 Jahren fuer alle Altersgruppen ca. 500 % grøszer war als heute und seitdem stetig abgenommen hat.
Anfaenglich gingen die Zahlen zurueck, weil (bspw. durch bessere Kuehlung) mehr frisches Essen zur Verfuegung stand. Deswegen haben die Leute (viel) weniger geraeucherte und gepøkelte Lebensmittel verzehrt die als Risikofaktoren (heute) bekannt sind.
Und dann kam Mitte der 80’er Jahre der Typ der sich selbst ein Magengeschwuer verpasste und dafuer den Nobelpreis gewonnen hat: Barry Marshall. Seitdem versteht man eine der Hauptursachen fuer Magenkrebs — Helicobacter pylori — besser und kann was dagegen tun.

Danke dafuer Herr Marshall, denn selbst wenn Zocken mein Risiko fuer ein kolorektales Karzinom verdoppeln wuerde (was es nicht tut, siehe letztes Mal) wird das durch diese Entwicklung mehr als ueberkompenisert.

Ich hoffe ich habe in den vorhergehenden Beitraegen dieser Miniserie vermitteln kønnen, dass einer der (Haupt?)Gruende warum Menschen (seien es Eltern, Groszeltern, Geschwister, Nachbarn etc. pp.) auf leibliche Kinder bestehen, vøllig bekloppt ist. Man kann vom eigenen Wesen nix an leibliche Kinder weitergeben, denn Selbiges steckt nicht in den Genen.
Das mag zwar eine sehr menschliche (und evolutionsbiologisch oder sozialpsychologisch mglw. sogar begruendete) Reaktion sein, aber der vorgeschobene Grund ist Heuchelei … und Heuchelei geht mir grundsaetzlich gegen den Strich.

Vielmehr laeuft alles auf das was ich gleich im zweiten Beitrag ansprach hinaus: das Wesen eines Menschen wird zu groszen Teilen anerzogen … … … Aber ACHTUNG: die Gene eines Menschen bestimmen zu betraechtlichen Teilen dass und wie sich besagtes Wesen formt … es ist also nicht Nature vs. Nurture sondern Nature AND Nurture.

Das bedeutet dann aber auch, dass es eine „Gruppe“ von Menschen gibt die am meisten von „sich“ an Kinder „weitergeben“: Lehrer (wobei sich das nicht nur auf die formale Berufsbezeichnung bezieht).
Was ein Kind von einem Thema haelt (ob Poesie, Sport oder Infinitesimalrechnung) ist natuerlich von den … ich sag jetzt mal salopp „Veranlagungen“ des Kindes abhaengig. Aber wenn diese „Veranlagung“ auf einen Lehrer oder eine Lehrerin trifft, welche(r) einem vermittelt wie viel Freude es macht sich dieses Themas anzunehmen, dann ist das perfekt.
So viele spaetere Lebenswege starten ganz direkt bspw. im Matheunterricht (formales Lernen) oder weil die Nachbarin einem am Auto mitschrauben laeszt (nicht formales Lernen). Das wird dann nicht selten auch auf die Kinder der Kinder uebertragen und somit ein „Teil des Wesens der Person die Wissen und Kønnen vermittelte“ noch eine Generation weitergetragen.

All das muss auch mitnichten direkt sein. Das kann auch indirekt geschehen, bspw. durch eine Lehrerin die Freude am (allgemeinen) Lernen vermittelt. Oder indem der Lehrer „streng“ ist und dadurch erst das Potential welches in der „Veranlagung“ steckt in Fahrt bringt. Oder indem Lehrer einfach nur die gesellschaftliche Negativitaet der Schule und dem Lernen gegenueber kompensieren, wenn sie auch bei „schlechten“ Schuelern die (oft kleinen) Erfolge erkennen und diese dann aufmuntern.

Toll wa! Dieser Beitrag hatte zwar den gleichen Hintergrund wie die vorhergehenden Beitraege, aber ging doch in eine ganz andere Richtung. Ich habe das extra bis zum Schluss aufgehoben, weil’s eine positive Herangehensweise ist und die Minisierie so schøn abrundet.

In London besuchte ich (natuerlich?) Tate Modern … nicht weil man „muss“ weil’s doch „zu einem London Besuch dazu gehørt“, sondern weil ich ehrlich interessiert war.

Zeitgenøssische Kunst ist natuerlich immer so ’ne Sache und ich verstehe das sowieso nicht. Deswegen gehe ich da auf einem „Gefuehlslevel“ heran … die „Entdeckung“ dieser Methode habe ich Gustav Vigeland zu verdanken; in dessen permanenter Freiluftsausstellung bemaechtigte sich besagte Herangehensweise meiner, ganz ohne das ich was dafuer tat, und seitdem kann ich die bewusst „nutzen“.
Wieauchimmer, im Allgemeinen (und insb. auch im Speziellen) bleibt mir (leider (?)) der grøszte Teil der Ausstellungsstuecke in entsprechenden Schauen dennoch fern. Nichtsdestotrotz gilt auch im Allgemeinen (und insb. im Speziellen), dass es allermeistens auch ein paar Sachen gibt, die mit mir „klicken“ … ist mir erst Letztens wieder im Gropius Bau passiert und daher das ehrliche Interesse auch mal Museen fuer zeitgenøssische Kunst zu besuchen.

Naja, trotz allem stellte sich bei mir mehr und mehr ein Gefuehl der Enttaeuschung ein, je laenger ich durch Modern Tate ging. Da war nix was „klickte“ … und dann geh ich in einen weiteren Raum, mich mental darauf vorbereitend das Gebaeude sehr bald zu verlassen … und dann …

… o.O … !!! … !!! !!! !!! … DAS IST EIN ECHTER LICHTENSTEIN!!!11einself

Gestikulierend versuchte ich dem jungen Mann, der bei mir wohnt und mich begleitete, klar zu machen warum das so krass ist … hat er nicht verstanden … bis der Name dann ein halbes Jahr spaeter im Kunstunterrricht auftauchte … also da hat er’s meine Begeisterung immer noch nicht verstanden, aber er konnte es zumindest einordnen.

Und nun wisst ihr, meine lieben Leserinnen und Leser das auch.

Hier sind zwei MRT-Bilder meines Kopfes zu sehen:

Das Erste wurde vor … (ueber (?)) 10 Jahren … oder so ungefaehr gemacht bei einer relativ „niedrigen“ magnetischen Flussdichte. Letztere hatte ich nicht erfragt aber 1.5 Tesla sind ueblich … was natuerlich immer noch gigantisch viel ist, im Vergleich mit sonst ueblichen Magnetfeldern.
Das zweite Bild wurde vor Kurzem aufgenommen … bei 7 Tesla … UIUIUI.

Man sieht, dass ich ganz eindeutig ein Gehirn habe (klick drauf macht’s grøszer). Aber an ungefaehr der gleichen Stelle war es neuerdings etwas schuechtern und wollte sich nicht so richtig fotografieren lassen … Die unschargen Bereiche kønnten natuerlich auch daher ruehren, dass ich an einer Kalibirierungsmessung teilgenommen habe und das keine richtige Untersuchung war.

Interessant finde ich, dass das Gehirn bei 7 T an sich zwar viel klarer (siehe das Kleinhirn, nicht der verschwommene Teil), aber der Rest vom Kopf eigtl. nur Rauschen ist. Auch interessant sind die Artefakte die bei 7 T auftreten. Die sehen so’n bisschen wie Teilchenspuren in einer Blasenkammer aus.

Eins der Hauptwerke von Arthur C. Clarke und der deutsche Titel ist mal wieder bekloppt …

… ich gebe aber zu, dass es wegen einer bekannten Streichfettmarke vielleicht eine gar nicht so dumme Entscheidung war.
Die Coverabbildung hat ebenso rein gar nix mit dem Inhalt zu tun.

Wieauchimmer, vor ueber 25 Jahren habe ich das Buch verschlungen und auch beim zweiten Mal las ich es fix durch. Ich muss aber zugeben, dass die Art und Weise wie es geschrieben ist etwas altmodisch wirkt … heutzutage ist alles dynamischer und mglw. auch rasanter.
Das ist aber definitiv kein Nachteil (Dickens wird schlieszlich auch immer noch gelesen) und wird mehr als aufgewogen durch den Fakt, dass die Herangehensweise dieses Buches „erfrischend“ wirkt. Letzteres kann man wieder nur im Vergleich mit heutigen Werken erklaeren.

Irgendwie gibt’s heutzutage immer eine (oder mehrere) Ueberraschung fuer die handelnden Personen und nur das treibt manchmal den Plot voran  … oder die Charaktere werden vor (meist scheinbar) unløsbare Aufgaben gestellt … oder jemand trifft eine (oft dumme) Entscheidung und die Spannung folgt daraus.
Bei Rama gibt es das auch alles aber auf einem anderen Niveau. Man folgt weniger einem Helden als vielmehr (buchstaeblich) einer Gruppe von Wissenschaftlern wie die etwas Neues (besagtes Rama) erkunden. Ueberraschungen gibt’s da auch, die werden aber schnell un-ueberrascht angegangen.
Als eine Situation eintritt die fuer die Leserin zunaechst aussichtslos wirken kønnte, stellt sich ein derartiges Gefuehl nicht ein. Eben weil die Handelnden schon die ganze Zeit ihre Problemløsungsfertigkeiten unter Beweis gestellt haben. Das vermindert aber mitnichten die dadurch erzeugte Spannung.
Und auch eine Entscheidung, die ohne Kontext dumm und unueberlegt scheinen wuerde, wird erklaert, sodass die Grundlage besagter Entscheidung eben nicht mehr so scheint.

Ueberhaupt folgt die Spannung eher aus dem Entdeckungs- und Erforschungsprozess und der Frage wie man was Interessantes, niemals zuvor Gesehenes, ueberhaupt untersuchen soll.
Im Nachhinein denke ich, dass dieser Roman mich deutlich mehr gepraegt hat Wissenschaftler zu werden als mir bewusst ist oder war.

Zurecht ein weiterer Klassiker der Science Fiction.

Es gibt uebrigens zwei „Fortsetzungen“ aber die sind von wem anders geschrieben (auch wenn Clarke auf dem Titel steht, aber der hat das nur editiert) und ganz anders aufgemacht (eher auf die moderne Art welche ich bemaengelte (und nicht die coole moderne Art wie bspw. von Ted Chiang)) und bei denen dachte ich schon vor ueber 25 Jahren, dass die nicht so doll waren. Clarke hatte (trotz des letzten Satzes im Buch) nie eine Fortsetzung geplant.

In meiner bisherigen Vorstellung / Zusammenfassung / Kommentierung dessen was Schmidt und Frank schreiben ging es soweit nur um potentielle Kandidaten fuer Signale in potentiellen Messungen welche auf potentielle Dinosaurierzivilisationen potentiell hindeuten kønnten. Die Autoren schreiben zuzammenfassend dazu:

[t]he Anthropocene layer in ocean sediment will be abrupt and multi-variate, consisting of seemingly concurrent-specific peaks in multiple geochemical proxies, biomarkers, elemental composition and mineralogy.

Einige Sachen (wie bspw. krass langlebige synthetische Molekuele oder nicht natuerlich vorkommende langlebige radioaktive Isotope (im Falle einer nuklearen Katastrophe)) sind mglw. leichter zu identifizieren, wenn die Umweltverschmutzung bzw. Katastrophe nur grosz genug ist. Im Allgemeinen gilt aber das Folgende:

[m]ost of the individual markers will not be unique in the context of Earth history […] but the combination of tracers may be. […] the uniqueness of the event may well be seen in the multitude of relatively independent fingerprints as opposed to a coherent set of changes associated with a single geophysical cause.

So weit so gut und die Autoren schauen dann wie solche „Fingerabdruecke“ bei vorhergehenden abrupten Veraenderungen in der Erdgeschichte aussehen.
Dazu muss gesagt werden, dass es nicht sinnvoll ist, solche Untersuchungen bei all Uebergaengen zwischen Erdzeitaltern durchzufuehren, deren Ursache bekannt ist.
So fanden bspw. groszflaechige, langanhaltende Vergletscherungen auf der Erde mehrfach statt. Damit einher ging ein Absinken der Durchschnittstemperatur (Nein! Doch! Oh!) und somit (wie besprochen) eine Aenderung des 18O-Verhaeltnisses in den entsprechenden Gesteinsschichten. Wenn man aber auch andere Beweise fuer besagte Vergletscherung findet, dann ist es nicht sinnvoll ueber das Ende einer Dinosaurierziviliation zu spekulieren.
Im Wesentlichen gilt das gleiche Argument bei asteroidenassistierten … .oO(ein Wort von dem ich nicht dachte, dass ich das mal schreibe) … Massenaussterbeereignissen (nota bene: die Links gehen zu zwei Sachen die normalerweise nicht als Erstes damit in Verbindung gebracht werden). Dito bei Erdzeitalteruebergaengen (und aller damit einhergehenden Konsequenzen) durch heftigen, langanhaltenden Vulkanismus.

Die Autoren zeigen solche „Fingerabdruecke“ fuer zwei erdgeschichtliche Ereignisse. Zum ersten ist es das Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum vor ca. 56 Millionen Jahren und zum Zweiten das ozeanische anoxisches Ereignis im Aptian vor ca. 120 Millionen Jahren.

Das ist so fetzig, dass ich die Vorfreude darauf noch erhalten møchte und mir’s deswegen fuer’s naechste Mal aufhebe.

Die letzten paar Artikel habe ich versucht darzulegen, warum der Effekt des Sitzens bzgl. der Entwicklung eines kolorektalen Karzinoms (CRC) nicht sooo grosz ist, dass man sich deswegen spezielle Sorgen machen muss, wenn man bspw. viel zockt. Im Laufe meiner Nachforschungen bin ich nun ueberraschenderweise darauf gestoszen, dass dieser Effekt des Sitzens wohl schon ziemlich lange relativ weit bekannt ist (zumindest in der Medizin).

In der „Supplementary Information“ zum Artikel von Ugai, T., et al. (immer noch nicht befreit) fand ich dazu den Artikel von Fraser, G. und Pearce, N. mit dem Titel „Occupational physical activity and risk of cancer of the colon and rectum in New Zealand males“ … *hust* …  in Cancer Causes Control, 4 (1), 1993, pp. 45–50 und die schrieben vor nun schon 30 Jahren:

[…] an association between occupational physical activity and colon cancer has been found in a number of studies […]

Wie gesagt, ich war ueberrascht, denn zu mir ist das erst durch einen puren Zufall vor Kurzem durchgedrungen. Die Autoren errechnen ein ca. 25 % erhøhtes Risiko an CRC zu erkranken, wenn man richtig viel sitzt.

Noch besser fand ich aber den Artikel von Moradi, T. et al. (welche im Uebrigen auch auf einen Effekt von ca. 25 % kommen) im European Journal of Cancer Prevention, 17 (3), 2008, pp. 201–208 mit dem etwas laenglichen (aber definitiv aussagekraeftigen) Titel „Occupational Physical Activity and Risk for Cancer in the Colon and Rectum in Sweden Among Men and Woman by Anatomic Sub-Site„. Ich fand den deshalb besser, weil ich hier die Methodik und wie die zu den Daten gekommen sind, besser nachvollziehen konnte.
In kurz: in vielen Studien wie diesen beiden werden die Daten aus Datenbanken geholt und es wird ueber den Beruf ausgemacht, ob eine Person sich viel oder wenig bewegt. Das ist naheliegend und durchaus legitim. Andererseits mangelt es solchen Studien dann aber oft an anderen Informationen (ob eine Person bspw. raucht oder sich gesund ernaehrt). Naiv wuerde ich davon ausgehen, dass solche Sachen oft korellieren und wuerde daher vermuten, dass die 25 % nicht nur vom Sitzen kommen.

Letzteres wird im Wesentlichen von Nguyen, L. H. et al. in ihrem Artikel mit dem Titel „Sedentary Behaviors, TV Viewing Time, and Risk of Young-Onset Colorectal Cancer„, erschienen im JNCI Cancer Spectrum, 2 (4), 2018, und auch von Morris, J. S. et al. im British Journal of Cancer, 118 (6), 2018, pp. 920–929 im Artikel mit dem Titel „Physical activity, sedentary behaviour and colorectal cancer risk in the UK Biobank“ bestaetigt.
Beide benutzten Fragebøgen um diese zusaetzlichen Informationen herauszubekommen. Nguyen et al. schauten sich NUR Krankenschwestern an und nahmen die Anzahl der Stunden vor dem Fernseher um das Aktivitaetsniveau einer Person einzuschaetzen. Die Autoren kommen auf ein erhøhtes Risiko durch Sitzen von mehr als 50 %, geben aber zu, dass viel Fernsehschauen auch mit anderen Risikofaktoren fuer CRC korelliert (auch wenn versucht wurde bzgl. einiger zu korrigieren). Interessant fand ich diesbezueglich diese Aussage:

Limited evidence suggests that when compared, TV viewing, but not computer use, is more closely associated with chronic disease risk […]. The reasons for this may be because of a decrease in energy expenditure from TV watching compared to other media like video games […] coupled with an increase in energy intake associated with staying home and a susceptibility to TV programming cues for unhealthy eating […].

Wait! What? … Zocken ist also gar nicht so schlimm, weil man sich dabei aufregt (?) und keine Werbung hat die einen zum Griff in die Chipstuete animiert … WOHOOO! … Eins zu Null fuer mein mir liebstes Hobby (obwohl … das waere eigtl. Lesen, auch wenn ich das laengst nicht so viel mache wie Videospiele spielen).

Morris et al. fragten neben den oben erwaehnten „anderen Informationen“ direkt nach Bewegungsaktivitaet und wandelten dies in „metabolic equivalents […] per week“ um. Die grosze Staerke dieser Studie liegt also darin, dass nichts indirekt angenommen wird. Das Resultat: im Durchschnitt weniger (!) als 25 % erhøhtes Risiko fuer CRC durch wenig Bewegung. Ueber alle angegebenen Zahlen so Pi mal Daumen abgeschaetzt wuerd ich „im Mittel ca. 15 %“ sagen. Auszerdem ist der Effekt statistisch relevant meist nur dann, wenn man urste Couchkartoffeln mit Freizeitsportlern vergleicht, aber nicht, wenn man sich Leute anguckt, die sich tagsueber relativ normal bewegen.
In dem Artikel gibt es auszerdem eine Aussage die mich ueberhaupt nicht wundert:

Compared with those in the lowest category […], [people] in the highest total physical activity category […], were less likely to have attained a college education or university degree […].

Leute die sich viel bewegen sind also weniger gebildet. Das soll jetzt mitnichten herablassend sein, sondern vielmehr møchte ich darauf hinweisen, dass das gut zusammenpasst mit dem beim letzten Mal erwaehnten Trend, dass sich das Arbeitsleben stark veraendert hat. Man braucht heutzutage fuer viele Berufe eine bessere Bildung, diese Berufe gehen aber auch mit deutlich weniger Bewegung am Arbeitsplatz einher.

Ein weiteres persønliches Resultat nur fuer mich: ich bin nicht in der allerniedrigsten Bewegungskategorie und das scheint durchaus schon was auszumachen.

Diese vier Artikel sind von mir mehr oder weniger zufaellig ausgewaehlt worden, scheinen aber repraesentativ bzgl. dieser ganz spezifischen Sache zu sein.
Ich nehme hierbei mit, dass selbst die „schlimmsten“ Resultate nur auf ein (nicht mal) verdoppeltes Risiko fuer CRC durch einen sitzenden Lebensstil kommen. Wahrscheinlicher ist aber ein 25 % oder weniger erhøhtes Risiko. Wenn man also an CRC erkrankt, dann vermutlich nicht weil man viel zockt.

Mit diesem Beitrag will ich (wie schon vorher so oft) auf das folgene hinaus: der Effekt von wenig Bewegung bzgl. des Risikos an kolorektalem Karzinom zu erkranken ist echt, aber laengst nicht so grosz, dass man sich darueber besondere Sorgen machen muss.

Bevor ich diese Miniserie zusammenfasse, møchte ich beim naechsten Mal eine ganz wunderbare Nachricht verkuenden. Ganz wunderbar deshalb, weil die alle eventuellen Effekte von viel Sitzen ueberkompensiert.

Endlich nach vielen Jahren (man schaue auf das Verøffentlichungsdatum des verlinkten Beitrags) wurde Ende des letzten Jahres nun endlich der zweite Band (des zweiten Teils) fertig:

Im ersten Teil liegen geologische Aeonen, Aeras und im Durchschnitt mindestens Perioden zwischen den einzelnen Bildern. Im zweiten Teil Anfangs immer noch Perioden aber der Abstand zwischen den Bildern schrumpfte schnell auf Epochen, Subepochen und Alter. Hier nun ist’s durchschnittlich ein Bild pro annum.

Es war eine sinnvolle Entscheidung dies in einen eigenen Band auszugliedern. Jetzt sind’s nur noch ein paar Jahre bis ich den Zukunftsband der Trilogie in vier Teilen in meinen Haenden halten kann. Ich freu mich drauf :)

Beim letzten Mal machte ich (hoffentlich) klar, dass die DNA an sehr vielen Stellen (bis zu 80 %) mit Methylgruppen besetzt ist, die ueberhaupt erst die richtige Funktion der DNA sicherstellen.

Aber das war nur der erste Teil dieser sehr spannenden Sache. Der zweite Teil, zum beim letzten Mal verlinkten ersten Teil (einer dreiteiligen Reihe), hat den schønen (weil eindeutigen und klaren) Titel „Epigenetics of the mammalian germline“ … und oioioi der ist voll toll.
Fuer den Zweck dieser Miniserie sei nur so viel gesagt: DNA-Methylierung wird zwei Mal geløscht.

Die erste Løschung geschieht kurz nach der Befruchtung der Eizelle und entfernt fast alle Methylgruppen von der DNA. Die Ausnahmen sind aeuszerst wichtig (wie so ziemlich jedes kleine Fitzelchen im Zusammenhang mit den Genen) und ich komme da beim zweiten Grund drauf zurueck. Die „Entsorgung“ der Methylanhaengsel ist wichtig (da war es wieder), denn von der DNA der Mutter und der Vater soll ja alles kopiert werden in der frisch befruchteten Eizelle. Da darf jetzt also keine Methylgruppe dran sein welche „Beruehren verboten“ ausdrueckt.
Auszerdem muss die DNA in den Gameten fuer sich genommen andere „Aufgaben uebernehmen“ als in der befruchteten Eizelle. Diese „Programmierung“ muss geløscht werden, bevor neue Aufgaben uebernommen werden kønnen.
Sobald sich die befruchtete Eizelle oft genug geteilt hat (bei Menschen wohl ab 8 Zellen) wird die DNA „reaktiviert“ durch „Neubestueckung“ mit Metylgruppen an den richtigen Stellen.

Die zweite Løschung passiert waehrend der Gametogenese. Genauer gesagt waehrend der Meiose, welche ja anders ist als die Mitose bei normaler Zellteilung (und hier im Webog bereits an anderer Stelle auftauchte). Der Grund liegt zum Einen in dem was ich bereits oben schrieb: die Gameten muessen spezifische (andere) Aufgaben erfuellen, entsprechend muss deren DNA anders „ausgedrueckt“ werden und die Methylgruppen an anderen Stellen sein.
Ein weiterer Grund liegt darin, dass bestimmte Gene, nur von einer Kopie (also NUR vom Vater oder NUR von der Mutter) „ausgedrueckt“ werden. Ein Beispiel ist das sogenannte Insulin-like growth factor 2, von dem nur das vaeterliche Allel „benutzt“ wird. Das liebevoll IGF2 abgekuerzte Gen ist natuerlich auch bei Frauen aktiviert, aber diese Aktivierung muss waehrend der Meiose der Eizelle geløscht werden, damit beim Kind nur das (gleiche) Gen des Vaters benutzt wird.

Achtung: all das ist eine super-mega-dolle Vereinfachung der Vereinfachung des verlinkten Artikels.

Wieauchimmer, am Ende all der Løschungen haben nur noch ca. 5 % der DNA Methylanhaengsel. Die Ausnahmen sind zum Einen die erwaehnten speziell markierten Gene wie IGF2, sind aber zum grøszten Teil sogenannten Transposonen zuzuordnen. Letztere sind sind DNA-Abschnitte die bei der Reproduktion an andere Stellen im genetischen Code „springen“ kønnen. Das kann natuerlich fatale Konsequenzen haben und durch die Methylgruppen wird der Zelle mitgeteilt, dass die nicht „aktiviert“ werden sollen bei den vielen Zellteilungen die nach der Befruchtung stattfinden, damit die bleiben wo sie sind.

Lange Rede kurzer Sinn: beim letzten Mal sagte ich, dass DNA-Methylierung urst wichtig ist und haeufig vorkommt und durchaus durch aeuszere Prozesse wie lange Hungerperioden entstehen kann. Hier ist nun festzuhalten, dass Methylierung bei der Entstehung neuen Lebens gruendlich geløscht wird und in nur ganz wenigen Faellen auf das Kind uebertragen wird.
Beim naechsten Mal komme ich dann dazu wie das dennoch durchaus, in seltenen Ausnahmen (!), zu „Uebertragungen“ auf’s Kind (und mglw. gar auf den Enkel) fuehren kann, aber mehr auch nicht.

Der Trend vom letzten Mal war der „Average Annual Percent Change“ (AAPC) der Maenner zwischen 20 und 49 Jahren, die mit kolorektalem Karzinom (CRC) in den Jahren 2002 bis 2012 diagnostiziert wurden. Fuer Norwegen lag der Wert bei 0.7 und fuer Dtschl. bei 2.
Da dieser Trend mit historischen Daten berechnet wurde, kann ich das fuer die oben genannte Gruppe (in einer anderen Tabelle) nachschlagen (klick mich) und sehe dort, dass dieser Trend im Wesentlichen mit der Datennahme in den 50’er Jahren anfing … seltsam … das muss ich mir mal genauer anschauen:

In diesen zwei Diagrammen sieht man die Crude Rate per Altersgruppe (farbkodiert), fuer norwegische Maenner, bezogen auf das Jahr wann die Diagnose „kolorektales Karzinom“ gestellt wurde. Man beachte die unterschiedlichen Skalen der Ordinaten. Die Altersgruppe 45-49 Jahre ist zur Referenz in beiden Diagrammen dargestellt (rote Datenpunkte/Linie). Wie immer dienen die Linien nur zur besseren Visualisierung des Trends.

Im linken Diagramm sieht man, dass fuer norwegische Maenner unter 40 (und ueber 20) Jahre mglw. tatsaechlich ein neuer (!) aufsteigender Trend seit ca. der Jahrtausendwende stattfindet. Gleichzeitig sieht man aber auch, dass fuer norwegische Maenner ueber 40 Jahre die „Kurven“ schon immer einen positive Anstieg haben und nicht nur um einen Mittelwert zappeln. Das Selbe gilt fuer noch aeltere Maenner, wie man im rechten Diagramm sieht.
Letzteres ist natuerlich verstaendlich und haengt wieder damit zusammen, dass weniger (aeltere und alte) Menschen an anderen vermeid- oder behandelbaren Ursachen sterben. Fuer Maenner unter 40 Jahre spielt das keine grosze Rolle ab ca. den 60’ern des letzten Jahrhunderts (denn von denen ueberleben die Allermeisten schon laenger).
Gleichzeitig ist relevant, dass sich in dem aufgetragenen Zeitraum das Berufsleben (mehr sitzende Berufe) und der Lebensstil im Allgemeinen (høhere Kørpermasse, ungesundes Essen, weniger Bewegung) geaendert hat. Fuer ueber 60’jaehrige spielt das nur in den letzten paar Datenpunkten eine (untergeordnete) Rolle, da alte Menschen in vorherigen Jahren diesen Faktoren nicht lange genug „ausgesetzt“ waren. Fuer junge Menschen fuehrt dies zu dem oben erwaehnten Trend ab der Jahrtausendwende (nicht unbedingt davor, denn da war drauszen-spielen noch weiter verbreitet und Eltern pass(t)en bei der Ernaehrung der Kinder noch mehr auf als bei sich selber).

Ich erwaehne dies alles weil das problematisch wird, wenn die Gruppe der 40-59-Jaehrigen betrachtet wird. Ganz offensichtlich sterben weniger von denen seit den spaeten 50’er Jahren (die entsprechenden Kurven gehen stetig aufwaerts). Gleichzeitig ist diese Gruppe vom veraenderten Lebensstil betroffen (aber noch nicht genug, wenn die Diagnose 1962 gestellt wurde).

Im Artikel von Ugai, T., et al. (immer noch nicht befreit) werden die 40-49-Jaehrigen als zu den jungen Menschen gehørend betrachtet. Das bedeutet, dass beim letzten Mal erwaehnten Trend des AAPC diese vermutlich einen groszen Anteil beitragen. Das wiederum hat zur Folge, dass besagter Trend noch viel weniger durch Sitzen (oder Cola trinken und Pizza essen) ausgløst sein kann, also ich zunaechst annahm, weil ja bei denen auch der nicht-an-anderen-Sachen-verstorben-Effekt eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Toll wa!

Ebenso møchte ich darauf hinweisen, dass selbst die hohe Crude Rate von ueber 600 bei den ueber 80-Jaehrigen immer noch eine Chance von weniger als 1 % entspricht an CRC zu erkranken. Noch so’n „toll wa!“-Ding.

Damit kønnte beim naechsten Mal alles mit Ja-der-Effekt-is-echt-aber-im-groszen-und-Ganzen-ist’s-doch-vom-Zufall-abhaengig-ob-und-was-fuer’n-Krebs-ich-bekomme-und-deswegen-muss-ich-mir-keine-all-zu-grosze-Sorgen-machen-und-schon-gar-nicht-mein-mir-liebstes-Hobby-aufgeben zusammenfassen. Ich will aber nochmal darauf zurueckkommen, dass man den Einfluss einens sitzendes Lebensstils tatsaechlich in den Krebsdaten sieht. Ist naemlich voll spannend … und wenn ich damit durch bin, dann kommt die Zusammenfassung und das Ende dieser Miniserie.